Eine meiner bleibenden Erinnerungen meiner ersten Vietnam Reise ist wohl die Zugreise durch Nordvietnam. Ein Erlebnis, das bei keiner großen Vietnam Reise fehlen sollte! Von Hanoi aus wollte ich weiter nach Hue, um mir dort die Kaiserstadt anzuschauen. Mit dem Zug durch Vietnam zu rollen, das schien mir eine schöne Idee, das Land auch unterwegs zu erkunden. Am besten sollte da der Nachtzug sein, der einmal vom Norden Vietnams bis runter in den Süden fährt, von Hanoi bis nach Saigon.
Als ich mich aber so in den lauten und mit Rollern überfüllten Straßen von Hanoi verlor, fiel mir bei einem Blick in eine vermeintlich ruhige Seitenstraße dieses kuriose Bahngleis mitten in der Stadt auf:
Bestimmt von einer kleinen Bimmelbahn, einer alten Mini-Straßenbahn oder ähnlichem, dachte ich. Komisch – mitten durch die dicht bewohnte Stadt schlug dieses Gleis seine Schneise, ohne Rücksicht auf Anwohner. Welche Bahn hier wohl noch lang fuhr? Oder vielleicht war die Strecke schon vor Jahren stillgelegt worden. Das musste es sein. Tatsächlich aber fahren hier tagtäglich Fernzüge entlang. Die Anwohner haben sich mit dem Zug arrangiert, es gibt keine Sicherheitsvorkehrungen, man passt einfach ein bisschen besser auf, sobald der Zug vorbeifährt. Mittlerweile ist das kuriose Gleis auch zu einer festen Touristenattraktion in Hanoi geworden – es gibt jetzt auch Cafés und Shops mit Sitzgelegenheiten direkt am Gleis (dort, wo noch etwas Platz ist).
Zug fahren in Vietnam: Ein Erlebnis für sich auf der Strecke von Hanoi nach Hue!
Abends stieg ich dann am Bahnhof in Hanoi in den grossen Nachtzug nach Hue (SE3). Der Zug rollte los, nahm an Fahrt auf, ich schaute aus dem Fenster – und direkt in diverse Wohnzimmer hinein. Der Zug bretterte über genau jenes Bahngleis in Hanoi, über das ich am Vortag noch gestaunt habe. Ein besonderes Erlebnis.
Keine Hektik, kein Stress: Abends in Hanoi fährt der Nachtzug los in Richtung Süden – bis hinunter nach Saigon.
Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals in meinem Leben mit einem Nachtzug gefahren bin – warum eigentlich? Denn die Zugfahrt durch halb Vietnam war wirklich klasse. Ein Abteil besteht aus vier Betten, zwei oben, zwei unten, im Etagenbett-Style. Gut, die Betten oben waren nur mittels einer Akrobatikeinlage zu erreichen – zum Glück hatte mir meine Reiseberatung aus meinem Hostel in Hanoi ein Bett unten organisiert. Scheinbar traute sie mir die nötige Gelenkigkeit für ein Bett oben wohl nicht ganz zu. Recht hatte sie.
Schlafen im Nachtzug: Liegewagen im Zug Vietnam
Kissen und Decken waren für jeden Gast ausgelegt, wobei ich mich eh in mein eigenes Schlafequipment aus Kissen und Schlafsack gehüllt habe. (Und das ich wärmstens empfehle – auf Reisen hat die Kombination mir als extrem pingeligem Hostel-/Hotelgast mir unendlich gute und saubere Dienste geleistet 😉 Ab und zu gab’s noch Bordverpflegung mit Instantsüppchen und -Kaffee vom Servicewägelchen des Zugbegleiters, der charmant den schmalen Gang an den Abteilen auf und ab fuhr – verhungern oder verdursten musste niemand.
Sogar eine vietnamesische Zeitung und Wasser gibt es gratis: Im Liegewagen mit vier Betten kann man es sich ziemlich gemütlich machen.
Nachts von Hanoi nach Hue mit dem Zug
Der Zug rollte sich also durch das nächtliche Vietnam und ich schlief und schlief. Zugfahren gefiel mir und ich machte mir eine innere Notiz, doch mal mehr auf die Bahn umzusteigen. Ganz entgegen meiner Erwartungen war das leichte, rhythmische Schaukeln des Zuges gar nicht so störend, sondern eher beruhigend. (Und ich bin mittlerweile nach Jahren voller Hotelübernachtungen wirklich ein ganz pingeliger Schläfer.) In Hue verließ ich schließlich den Zug – und Vietnam hatte mich wieder. Denn trotz meines festen Vorsatzes, am Bahnhof nicht auf windige Taxifahrer hereinzufallen, die auf naives Frischfleisch aus dem Nachtzug lauerten, passierte eben genau das. Und zack, saß ich mitsamt Gepäck für teuer Geld in einem unlizensierten, abgerissenen „Taxi„. Ab und zu mal in eine Touristenfalle gehört eben zum Reisen auch dazu.
Infos zum Zugfahren in Vietnam: Tickets & Tipps
Viele Touristen reisen in Vietnam von Norden nach Süden oder umgekehrt – einmal von Hanoi nach Saigon oder umgekehrt. Als Transportmöglichkeiten gibt es in Vietnam ein gut ausgebautes Fernbusnetz, oder auch günstige Flüge in größere Städte wie Da Nang, um gut von A nach B zu kommen.
Am Wolkenpass fährt der Zug am Meer entlang – schöne Aussicht inklusive.
Lohnt sich eine Zugfahrt in Vietnam?
Die Zugfahrt war wirklich komfortabel (unbedingt 1.Klasse buchen) und entspannt. Die Landschaft morgens an sich vorbeiziehen zu lassen, hatte schon etwas für sich. Für diejenigen, die mit knappem Budget unterwegs sind, liegt auch ein Vorteil darin, dass man sich eine Hostel-/Hotelübernachtung spart, wenn man mit dem Nachtzug fährt.
Sicherlich gibt es auch Nachtbusse. Persönlich versuche ich die immer zu vermeiden, da mir Nachtbusse grundsätzlich unsicherer erscheinen, was potentiellen Taschen-/Gepäckdiebstahl etc. angeht. Im Zug dagegen habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht, er hält unterwegs nicht oft, und auch das Gepäck bleibt immer in der Nähe im Abteil.
Kann man mit dem Chicago City Pass wirklich Geld sparen? Chicago ist ein beliebtes Reiseziel für Städtereisen in den USA. Aber klappert man wirklich alle Sehenswürdigkeiten ab, kann das Sightseeing in Chicago schnell teuer werden. Als gute Möglichkeit Geld zu sparen, wird häufig der Chicago City Pass beworben. Nur: Lohnt es sich wirklich? Ich vergleiche hier in diesem Artikel für euch, bei welchen Sehenswürdigkeiten in Chicago ihr sparen könnt.
Mit dem Chicago City Pass ist der Eintritt auf beide Top-Aussichtspunkte in Chicago inklusive! Der Wilis Tower ist DIE Sehenswürdigkeit in Chicago! Vom Skydeck ganz oben hast du eine fantastische Sicht über Chicago und den Lake Michigan!
Früher hieß der Willis Tower übrigens mal Sears Tower, nach dem Unternehmen, das das Gebäude bauen ließ, und war bei seiner Einweihung 1974 sogar der höchste Wolkenkratzer der Welt. Mittlerweile ist er nach dem One World Trade Center in New York „nur“ noch das zweithöchste Gebäude der USA, aber hey, ich kann euch sagen, das ist schon hoch genug!
An guten Tagen kann man vier Bundesstaaten gleichzeitig sehen und Chicago mit seinen 2 Millionen Einwohner sieht absolut winzig aus.
Auf dem Skydeck Chicago sind übrigens vier Glasbalkone, die Ledges, angebracht – komplett aus Glas: Wände, Decke, Boden! Die Fläche ist ca. 2×3 Meter groß. Wenn man also einen Schritt vortritt, steht man komplett auf Glas. Unter einem: Über 90 Stockwerke! Ich dachte übrigens, ich würde mich nicht trauen – aber die Vorstellung, Hunderte Meter über der Straße nur auf einem Glasboden zu stehen, ist so skurril und unglaublich, dass meine Bedenken sofort verflogen.
Allein schon wegen der Glasbalkone lohnt sich ein Besuch!
Vorteil mit dem ChicagoCityPass: Der CityPass berechtigt nicht nur zu einem, sondern gleich zu ZWEI Eintritten auf das Skydeck am gleichen Tag. Zusätzlich zum regulären Eintritt tagsüber bekommt man noch einen Eintritt für abends ab 18 on top, damit sich auch Chicago bei Nacht anschauen kann! Besonders zum Fotografieren empfehlenswert.
#2 Art Institute Chicago / Adler Planetarium
Mit dem Chicago City Pass musst Du Dich entscheiden: Kunst oder Wissenschaft? Der Chicago City Pass berechtigt zum Eintritt ins Art Institute Chicago oder ins Adler Planetarium.
Art Institute Chicago
Das Art Institute Chicago ist im Umfang seiner Sammlung außergewöhnlich: Von Byzantinischer Kunst bis zeitgenössischer Fotografie findet man hier alles. Um die gesamte Ausstellung zu sehen, braucht es garantiert einen Tag. Es macht also Sinn, sich vorher zu überlegen, was man sich gerne anschauen möchte, bevor man von soviel Kunst erschlagen wird. Ich wollte unbedingt „Nighthawks“ von Edward Hopper sehen, und auch wenn einem der Name nichts sagt – das Bild kennt jeder. Und es gibt wohl kaum ein Bild, das als so ur-amerikanisch wahrgenommen wird.
Der Eintritt ist mit 25$ sehr teuer, aber auch gerechtfertigt – die Sammlung ist fantastisch, und auch laufende Ausstellungen sind immer wieder interessant und abwechslungsreich. Der hilfreiche Audio-Guide kostet nochmal ebenfalls extra!
Regulärer Preis 25$ + 7$ Audio-Guide = 32 $
Adler Planetarium
Das Adler Planetarium ist die Sightseeingattraktion in Chicago für alle Weltall-Begeistertern. Hier kann man sich eine alte Weltraumkapsel sowie viele andere interessante Exponate zum Thema Raumfahrt ansehen.
Empfehlenswert sind auch die Filmvorführungen (Sky Shows)! Ohne diese ist das Planetarium nur halb so spannend!
Regulärer Preis Eintritt + 2 Sky Shows 35$
Werbung / *Affiliatelinks
#3 Field Museum
Das Field Museum of Natural History ist eines der best besuchtesten Museen der USA! Als Naturkundemuseum ist es weltweit bekannt und hat eine der größten naturwissenschaftlichen und anthropologischen Sammlungen. Hier kannst Du den besterhaltensten Tyrannosaurus Rex bestaunen, der je gefunden wurde!
Regulärer Preis All-Access Pass 40$
#4 Shedd Aquarium
Das Shedd Aquarium ist das größte überdachte Aquarium der Welt und existiert schon seit 1929! Hier kannst Du wahrlich in die Unterwasserwelt eintauchen und alle Meerestiere, Amphibien und Insekten von Seepferdchen bis Belugawalen live erleben!
#5 360 Chicago Observation Deck / Museum of Science and Industry
Wer nicht nochmal auf eine Aussichtsplattform möchte, hat hier die Wahl: Alternativ zum 360 Chicago kann man auch das Museum of Science and Industry besuchen!
360 Chicago Observation Deck
Das 360 Chicago Observation Deck befindet sich im John Hancock Center mitten auf der Magnificent Mile, also direkt mittendrin!
Besonders neben der natürlich fantastischen Aussicht ist TILT: Bodentiefe Panoramafenster, an die man sich lehnt und gemeinsam mit dem Fenster nach vorne kippt!
TILT kostet zusätzlich 8$, für Chicago City Pass Inhaber auch noch 7$. Außerdem gibt es auch hier ein Day/Night Paket, das ist aber nicht im Chicago City Pass inkludiert.
Regulärer Preis 360 Chicago 25 $
Museum of Science and Industry
Das Museum of Science and Industry ist das größte Wissenschaftsmuseum in den USA. Hier gibt es spannende und interaktive Ausstellungen zum Thema Wissenschaft. Nicht nur Kinder und Nerds kommen in diesem aufwendig gestalteten Museum auf ihre Kosten!Nachteil: Das Museum of Science and Industry liegt ziemlich weit entfernt von allen anderen Sehenswürdigkeiten südlich der Innenstadt. Wer also nicht viel Zeit hat, wählt besser das 360 Chicago.
Regulärer Preis 19,95 $
Vor- und Nachteile des Chicago City Pass:
Vorteile:
Lange Gültigkeit Der Chicago City Pass kann bis zu einem Jahr nach Kauf verwendet werden. Du kannst also weit im voraus planen, bist aber trotzdem flexibel.
Lange Nutzungsdauer Ab dem ersten Verwendungstag ist der Chicago City Pass 9 Tage gültig, das ist mehr, als die meisten überhaupt in der Stadt bleiben! So kannst du dir in Ruhe alles anschauen, ohne Hektik!
Sofort ausdruckbar bzw. Handy-Tickets Du brauchst nicht unbedingt das Couponheft – du kannst dir den Chicago City Pass gleich nach dem Kauf ausdrucken oder auf dem Handy abspeichern. In den Attraktionen zeigst du nur dann dein Smartphone vor.
Alle wichtige Sehenswürdigkeiten Der Chicago City Pass deckt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Chicago ab, also alles, was du dir wahrscheinlich eh anschauen willst!
Schneller Einlass An manchen Attraktionen kommst Du mit dem Chicago City Pass schneller rein
Nachteile:
Überflüssige Optionen Der Chicago City Pass enthält einige Optionen, die man vielleicht nicht unbedingt beim Einzelkauf dazubuchen würde, wie z.B. die Sky Shows im Adler Planetarium oder den Audio-Guide im Art Institute
Nicht überall Fast Track Da, wo es wirklich interessant wäre, nämlich bei der Fahrt rauf auf das Skydeck, hat man mit dem Chicago City Pass keinen schnellen Zugang über den Fast Track Eingang. Der Fast Pass kostet mit Chicago City Pass 30 $ (normal: 75 $). Wer es eilig hat, sollte diesen Betrag noch zusätzlich einkakulieren.
Fazit: Lohnt sich der Chicago City Pass?
Ich empfehle den Chicago City Pass allen, die zum ersten Mal und für mehrere Tage in Chicago sind! Auf meiner Bucket List für Chicago standen zum Beispiel eh das Skydeck, das Art Institute und das 360 Chicago! Allein dafür hätte ich ohne Pass 105 $ bezahlt – der Chicago City Pass kostet 108 $.
Der Chicago City Pass lohnt sich für Erstbesucher und mehrtägige Reisen!
Mit 3 von 5 Attraktionen hat man den Preis also raus (bis auf 3 $). Da man ganze 9 Tage Zeit hat, die anderen beiden Gutscheine einzulösen und zwei weitere tolle (und sonst teure!) Sehenswürdigkeiten zu erkunden, lohnt sich der Chicago City Pass!
Zhouzhuang liegt im Osten Chinas und nennt sich ganz bescheiden Chinas Wasserstadt Nummer Eins. Nicht weit von Shanghai und Suzhou entfernt, ist Zhouzhuang ein beliebtes Ausflugsziel: Mit seinen vielen Kanälen und Wasserstraßen sowie einer schmucken kleinen Altstadt ist Zhouzhuang (sprich: Tschuu-Tschuang) definitiv einen Besuch wert. Die kleine Wasserstadt gilt als eines der kulturellen Zentren der Region und bietet nicht nur chinesischen Touristen, sondern auch ausländischen Besuchern wie mir faszinierende Einblicke in Chinas umfangreiche Kultur und Geschichte.
Zhouzhuang: Zurück ins alte China
Der Ausdruck Chinas Wasserstadt Nummer Eins kommt nicht von ungefähr: Im Jahr 1985 zierten die zwei dadurch nun bekanntesten Brücken Zhouzhuang die Erstausgabe der Briefmarke der Vereinten Nationen. Shuangqiao (Schlüsselbrücken) nennen sich die zwei im rechten Winkel zueinanderstehenden Brücken, weil sie wie ein chinesischer Schlüssel aussehen. Chen Yifei, ein chinesischer Künstler stellte zu dieser Zeit in einer Galerie in New York aus, darunter auch ein Gemälde selbige Schlüsselbrücken. Kurzum, die Gemälde waren ein Erfolg, die Brücken kam auf die Briefmarke, die Briefmarke in die Welt und Zhouzhuang (und Chinas Wasserstädte) auf die internationale Bühne.
Beliebtes Motiv: Die beiden Schlüsselbrücken direkt am Haupteingang zur Wasserstadt Nummer Eins: Zhouzhang.
Zhouzhuang gibt es aber noch viel länger, natürlich – so wie Suzhou kann Zhouzhuang auf über 2000 Jahren Geschichte zurückblicken. Wie die ganze Region erlebte die Stadt während der Ming-Dynastie ihre Blütezeit und einige Überbleibsel davon kann man heute noch in der Stadt bewundern.
Bootsfahrt in Zhouzhuang: Chinas romantische Wasserstraßen
Nicht entgehen lassen sollte man sich eine Bootsfahrt auf den zahlreichen kleinen Holzbooten, die die kleinen Kanälen entlangfahren. Beginn ist gesammelt an einem Abfahrtspunkt, wo man gleichzeitig die Tickets erwirbt. Eine 20-minütige Fahrt kostet pro Boot 150 Yuan, bis zu 6 Personen können mitfahren. Für meinen Geschmack war die Fahrt etwas kurz; das kann aber auch daran liegen, dass es einfach nur zu schön war, auf diesem traditionellen Holzboot durch die atmosphärischen Kanäle zu gleiten! Auf Wunsch (und kleines Trinkgeld) singen die Bootsfrauen auch noch klassische chinesische Volkslieder dazu – mehr Idylle geht kaum.
Frauenpower: Gondoliere sind in Zhouzhuang auch weiblich.
Sehenswürdigkeiten in Zhouzhuang: Shen House
Eine der Hauptattraktionen in Zhouzhuang ist das Shen House. Shen Wansan war ein reicher Geschäftsmann, der Zhouzhuang maßgeblich geprägt hat – und er war so reich, dass sogar seine Nachfahren noch lange etwas davon hatten. 1742 errichteten sie das Shen House – und „Haus“ ist leicht untertrieben! Der von außen unscheinbare Hauseingang führt in einen Komplex mit über 100(!) Räumen, der sich über 6 Häuserblöcke erstreckt. Ich hätte noch Stunden durch die vielen detailreichen Räume und Innenhöfe wandeln können: Das Shen House ist ein absolutes Erlebnis, man fühlt sich sofort zurückversetzt in das alte China.
Stolze Touristinnen im Shen House: Zhouzhuang ist einer der berühmtesten Wasserstädte in ganz China.
Möchtest du auch einmal in einem traditionellen chinesischen Haus übernachten? Mitten in der Altstadt von Zhouzhuang gibt es tolle Unterkünfte wie diese: Klicke hier für mehr Infos*
In einer der vielen Räumen des Shen Hauses steht ein goldener Buddha – Geld unter den Buddha zu legen soll Glück bringen.
Quang Fu Tempel: Erholung vom Sightseeing
Mitten in Zhouzhang findet sich auch ein gewaltige Tempelanlage. Wem es in den schmalen Altstadtgassen zu eng geworden ist, und mal etwas Weite braucht, der sollte unbedingt eine kleine Pause rund um den buddhistischen Quang Fu Tempel in Zhouzhuang einlegen. Der Tempel liegt im riesigen Nanhu Garten und die Anlage ist ein toller Kontrast zur belebten Altstadt. Zhouzhuang ist ein beliebtes Ziel für chinesische Touristen – nicht ohne Grund, es ist ja auch wunderschön! Da kann es mitunter schon einmal voller werden und ein bisschen mehr Luft gerade bei heißen tropischen Temperaturen ist gar nicht schlecht.
Rund um den Quanfu Tempel befindet sich der Nanhu Garten.
Die Altstadt von Zhouzhuang: Bummeln, Shoppen, Genießen
Zhouzhuang ist nicht nur schwere Geschichte, in den kleinen Gassen lässt sich auch hervorragend bummeln. Sicherlich gibt es auch viel Touristenkitsch, aber für mich als Europäerin ist hier alles so exotisch, ich kann mich sogar an banalem Klimbim erfreuen. Die kleinen Souvenirläden fügen sich auch erstaunlich harmonisch in die geschichtsträchtigen Straßen ein, so dass ich mich einmal mehr wunderte, wie gut Kulturgut hier in der Region gepflegt wird – trotz Heerscharen an Touristen. Es findet sich sogar noch echtes Straßenleben, und in den kleinen Seitenstraßen lassen sich die schönsten Momente einfangen.
Lokales Leben in den Seitenstraßen.Geschäfte werden nach Ladenschluss immer noch ganz traditionell mit großen Holzbrettern verschlossen.Teeladen in der Altstadt von Zhouzhang.Vor lauter exotischem Essen ganz vergessen, was das war. Selbst das Gemüse ist hübscher in Zhouzhuang.
Tipps & Anreise nach Zhouzhuang
Der Besuch von Zhouzhang ist erstaunlich gut geregelt: Der Zugang ist begrenzt! Es gibt einen riesigen Parkplatz für Autos und Reisebusse, mit einem großen Besucherzentrum, wo man auch die Eintrittskarten erwerben kann. Richtig: Zhouzhang kostet Eintritt. Was in überlaufenen Touristenattraktionen wie Venedig lange diskutiert und schließlich nun sich zumindest dort langsam durchsetzt, wird in Zhouzhang einfach gemacht. Überhaupt fiel mir hier wieder einmal die durchdachte Steuerung der Touristenströme und ausgefeilte Infrastruktur auf.
Wahrscheinlich ist so viel Organisation aber auch nötig, denn man gab uns den Tipp, bloß nicht in der Goldenen Woche nach Zhouzhuang zu kommen. Goldene Woche nennen sich in China drei verschiedene Wochen: Das chinesische Neujahr oder Frühlingsfest (Januar oder Februar), die Woche um den 1.Mai (Labour Day Golden Week/Tag der Arbeit) und die Woche um den 1.Oktober (National Day Golden Week/Nationaltag). Dann soll Zhouzhuang wie viele andere beliebte Destinationen in China aus allen Nähten platzen.
Zhouzhang liegt nur ca. 30 Kilometer von Suzhou entfernt, das mir übrigens auch sehr gut gefallen hat. Aber auch von Shanghai ist Zhouzhuang gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit Touranbietern erreichbar.
In Nürnberg haben mir für Sehenswürdigkeiten wie der Kaiserburg die Zeit gefehlt – weil ich mich in der malerischen Altstadt verloren habe. Die ist nämlich auch eine Sehenswürdigkeit an sich! Seit Jahren bin ich nicht mehr dort gewesen – und irgendwie hat sich nicht viel verändert: Die Stadt ist mir immer noch ziemlich sympathisch. Und da ich mir vorgenommen habe, noch mehr von meinen Reisen (dienstlich und privat) hier zu teilen, fange ich hier mit meinen ganz persönlichen Nürnberg Sehenswürdigkeiten an!
Altstadt & Mittelalterliche Idylle im Handwerkerhof
Per Zufall habe ich dieses schöne Eckchen unweit unseres Hotels entdeckt. Schon komisch, wie man so oft in einer Stadt sein kann, und die naheliegendsten Spots einfach übersieht. Besonders groß ist der Handwerkerhof ja auch nicht. In einem kleinen Hofareal an der originalen Stadtmauer wurden in den 70er Jahren kleine Fachwerkhäuser errichtet und zu einer kleinen Touristenattraktion ausgebaut. Hört sich nach Tourifalle an, isses irgendwie auch – aber eben auch superurig und gemütlich! (Und sieht zudem auch noch sehr authentisch aus: Hätte ich nicht im Nachhinein erfahren, dass die Fachwerkhäuser neu gebaut worden sind – ich wäre nie darauf gekommen!)
Der Handwerkerhof in Nürnberg: Lieblingsplatz.
Nürnberger Rostbratwürstchen: Nürnberg geht nicht ohne.
Im Handwerkerhof gibt es ein paar kleine Geschäfte mit Kunsthandwerk, Werkstätten und Ateliers. Und wirklich, wirklich gemütliche Lokale! Mitten in der Innenstadt stellt sich hier sofort uriges Mittelalterflair ein. Und im Bratwurstglöcklein gibt’s die leckersten Rostbratwürstchen im Glockenteller ever! Bisschen überteuert, na klar – aber Ambiente und Würstchen sind es wert.
Kunst im Neuen Museum Nürnberg
Eigentlich eher immer mein Winterprogramm, hatte ich trotzdem Lust auf Kunst. Vor allem, weil ich gesehen hatte, dass im Neuen Museum Nürnberg auch Bilder von Gerhard Richter in der Ausstellung hängen – den ich ja sehr gerne mag. Aber auch sonst sind die Dauer- und Wechselausstellungen im Neuen Museum sehr sehenswert, wenn man moderne Kunst und Design mag. Allein die Architektur des Neues Museums mit der riesigen weißen Wendeltreppe ist beeindruckend!
Beeindruckend: Gerhard Richter im Neuen Museum Nürnberg.
Kunst in Nürnberg: Weitere Museen in Nürnberg
Wer sich eher für Mittelalter und die Geschichte Nürnbergs interessiert, der ist im Germanischen Nationalmuseum gut aufgehoben.
Ansonsten lohnt sich auch je nach Interesse ein Besuch in folgenden Museen in Nürnberg:
Nürnberg und seine Vergangenheit: Reichsparteitagsgelände Nürnberg und Dokumentationszentrum
Nürnberg hat nicht nur im Mittelalter eine wichtige Rolle als Handelsplatz und Zentrum des Handwerks gespielt – auch zur Zeit des Nationalsozialismus war Nürnberg leider Schauplatz der Ereignisse. Von 1933 bis 1938 hielten die Nationalsozialisten hier auf einem riesigen Gelände ihre jährlichen Reichsparteitage ab. Schaurig, wie viele Menschen sich damals mobilisieren ließen und damals auf den volksfestartig inszenierten Reichsparteitagen aufmarschierten und Fähnchen schwingten.
Bedrückende Ausstellung im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände.
In der damaligen, nie fertig gestellten Kongresshalle befindet sich heute das Dokumentationszentrum Reichsparteigelände, dass nicht nur Nürnberg und die Reichsparteitage behandelt, sondern auch sonst eine sehr gute Ausstellung über die gesamte Zeit des Nationalsozialismus beinhaltet. Unbedingt anschauen sollte man sich den Film am Schluss der Ausstellung, in der Nürnberger Zeitzeugen berichten, wie sie diese Zeit in der Stadt erlebt haben. Keine leichte Kost – aber es ist immer wieder wichtig, sich an dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte zu erinnern, damit Ähnliches nie wieder passiert!
Umfunktioniert zum Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände: Die ehemalige Kongresshalle.Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände befindet sich in der alten Kongresshalle, die nie vollendet wurde.
In der Nähe des Dokumentationszentrum befindet sich noch das Zeppelinfeld mit der dazugehörigen Zeppelinhaupttribüne, die ebenfalls besichtigt werden kann, sowie die Große Straße, die zentrale Achse des Geländes. Das Areal ist sehr weitläufig, man sollte daher Zeit mitbringen, auch, um die bedrückende Geschichte des Ortes auf sich wirken zu lassen.
In Nürnberg fanden nach dem Endes des Zweiten Weltkrieges auch die Nürnberger Prozesse statt, in denen führenden Nationalsozialisten der Prozess gemacht wurde. Der Schwurgerichtssaal kann an verhandlungsfreien Tagen (in der Regel Freitag bis Montag) zusammen mit der Daueraustellung „Memorium Nürnberger Prozesse“ im Nürnberger Justizpalast besichtigt werden.
Hoffentlich komme ich in naher Zukunft nochmal nach Nürnberg, es gibt noch so viel mehr zu entdecken! (Vom romantischen Christkindlmarkt im Dezember mal ganz abgesehen!)
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Mehr Inspirationen für Kurztrips innerhalb Deutschlands gibt’s auch hier:
Suzhou im Osten Chinas, ganz in der Nähe von Shanghai, ist bekannt für seine malerischen Gärten und seine pittoreske Altstadt mit den vielen Wasserstraßen. Über 2500 Jahre ist Suzhou alt und gilt im ganzen Land als Ort der Dichter und Denker. Vor allem aber ist Suzhou auf dieser China Reise für mich eins: Eine ziemliche Überraschung. Ich verrate dir hier, welche tolle Sehenswürdigkeiten in Suzhou auf dich warten!
Viele Häuser an den Kanälen in Suzhou sind mit roten Lampions geschmückt: China pur.
Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Suzhou
Wegen seiner vielen kleinen Kanäle, die den recht großen Altstadtkern durchziehen, wird Suzhou auch oft und gerne als das Venedig des Ostens bezeichnet. Und spätestens bei diesem Ausdruck schaudert es mich.
Suzhou: Eine Bootsfahrt durch die romantischen Kanäle muss einfach sein.
➜ Tipp: In Suzhou findest du zahlreiche große Hotels westlicher Ketten mit entsprechendem Komfort. Leider sind diese oft in uninspirierten Hochhäusern oder großen Komplexen untergebracht. Am besten du schaust für das authentische Flair nach einer Unterkunft nahe der Altstadt wie z.B. das Garden Hotel*.
„Venedig des…“ (wie übrigens auch „Mekka des …“ und „Paris des…“) – das schreibt man als Autor oder Werbetexter immer nur dann, wenn einem nun wirklich nichts Besseres an Vergleichen einfallen will. Hauptsache ein paar Boote, ein paar Kanäle, und schon lässt sich die Analogie zu Venedig bilden. Wie bei den Wasserstraßen in Suzhou im Yangtse-Delta im Osten Chinas bei Shanghai.
Alles Venedig, obwohl sich eigentlich nichts mit Venedig vergleichen lässt, auch nicht Suzhou. Aber wer einmal dort war, wird sich fragen, warum Suzhou überhaupt einen Vergleich braucht – denn Suzhou ist ein wahrer Goldschatz.
Suzhou erreichst du übrigens bequem ab Shanghai. Und das sogar ohne Visum für China. Der Trick: Bei einem Aufenthalt von unter 72 Stunden in Shanghai und Umgebung ist die Einreise für deutsche Staatsbürger ohne Visum möglich. Und von Shanghai aus ist man in Windeseile in Suzhou und den umliegenden sehenswerten Wasserstädten wie Zhouzhuang und Tongli.
Übrigens: Die nahegelegene Wasserstadt Zhouzhuang ist ebenfalls sehr sehenswert. Mehr dazu findest du in meinem Artikel:
Suzhou und seine Gärten: Der Garten des bescheidenen Beamten
Der Garten des bescheidenen Beamten trägt einen ziemlich irreführenden Namen. Bescheidenheit ist nämlich der letzte Begriff, der einem beim Anblick des wohl berühmtesten Gartens in Suzhou in den Sinn kommt. Der Garten ist in Wirklichkeit eine riesige Parkanlage mit lauschigen Pavillons und mit Bedacht angelegten Seen und Bäumen.
Einer der beliebtesten Gärten in Suzhou: Der Garten des bescheidenen Beamten.
Gemäß der chinesischen Gartenbaukunst liegt das Hauptaugenmerk weniger auf Blumen und Farben, sondern auf dem harmonischen Zusammenspiel der sogenannten „sieben Elemente“: Erde, Himmel, Wasser, Steine, Gebäude, Lebewesen und Pflanzen, wobei hier eher Bäume und Grünpflanzen gemeint sind.
Sonst nur viel Grün: Lotusblüten zählen zu den wenigen Farbklecksen im Garten des bescheidenen Beamten in Suzhou.
Und wie harmonisch der Garten des bescheidenen Beamten ist, zeigt sich schnell: Obwohl hoffnungslos von Touristen überlaufen, überstrahlt den Garten trotzdem eine Aura der Ruhe und Entspannung. Sehr beeindruckend. An vielen Ecken trifft man auf Maler und Zeichner, die ihrer Kreativität freien Lauf lassen und sich von der Atmosphäre des Gartens inspirieren lassen. Ich hab’ mich kurz geärgert, dass ich meine Aquarellsachen nicht dabei hatte – zu gerne hätte ich mich einfach daneben gesetzt und mitgemalt. Aber es gab eh noch viel mehr in Suzhou zu sehen, dass die Zeit ohnehin knapp war.
Maler und Zeichner lassen sich im Garten des bescheidenen Beamten gerne inspirieren.
Wieviel Geschichte in Suzhou steckt, zeigt sich auch hier: Seit fast 900 Jahren existiert an dieser Stelle ein Garten, der durch viele Hände ging, bis diesen im 16. Jahrhundert ein hochrangiger Beamter zu seinem Altersruhesitz erkor und dem Garten seinen Namen verlieh. Heute ist der Garten des bescheidenen Beamten in staatlichem Besitz, UNESCO-Weltkulturerbe und einer der schönsten Gärten Chinas.
Der Garten des bescheidenen Beamten in Suzhou ist auch ein echter Instagram Hotspot: Very instagrammable!
Shantang Street: Eintauchen in das Alte China
Bei Temperaturen um die 35 Grad (ja, es kann sehr, sehr heiß werden!) und gefühlten 100 Prozent Luftfeuchtigkeit ist eine Bootsfahrt immer eine willkommene Abwechslung, erst recht in Suzhou mit seinen malerischen Kanälen. Wäscheleinen, die im Wind flattern, Kinder, die begeistert den fremden Touristen zuwinken (als westlicher Besucher ist man in Suzhou immer noch etwas Besonderes) oder heimliche Einblicke in fremde Küchen: Meine Augen wußten gar nicht, wohin sie zuerst schauen sollten.
Suzhous Kanäle lassen sich auch per Boot erkunden.Einige Brücken sind besonders kunstvoll in der Altstadt von Suzhou.Konzentriert steuert unser Kapitän das Boot durch die Kanäle von Suzhou.
Auch zu Fuß war die Shantang Street (Shāntáng Jiē) das China, was ich suchte: Rote Lampions, kleine Häuser mit altem Holzgebälk – und überall entspannte, freundliche Gesichter. Auf 7 Meilen findet man hier alles auf einmal: Touristenkram, Kultur, Geschichte, Imbisse und Cafés mit allerlei exotischen Köstlichkeiten und tatsächlich echtes Straßenleben. Biegt man in die etwas verlasseneren Gassen ab, so findet man sich schnell in lokalem Treiben wieder, ganz ohne Touri-Gedöns. Ein echtes Erlebnis.
Shoppingmeile: Shantang Street in Suzhou.Bunte Souvenirs im touristischen Teil der Shantang Street.Mitten auf der Straße: Konzentriertes Kartenspiel.
Street Food in Suzhou: Keine Hemmungen, probieren lohnt sich!Auch Obst und Gemüsehändler finden sich in der Shantang Street.In den Seitenstraßen der Shantang Street findet man authentischen Alltag: In einer kleinen Garküche wird gerade paniert.
Pingjiang Road: Teehäuser, Kanalboote und Nightlife
Noch mehr authentisch-chinesisches Flair findet sich auf der Pingjiang Road (Píngjiāng Lù), ähnlich der Shantang Street eine Straße mit vielen Geschäften und Restaurants. Hier ist es noch ein klein wenig lauschiger als auf der Shantang Street. Die Boote sind kleiner, die Brücken noch ein wenig hübscher.
Fröhliche Touristinnen an der Pingjiang Road: Eine Bootsfahrt ist hier noch idyllischer.
Mein Highlight war das Teehaus, ein kleines Café am Kanal, mehr Holzverschlag als Haus, bei dem wir bei einer Tasse Tee dem 80jährigen(!) Herrn Wang lauschten, der uns in kleiner Runde original Pingtan Musik vorspielte. Chinesischer konnte es kaum werden! Die Pingjiang Road ist übrigens auch abends sehr belebt und ein schöner Nightlife-Spot in Suzhou.
Ausgefallene Kreationen: In den vielen kleinen Cafés entlang der Pingjiang Road gibt es die kuriosesten Getränke.
Überhaupt spielt Musik wie alle anderen Künste eine große Rolle in Suzhou. Irgendwie liegen Kreativität und die Wertschätzung von Kunst und Kultur hier in der Luft, und es wunderte mich dann auch gar nicht, als ich erfuhr, dass Suzhou in China als „sehr elegante“ Stadt gilt. Fand ich treffend – und ich hätte vorher nie gedacht, dass ich einen Ort in China als elegant empfinden könnte. Für mich war China groß, voll und beizeiten rauh – aber diese Reise hat mir wieder einmal mehr gezeigt, wie unfair Vorurteile sein können. Plötzlich war China klein, pittoresk und warmherzig (hach, die Menschen!).
Sogar einen Opernabend würde ich hier jedem ans Herz legen, auch wenn man zu den Menschen gehört, bei denen Opern eher Fluchtreize auslösen. Oder wo schaut sonst man sich eine Oper in einem der schönsten Gärten an?
Bei Nacht bunt beleuchtet: Der Garten des Meisters der Netze in Suzhou.
Im Garten des Meisters der Netze gibt es jeden Abend eine Vorstellung einer Kunqu Oper. Die Oper besteht aus mehreren Teilen: Komödie, Gesang, Musik und Tanz. Das Besondere: Jeder Teil wird an einem anderen Ort innerhalb des Gartens aufgeführt, so dass man zwischen den einzelnen Darbietungen im Garten entlang spaziert.
Die Vorstellung im Garten des Meisters der Netze besteht aus mehreren Teilen: Schauspiel, Gesang, Tanz, Musik.
Echte chinesische Seide: Ein Besuch in der Seidenfabrik
Suzhou ist bekannt für seine Seide – und die Region bildete seit jeher das eine Ende der Seidenstraße, von wo aus das schöne Stöffchen seinen Weg in die Welt fand. Die Seidenfabrik, die ganz bescheiden No.1 heißt, steht daher bei vielen Touren durch Suzhou auf dem Plan. Das sollte man sich vorher gut überlegen – denn was viele nicht bedenken: Hier kann man den Produktionsprozess (zumindest einen Teil davon) beobachten. Das heißt eben auch: Raupen beim Krabbeln zusehen. Und später wird es noch weniger etwas für schwache Gemüter, denn der Seidenfaden wird aus dem Kokon der Seidenraupen gewonnen. Um diesen nicht zu beschädigen, werden die Kokons inklusive Raupen in kochendes Wasser geworfen. Muss man mögen.
Hübsch im Körbchen drapiert: Seidenraupen für die Seidenproduktion.Von Raupen zu Kokons: Die nächste Phase der Seidenproduktion in der Seidenfabrik in Suzhou.Aus den Kokons wird später Seide.
Ich persönlich habe eh eine Affinität zu Stoffen (ich hatte ja tatsächlich mal einen Stoffladen in Berlin) und Seide sowieso (den Part mit den gekochten Raupen verdränge ich immer ganz gern), daher fand ich den Besuch an sich interessant. Leider wird der Produktionsprozess nur verkürzt dargestellt (es wird hier nicht gewoben oder gefärbt), und kurz nachdem man dem Spinnen der Fäden zugeschaut hat, steht man auch in einer riesigen Verkaufshalle mit Bekleidung aus Seide für (fast) jeden Geschmack. War nicht meins, aber ich habe mich hinterher doch ein bisschen geärgert, nicht bei der Meterware gestöbert zu haben. Für alle SchneiderInnen also: In Suzhou Seide nicht vergessen!
Auf dieser Maschine werden die Seidenfäden gesponnen.
Das Suzhou Museum
Das Suzhou Museum fällt vor allem durch seine Architektur auf – irgendwie kantig und so gar nicht traditionell chinesisch. Entworfen wurde es vom chinesischen Star-Architekten Ieoh Ming Pei, der u.a. auch die berühmte Glaspyramide im Innenhof des Louvre in Paris und das Museum für Islamische Kunst in Qatar geplant hat – und er ist in Suzhou geboren und aufgewachsen.
Hier findet sich ein Abriss der langen Geschichte Suzhous in Form von Kunstwerken und Artefakten, von Kalligraphie über Porzellan bis Kunsthandwerk. Sehenswert, aber vielleicht nicht unbedingt für jeden interessant. Was aber wirklich faszinierend ist, ist der Umgang der größtenteils chinesischen Besucher mit der Ausstellung: So viele Jugendliche, die sich so intensiv für Geschichte interessieren und sich vor lauter Wissensdurst die Nasen an den Vitrinen platt drücken, habe ich in deutschen Museen noch nie gesehen.
Bestaunt: Ausstellungsstücke im Suzhou Museum.
Der moderne Teil von Suzhou
Gate of the Orient & Jinji-See
Außerhalb der weitläufigen Altstadt sieht Suzhou ein bisschen mehr so aus, wie man sich chinesische Großstädte vorstellt. Über 10 Millionen Einwohner hat die Stadt derzeit und so gut, wie sich Suzhou entwickelt, ist kein Ende in Sicht. Große Firmen produzieren und forschen hier. Die gute Verkehrsanbindung und die Nähe zu Shanghai sorgen dafür, dass Suzhou zu den aufstrebenden Städten Chinas gehört. Die Aufbruchstimmung zeigt sich auch in der mutigen Architektur im modernen Teil: Das Wahrzeichen des neuen Suzhous ist das Gate of the Orient (Dongfang Zhimen) oder Gate of the East, der zweithöchste Wolkenkratzer in Suzhou. Am Jinji-See gelegen, soll es als Tor zum Osten fungieren – doch die Locals gaben dem Gebäude auf Grund der ungewöhnlichen Form liebevoll den Spitznamen „die Hose“.
Sieht aus wie eine Hose: Das Gate of the Orient in Suzhou.
Suzhou Supertower
Überragt wird die „Hose“ vom Suzhou Supertower mit 450 Metern Höhe – und da fängt es langsam an, wirklich futuristisch auszusehen. Jedes Mal, wenn wir daran vorbeifuhren, konnte ich es kaum glauben, dass wir nur wenige Kilometer weiter auf kleinen Holzbooten über romantische Kanälen geschippert sind. Wie hier Altes und Futuristisches miteinander kombiniert wird, ist atemberaubend.
Suzhou Industrial Park & Suzhou Culture and Arts Centre
Im Suzhou Industrial Park gibt es weitere Beispiele für das moderne Suzhou: Das Suzhou Culture and Arts Centre ist ein gigantisches Kulturzentrum mit einem (kostenlosen) Museum für moderne Kunst, diversen Ausstellungsräumen, einem Musicaltheater und einem kleinen Vergnügungspark mit Riesenrad, Cafés und Restaurants. Bei gutem Wetter hat man von hier aus einen fantastischen Blick über den Jinji-See auf die Skyline von Suzhou.
Shopping in Suzhou – Einkaufen von Seide bis Designerkleidung
In Suzhou kann man Einkaufen bis zum Umfallen. Ich habe mir seit langem eine strikte No-Shopping-Policy auferlegt, an die ich mich meistens halte, denn sonst wäre ich bei den ganzen Reisen, die ich so unternehme, längst verarmt. Meine Souvenirs sind meine Fotos – aber an Orten wie Suzhou fällt es doch ganz schön schwer, sich zu beherrschen.
Beliebte Souvenirs aus Suzhou
Beliebte Mitbringsel aus Suzhou sind neben Seide in allen Variationen grüner Tee (Bi Leo Chun), Fächer in allen Formen, und jede Menge Kunsthandwerk wie Stickereien und Obstkernschnitzereien. Auf der Shantang Street und um die Pingjiang Road gibt es außerdem jede Menge kleiner Läden, die ziemlich hippes Kunsthandwerk verkaufen – nix mit langweiligem Tourikrempel!
Tipp für Designliebhaber
Totshoppen können hätte ich mich auch im Chengpin Eslite, eigentlich eine riesige Buchhandlung. Mit schönen Buchhandlungen habe ich es ja eh, und diese hier ist eingebettet in ein topmodernes Einkaufszentrum mit unzähligen kleinen Designerstores. Normalerweise schrecken mich Shopping Malls ab, aber das Eslite hat mich sehr an Trendtempel wie das Terminal 21 in Bangkok erinnert! Zwischen den Stores gibt es immer wieder kleine Imbisse und Cafés, so dass man sich hier durch sämtliche Köstlichkeiten der Region probieren kann, wenn man sich an Streetfood nicht herantraut.
Nicht nur riesiger Buchladen, sondern auch Einkaufszentrum mit vielen innovativen Designerläden: Chengpin Eslite.
Essen & Trinken in Suzhou
Exotische Gerichte: Was ist man in Suzhou?
Essen kann generell in China ganz schön exotisch sein. Und mit dem China-Restaurant aus der deutschen Provinz hat es so gar nichts zu tun. Vegetarier haben es oft schwer, irgendwo ist dann doch Fleisch drin oder mit Fischsoße gewürzt. Fleischesser wie ich müssen mit den abgefahrensten Gerichten wie Entenzungen oder geschmorten Innereien klarkommen. Grundsätzlich wird bei westlichen Touristen schon darauf geachtet, nicht die allerungewöhnlichsten Gerichte anzubieten, aber auf Grund von Kommunikationsschwierigkeiten sollte man für alles gewappnet sein.
Jiangsu-Küche
Die Jiangsu-Küche (so heißt die Provinz in der Suzhou liegt) ist allerdings so ausgefeilt und variantenreich, dass ich mir oft gewünscht hätte, ich könnte noch mehr über meinen Schatten springen und Gerichte wie Schweineschnäuzchen oder Hühnerfüße probieren – nur leider bin ich da echt fies vor, wie man bei uns im Ruhrpott sagt. Denn wenn man schon Fleisch isst, ist es nur konsequent, das ganze Tier zu verwerten. Speziell die Küche in Suzhou ist ein wahres Paradies für Feinschmecker!
Vegetarische Küche
Vegetarier müssen aber nicht verhungern, es gibt auch hier jede Menge Exotisches wie Wasserspargel, Lotuswurzeln oder lila Süßkartoffeln. Nicht alles ist scharf, aber vieles fettig und durch die fremden Gewürze und das andere Klima braucht der eine oder andere Magen etwas, um sich an die neue Küche zu gewöhnen. Grundsätzlich aber habe ich in den ganzen Tagen so viel Neues und Leckeres probiert, dass ich mich gar nicht mehr an alles erinnern kann!
Gerichte werden immer geteilt, d.h. sitzt man in einer großen Runde, kann man noch viel mehr probieren!
Spezialitäten der Suzhou Küche
Mandarin-Fisch
Früher oder später wirst Du ihn in Suzhou serviert bekommen, dieser speziell zubereitete Fisch ist DAS Gericht in Suzhou. Der Fisch wird komplett entgrätet, raffiniert in Form eines Eichhörnchens drapiert und dann frittiert. Zum Schluss kommt eine süß-saure Soße darüber, die süß-sauer für mich nochmal auf ein anderes Level gehoben hat!
Suzhou Nudeln
Nudelsuppe ist Nudelsuppe könnte man behaupten. Aber die frischen Nudeln bei Zhuhongxing in hausgemachter Brühe mit zartem Rindfleisch waren so göttlich, dass ich heute noch manchmal daran denke. Tipp: Nicht zu lange beim Essen staunen und genießen, denn die Nudeln saugen sich in der Schüssel so mit Brühe voll, dass der Nudelberg immer größer statt kleiner wird. Der Profi schlürft schnell! (Keine Angst vor Tischmanieren: Über der Schüssel hängen und laut schlürfen wird in China nicht so eng gesehen wie bei uns.)
Tangbao
Teigtaschen in allen Varianten dürfen nicht fehlen! Die Tangbao sind nochmal eine spezielle Sorte, die zusätzlich zu dem meist fleischhaltigen Inhalt mit Brühe gefüllt sind. Diese wird vorher mit einem Strohhalm herausgeschlürft, ähnlich der Xiaolongbao, die es im benachbarten Shanghai gibt.
Streetfood in Suzhou
Trau‘ Dich immer auch an das Streetfood! Manchmal kann es auch überraschend sein, wie das Teilchen rechts, was ich in einer Bäckerei gekauft habe. Lecker sah’s aus, so haarig paniert – aber was ich mir süß vorstellte, war letztendlich eine Panade aus fein gemahlenem Schweinefleisch. War nicht meins – aber probieren mag ich Fremdes trotzdem gern. Die Teigtaschen aber waren göttlich!
Unterkunft in Suzhou
Unsere Unterkunft in Suzhou hätte besser nicht sein können. Zentral gelegen, mit jeglichem Schnickschnack wie Pool und Tennisplatz ausgestattet und mit einem Frühstücksbüffet zum Niederknien war das Garden Hotel* perfekt. Das Hotel besteht aus mehreren kleineren Gäste- und zwei Haupthäusern, eingebettet – passender konnte es in der Stadt der Gärten nicht sein – in eine wunderschöne, ruhige Gartenanlage. Wer sich etwas gönnen und dabei stilecht in Suzhou übernachten möchte: Absolute Empfehlung!
Mitten in einer Gartenanlage und trotzdem zentral: Das Garden Hotel in Suzhou.
Anreise & Fortbewegung in Suzhou: So planst du deine Reise!
Lage & Anreise
Suzhou liegt nur 80 Kilometer von Shanghai entfernt, und liegt direkt an der Schnellzugstrecke, die von Shanghai bis nach Peking führt. Ist man also ein paar Tage in Shanghai, ist Suzhou definitiv eine gute Wahl für einen mehrtägigen Ausflug: Mit dem Zug ist man innerhalb von 90 Minuten in Suzhou.
Shanghai ist zwar sehr schön, ich persönlich finde aber Suzhou geschichtlich und kulturell gesehen viel reizvoller – und immer nur Mega-Großstadt kann auch sehr anstrengend sein. Zugfahren ist in China übrigens tausend Mal organisierter als ich dachte. Allerdings kann es auch hier zu Verständigungsproblemen kommen, da Englisch nicht sehr weit verbreitet ist.
Erst 10 Minuten darf man hinunter auf die Gleise, die Tickets sind personalisiert und die Identität wird an der Zugangskontrolle überprüft: In China hat beim Zugfahren alles seine Ordnung.
Individuell reisen vs. Gruppenreise
Wir waren in einer kleinen Reisegruppe unterwegs. Obwohl ich sonst in Asien immer individuell reise und alles selbst plane, war ich so manches Mal froh, einen Reiseleiter dabei zu haben, der vieles erklärt und zur Not übersetzen kann. Gerade weil die Region um Suzhou noch nicht besonders vertraut mit westlichen Touristen ist, wird nicht viel Englisch gesprochen und in den meisten Sehenswürdigkeiten gibt es keine Informationen in englischer Sprache, so dass einem sonst vieles an interessanten Informationen entgeht.
Komplette China-Rundreisen sind aber oft sehr teuer, und mal ehrlich, einen Flug nach Shanghai buchen und ein paar Tage dort verbringen schafft man zur Not allein. Für „exotischere“ Ziele wie Suzhou kann man aber bei China Tours einzelne Bausteine buchen, was ich wirklich nur empfehlen kann.
Wir haben während unserer Reise durch mehrere Orte rund um Shanghai drei Reiseführer verschlissen, die allesamt höchst professionell waren, sogar sehr gut Deutsch (!) sprachen und zu jedem Thema absolut fundiertes Wissen vorweisen konnten. Gerade bei einem so komplexen Reiseziel wie China mit so viel Kultur und Geschichte, über die ich zugegebenermaßen vorher nicht besonderes viel wußte, war eine professionelle Begleitung Gold wert.
Fortbewegung innerhalb Suzhous
Bist du lieber individuell unterwegs, kannst du vor Ort in Suzhou längere Strecken gut mit dem Taxi zurücklegen oder eine der Touristenbuslinien nehmen. An vielen Stellen gibt es Leihfahrräder. Das U-Bahn-Netz wird gerade ausgebaut.
Lohnt sich eine Reise nach Suzhou?
Suzhou hat mir wirklich sehr gut gefallen und ich habe mich oft gefragt, warum es unter westlichen Touristen nahezu unbekannt ist. Gerade, wenn man Shanghai besucht, bietet sich ein Ausflug (Sportliche schaffen es auch in einem Tag) nach Suzhou förmlich an. Shanghai ist zwar faszinierend, dennoch fehlte mir dort immer ein wenig Patina. Mit einem Abstecher nach Suzhou lässt sich das gut ergänzen. Auch ist die Stadt wesentlich entspannter und überall wird man als exotischer Tourist aus dem Westen herzlich empfangen, das hat mir nochmal eine ganz neue Seite Chinas gezeigt.
Hinweis: Ich wurde von den Fremdenverkehrsämtern Suzhou und Nanjing sowie von China Tours auf diese Recherchereise eingeladen.
„Du willst Dir den Sonnenaufgang in Masada ansehen?“ Auf meiner Israel Reise wollte ich kein Highlight auslassen. „Wundere Dich nicht, die Straße dorthin ist komplett unbeleuchtet, aber das ist schon okay so. Fahr einfach weiter, auch wenn es dunkel ist.“ Gut, dass die mir die nette Rezeptionistin in Arad noch diesen Hinweis mitgegeben hat, als ich sie nach dem Weg zur Festung Masada in der Judäischen Wüste fragte. Sonst wäre ich wohl nach den ersten Schildern, die vor „extrem gefährlichen Kurven“ warnten, sofort umgekehrt. So ganz allein um halb fünf morgens im Stockdunklen kurvige Wüstenstraßen entlang brettern und keine andere Menschenseele weit und breit – das war Abenteuer.
Die Straße von Arad nach Masada: Tagsüber tolle Aussicht, nachts stockfinster.
Sonnenaufgang in Masada: Ein Erlebnis für jede Israel Reise
Es gibt Orte auf der Welt, die besonders bekannt sind für ihre spektakulären Sonnenaufgänge oder Sonnenuntergänge – und Masada in Israel gehört zweifelsohne dazu. Nach der ellenlangen Fahrt durchs Nirgendwo war ich skeptisch, ob sich die ganze Tortur mit frühem Aufstehen auch wirklich lohnen würde. Zumal ich mit Busladungen von Touristen rechnete, die ebenfalls mit Ziel „Sonnenaufgang Masada“ unterwegs waren. Aber außer einer Handvoll Mietwagen, die mit auf dem Parkplatz standen, war auf der Ostseite der Festung von Touristen wenig zu sehen.
Von der Festung aus kann man weit über das Tote Meer blicken.
Sonnenaufgang über dem Toten Meer auf der Festung Masada
Das sah oben schon auf der Festung schon anders aus, die meisten Besucher hatten wohl den Weg über den anderen Aufstieg auf der Westseite genommen. Trotzdem: Das Gelände war nicht überfüllt. Eine beeindruckende Stille legte sich über das Areal, als alle auf den einen Moment warteten, an dem sich die Sonne hinter der gegenüberliegenden Bergkette langsam glutrot leuchtend empor schiebt.
Unglaublich schön: Sonnenaufgang in Masada.
Rundherum nichts als ein karges Wüstengebirge, tief unter uns das Tote Meer, spiegelglatt und still – und plötzlich wurde alles von der auftauchenden, warmen Sonne erleuchtet: Einer der beeindruckendsten Momente meiner Israel-Reise!
Beeindruckende Mondlandschaft: Die Judäische Wüste am Toten Meer.
Geschichte von Masada, Israel – Historische Bedeutung
Die Festung von Masada hat eine bewegende Geschichte hinter sich. Im Jahr 73/74 nach Christus, während des jüdischen Krieges, wurde die Festung von den Römern belagert. Als die Einnahme durch die Römer immer näher rückte, töteten sich über 900 Bewohner der Festung selbst, um nicht in römische Gefangenschaft zu geraten. Seitdem gilt Masada als Symbol für das jüdische Bestreben nach religiöser Freiheit und Selbstbestimmung. Seit 2001 trägt Masada den Titel UNESCO-Weltkulturerbe.
Archäologische Funde in Masada
Diverse Teile der Festung sind noch erhalten und wurden im Rahmen einer archäologischen Ausgrabung zugänglich gemacht. Man kann heute z.B. die Reste der riesigen Lagerräume oder der Badehäuser ansehen. Zudem zeigen Nachbildungen, wie der Wohnpalast von König Herodes ausgesehen haben muss: Front Row am Hang! Aufgrund der unwirtlichen Umgebung fragt man sich einmal mehr, wieviel Mühe es unter den damaligen Bedingungen gekostet haben muss, hier auf diesem Bergplateau eine solche Konstruktion zu bauen.
Unten: Das Fundament des Palastes.Front Row und unverbaute Aussicht: Der Palast von König Herodes mit Blick auf das Tote Meer.
Wie kommt man nach Masada?
Im wesentlichen gibt es zwei Zufahrten nach Masada, einmal von der West-, einmal von der Ostseite. Der Weg von Osten schien mir wesentlich beliebter. Auf dieser Seite gibt es auch eine Seilbahn, mit der man zum Gipfel hinauffahren kann. Zum Sonnenaufgang allerdings muss man den sogenannten Snake Path hinauf laufen, das dauert ungefähr 45 Minuten. Außerdem soll es auf dieser Seite ein Besucherzentrum mit Shops und einem kleinen Museum geben. Diese Zufahrt ist näher zu zur Oase Ein Gedi und zum Toten Meer.
Die römische Belagerungsrampe vor Sonnenaufgang.
Ich bin von der Westseite gekommen, die Straße von Arad aus ist bei Dunkelheit abenteuerlich. Dafür ist der Weg hinauf zur Festung kürzer. Über die römische Belagerungsrampe (ja, so alt ist dieser Zugang!) geht es zwar steil, aber auch nur innerhalb von 15 Minuten rauf auf die Festung. Auf dem Rückweg nach Arad hat man unvergessliche Aussichten auf die Judäische Wüste – und kann unterwegs noch süße Kamele streicheln (Achtung, es folgt nun: Jede Menge herzenserwärmender Kamel-Content!), mit denen man eine Wüstentour unternehmen kann. Ab Arad (dem nächsten Ort) ist Masada ausgeschildert, so dass man nur der Straße folgen muss.
Ausflüge nach Masada ab Jerusalem und Tel Aviv
Masada gehört zu den beliebtesten Tagesausflügen ab Jerusalem und Tel Aviv! Man kann sowohl Touren tagsüber, als auch Touren zum Sonnenuntergang buchen. Außerdem gibt es Anbieter, die eine Tour nach Masada mit einem Besuch am Toten Meer verbinden (auch sehr empfehlenswert!):
Grundsätzlich war ich nicht besonders von der archäologischen Ausgrabung fasziniert, außerdem wurde es auch recht schnell heiß, Sonnenschutz und Kopfbedeckung sind empfehlenswert. Immerhin ist es ein Bergplateau mitten in der Wüste und die Sonne scheint erbarmungslos. Ich würde daher immer den Besuch zum Sonnenaufgang empfehlen – das ist ein wirklich unvergessliches Erlebnis! Meine Tipps für einen tollen Besuch findest Du hier:
Wenn ihr mit dem Mietwagen unterwegs seid und nicht so gerne mitten in der Nacht aufsteht wie ich, könnt ihr euch am Vorabend in der Nähe eine Unterkunft suchen. Dann klingelt der Wecker nicht ganz so früh. Meinen Mietwagen habe ich in Tel Aviv abgeholt und dann zum Rückflug direkt am Flughafen abgegeben.
Ich habe in Arad im Inbar Hotel übernachtet. Kein Highlight, aber ordentlich – und entgegen der Bewertungen, die ich vorher überflogen hatte, erwartete mich ein herzlicher Empfang durch die goldige Rezeptionistin, die mich gleich mit vielen Tipps versorgte. (Netter Service ist in Israel leider nicht immer selbstverständlich.) Ungefragt gab’s dann noch einen Obstteller aufs Zimmer als Frühstücksersatz.
Wollt ihr lieber auf der Ostseite und von dort aus auf die Festung, weil es vielleicht eher auf dem Weg liegt, gibt es dort das günstige HI Massada Hostel, in dem viele Masada-Besucher übernachten.
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Mehr über Israel findet ihr auch in folgenden Artikeln:
Jerusalem ist eine faszinierende Stadt und neben Tel Aviv das Top-Reiseziel einer jeden Israel Reise! Aber was muss man in Jerusalem gesehen haben? Hier verrate ich dir, welche Sehenswürdigkeiten du dir auf jeden Fall anschauen solltest und gebe dir wertvolle Tipps!
Sehenswürdigkeiten in Jerusalem
Die meisten Sehenswürdigkeiten in Jerusalem findest du in der Altstadt. Hier ist alles fussläufig zu erreichen, und in einem Tag kannst du hier die wichtigsten Location wie die Klagemauer oder die Grabeskirche locker abklappern. Auch die sehr malerischen engen Gassen wirst du hier finden. Aber auch der neuere Teil Jerusalems ist sehr sehenswert und etwas weltlicher.
#1 Die Klagemauer / Western Wall
Die Klagemauer ist eigentlich die Rückseite einer Schutzmauer des Zweiten Tempels von Jerusalem, von König Herodes erbaut und 70 n.Chr beim Kampf von Juden und Römern um die Vorherrschaft in Jerusalem fast vollständig zerstört. Siebzig nach Christus – so früh wurde in Jerusalem bereits gestritten und gekämpft! Und bis heute stehen dort noch Überreste aus dieser Zeit – Jerusalem ist eine einzige Fundgrube der Antike. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieses Stück der Westmauer (daher auch der englische Name „Western Wall„) zum jüdischen Wallfahrtsort, der heutigen Klagemauer – und zum Wahrzeichen von Jerusalem.
Die Klagemauer ist DAS Wahrzeichen von Jerusalem.
Hilfreiche Tipps für den Besuch der Klagemauer:
Der Zugang zur Klagemauer ist durch Sicherheitsschleusen abgeriegelt. Kameras mitbringen ist kein Problem – während des Sabbats ist das Fotografieren an der Klagemauer aber nicht erlaubt.
Ein Besuch der Klagemauer selbst ist kostenlos,
An der Klagemauer beten Frauen und Männer streng getrennt. Die Seite der Männer scheint meist leerer, da sie 1. größer ist und die Männer 2. auch einen überdachten Teil unter einem Torbogen hindurch nutzen.
Männer müssen direkt an der Mauer eine Kippa tragen, Frauen sollten Schultern und Knie bedecken, aber irgendwie fällt es bei warmen Wetter auch nicht besonders auf, falls nicht.
An der Trennwand zu den Männern stehen kleine Bänke, auf die man steigen kann, um auf den Männer-Teil hinüber zu schauen.
Am Eingang vor der Mauer kann man sich Stift und Zettel geben lassen, um darauf seine Gebete/Wünsche/Danksagungen/etc., zu schreiben. An der Mauer steckt man das Papier dann in eine der Ritzen.
Von der Mauer entfernt man sich im Rückwärtsgang – um ihr nicht den Rücken zuzudrehen
Die Klagemauer ist 24 Stunden geöffnet
Einige der gegenüberliegenden Dachterrassen sind öffentlich zugänglich. Von dort aus hat man den weltberühmten Postkartenblick auf Felsendom und Klagemauer.
Die Grabeskirche ist DER Hotspot des Christentums, keine andere Kirche weltweit ist so bedeutsam, so wichtig. An dieser Stelle soll Jesus gekreuzigt und begraben worden, danach auferstanden sein. Ob das so stimmt, darüber streiten Historiker wie an vielen Stätten in Jerusalem bis heute – vieles von dem, was heute vermutet wird, sind biblische Überlieferungen, die wissenschaftlich nicht immer zweifelsfrei nachgewiesen werden konnten. Auch das ist eine der Gründe, die in Jerusalem so verwirren können. Was stimmt, was nicht? Was ist wissenschaftlich belegt? Je nach Glaubensrichtung und Weltanschauung verändern sich die Geschichten an einzelnen Orten. Die Grabeskirche jedenfalls hat mich sehr beeindruckt, ein wahres Labyrinth an Kapellen für alle möglichen christlichen Glaubensrichtungen und so ganz anders als andere klassische große Sakralbauten. Die erste Kirche wurde hier an dieser Stelle zwischen 326 und 335 erbaut und in den folgenden Jahrhunderten mehrfach erweitert, zerstört und wieder aufgebaut.
Die Grabeskirche ist einer der heiligsten Stätten des Christentums.
Was Du Dir hier anschauen solltest:
Den Salbungsstein gleich am Eingang: Dieser Stein erinnert an die Salbung des Leichnams Christi, Gläubige wischen hier mit Stoffen und Tücher über den Stein und beten
Das Grab Jesu, DAS Pilgerziel von gläubigen Christen in aller Welt: In der riesigen, mystisch anmutenden Rotunde steht ein weiterer kleiner Bau. Innen befindet sich die Stelle, an der Jesus begraben worden sein soll. Man kann den Schrein betreten, muss dafür aber Schlange stehen – manchmal bis zu einer Stunde! (ich muss zugeben, das habe ich mir dann auch geschenkt)
Den Felsen von Golgatha: Unter dem Altar in der griechisch-orthodoxen Kapelle befindet sich der Felsen, auf dem Jesus gekreuzigt worden sein soll – kann man sogar anfassen!
Das heilige Innerste der Grabeskirche: An dieser Stelle soll sich das Grab Jesu befinden.
Fun Fact (oder not so fun, wie man’s nimmt): Die Grabeskirche wird von sechs verschiedenen christlichen Konfessionen genutzt. Da sich alle aber nie in bestimmten Fragen einig werden konnten, sind es zwei muslimische Familien, die den Schlüssel zur Grabeskirche besitzen und die Kirche morgens auf- und abends wieder abschließen. Der Schlüssel wird innerhalb der Familien von Generation zu Generation weitervererbt.
#3 Jüdisches, armenisches, muslimisches und christliches Viertel
Die Altstadt von Jerusalem ist in vier verschiedene Viertel eingeteilt; Jüdisches, armenisches, muslimisches und christliches Viertel. In der Altstadt selbst ist man hauptsächlich zu Fuß unterwegs – und die einzelnen Viertel lassen sich so bestens erkunden.
In der Basaratmosphäre in der Altstadt von Jerusalem lässt sich herrlich stöbern.
Mein Tipp ist: Einfach loslaufen, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind zur Orientierung unterwegs ohnehin gut ausgeschildert, sich treiben lassen und selbst herausfinden, in welchem Teil man sich gerade befindet. Im muslimischen Viertel findet man buntes Markttreiben in den Altstadtgassen, die Grabeskirche ist das Zentrum des christlichen Viertel, wo man ebenfalls viele Souvenirshops mit religiösen Artikeln findet.
Orthodoxe Juden in ihrer schwarzer Kleidung und den schwarzen Hüten gehören zum alltäglichen Bild in Jerusalem.
Das jüdische Viertel wurde während des Palästinakriegs 1948 stark beschädigt und ist daher größtenteils im alten Stil neu gebaut – was ebenfalls sehr sehenswert ist. Im armenischen Viertel bleibt man eher unter sich, hier findet man weniger Straßenleben.
Razzouk Tattoo in Jerusalem ist der älteste Tattoo-Laden der Welt. Seit über 700 Jahren wird hier tätowiert: Ein Familienunternehmen in der 27.(!) Generation.
Die Via Dolorosa ist ein Pilgerweg, der dem überlieferten Weg Jesu durch die Stadt bis zu seiner Kreuzigung folgt. Es gibt insgesamt 14 Stationen, bei Interesse kann man jeden Freitag an der Kreuzprozession der Franziskaner auf der Via Dolorosa teilnehmen. Startpunkt ist am Stephanstor.Achtung: Die Kreuzprozession ist ein riesiges Event, auch unter religiösen Touristen – es wird voll in der Altstadt.
#4 Tempelberg mit Felsendom und Al-Aqsa-Moschee
Die goldene Kuppel des Felsendoms ist wohl eines der bekanntesten Wahrzeichen Jerusalems. Die Al-Aqsa-Moschee ist dafür von außen weniger prächtig, dafür aber gemeinsam mit dem Felsendom eines der wichtigsten Heiligtümer des Islams.
Beeindruckend: Die goldene Kuppel des Felsendoms auf dem Tempelberg.
Der Zugang zum Felsendom erfolgt für Nicht-Muslime nur über die überdachte Holzkonstruktion an der Klagemauer und unter folgenden Voraussetzungen:
Ein Reisepass/Ausweisdokument muss vorgelegt werden.
Bei Zutritt muss eine Sicherheitskontrolle passiert werden, neben gefährlichen Gegenständen dürfen auch nichtmuslimische religiöse Gegenstände nicht auf den Tempelberg gebracht werden
Kleidungsvorschriften beachten: Schultern und Knie müssen bedeckt sein
Nichtmuslime dürfen den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee nicht betreten
Besuchszeiten für den Tempelberg: Sonntag bis Donnerstag 7.30-11.30, 13.30-14.30 (Sommer), Sonntag bis Donnerstag 7.00-10.30, 12.30-13.30 (Winter)
Der Andrang ist sehr groß, die Kontrollen sehr hoch – früh da sein ist empfehlenswert. Der Zugang kann aufgrund der politischen Lage aber auch kurzfristig gesperrt werden. Am besten man holt vorab vor Ort sich die tagesaktuelle Information ein.
Die Al Aqsa Moschee wirkt eher unscheinbar.
Alles zu viel Geschichte? Gerade in Jerusalem bietet es sich an, an einer Tour teilzunehmen, um mehr über Jerusalem zu erfahren! Es lohnt sich, denn so viel kann man sich gar nicht an Hintergrundwissen anlesen!
Direkt neben dem Jaffator gelegen, hat man von der Zitadelle aus den absoluten Panoramablick über die Altstadt. Neben dem beeindruckenden Bau an sich kann man sich hier auch noch das eigene Museum mit Exponaten zur Geschichte Jerusalems sowie interessanten Wechselausstellungen ansehen (ich war ja sehr angetan von der ausdrucksstarken Fotoausstellung!).
Tagsüber grandiose Aussicht, nachts toll ausgeleuchtet: Die Davidszitadelle in Jerusalem.
Nach Einbruch der Dunkelheit gibt’s eine Lightshow zur Geschichte Jerusalems, und wer jetzt denkt, och langweilig, der schaut es sich am besten mal selbst an – besser und leichtfüßiger kann man sich fast schon nicht mehr im Schnelldurchlauf durch die Geschichte der Stadt führen lassen.
Der Felsendom in privaten Fotos im Laufe der Geschichte.
#6 City of David
Die City of David ist eine archäologische Ausgrabungsstätte nahe der Altstadt, über die ich bereits in diesem Post geschrieben habe. Besonderes Highlight ist der Hiskija-Tunnel, einem über 2700 Jahre alten Kanal zur Wasserversorgung, der bis heute Wasser führt und mit entsprechender Ausrüstung durchwatet werden kann.
#7 Israel Museum & Yad Vashem
Wer nach dem ganzen Altstadt-Sightseeing noch Aufnahmekapazität für Kunst und Kultur hat, der sollte auch ins Israel Museum, einem der Top-Museen in Israel. Von Archäologie bis Moderne ist hier alles an israelischer Kunst vertreten. Die Hauptattraktion sind die Schriftrollen vom Toten Meer, die Qumranschriften, benannt nach den Qumran-Höhlen, in denen sie gefunden wurden. Die Schriftrollen sind ca. 2000 Jahre alt und liefern wichtige Erkenntnisse über die Zeit des antiken Judentums. Die Schriftrollen werden in einem extra dafür konstruierten Bau ausgestellt, dem „Schrein des Buches“, der von außen aussieht wie eine weiße halbierte Zwiebel.
Yad Vashem ist die wohl weltweit wichtigste Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust. Architektur und Ausstellung sollen sehr ergreifend sein – und ich denke, es ist immer wieder wichtig an das Geschehene zu erinnern, damit nie wieder eine solche Gedenkstätte gebaut werden muss. Leider konnte ich mir Yad Vashem nicht mehr ansehen. Was ich sehr bedauere. Wenn ihr die Möglichkeit habt: unbedingt hin. Mit Zeit, denn das ist kein Programmpunkt, den man auf die Schnelle abhaken sollte.
Der Eintritt ist frei, die naheliegende Straßenbahnhaltestelle „Mount Herzl“ ist nur eine 15-minütige Fahrt von der Innenstadt aus entfernt. Von der Haltestelle bis zu Yad Vashem fährt ein kostenloser Shuttlebus.
#8 Montefiore-Windmühle
Eine Windmühle? Richtig, in Jerusalem steht die weltweit meist besichtigte Windmühle der Welt! Von wegen Holland. (Die haben dafür auch Tausende.) Diese Windmühle wurde 1857 gebaut, um den umliegenden neuen Siedlungen die Möglichkeit zur Selbstversorgung zu geben.
Von wegen Holland: Diese schnieke Windmühle steht mitten in Jerusalem.
Viel Wind gab es dann doch nicht, aber um die Windmühle herum entstand ein hübsches kleines Wohnviertel, Mishkenot Sha’ananim. Kürzlich wurde die Mühle aufwändig restauriert und zu besonderen Events wird hier immer noch Mehl gemahlen, jetzt allerdings motorbetrieben.
Außerdem werden in der Montefiore-Windmühle Weinproben veranstaltet. Mein ungeübter Gaumen kann zwar immer nur zwischen „mag ich“ und „mag ich nicht“ unterscheiden – die Weine, die ich probiert habe, fielen allerdings größtenteils in die Kategorie „mag ich“. Israelische Weine können also nicht so schlecht sein. Klare Empfehlung für eine Weinprobe in einem etwas anderen Ambiente.
Vor der Windmühle befindet sich eine große Aussichtsterrasse, laut unserer Tourguides der beliebteste Ort in Jerusalem für Heiratsanträge! Die Aussicht auf die umliegenden Hügel ist wirklich fantastisch. Ich konnte allerdings nicht umhin, auf die in die Höhe ragende Betonmauer auf dem gegenüberliegenden Bergkamm zu starren, die mich so sehr an die Mauerreste zu Hause in Berlin erinnerte – und konnte den Erzählungen unseres Guides über die Entstehungsgeschichte dieses und der umliegenden Viertel gar nicht mehr folgen. „We have our problems, you know“, kommentierte er knapp, und ich fragte mich, ob dieses menschliche Bedürfnis, immer Mauern bauen zu müssen, jemals aufhören würde.
Zur Montefiore-Windmühle sind wir im Rahmen einer Segway-Tour hinauf. Ich bin ja vorher nur mal in Chicago an der flachen Promenade entlang des Lake Michigans Segway gefahren – das war ganz nett. Das hügelige Jerusalem verleiht einer Segway-Tour dann aber einen ganz anderen abenteuerlichen Twist!
#9 Mahane Yehuda Markt
Nicht entgehen sollte man sich das Treiben auf dem Mahane Yehuda Markt – und am besten kommt man zwei Mal: einmal tagsüber, einmal nachts. Denn tagsüber spielt hier das normale Marktleben: Obst, Gemüse, Süßigkeiten, Gewürze – an jeder Ecke findet man leckere Köstlichkeiten. Wie zum Beispiel an dem Stand der ausschliesslich Halva, eine Sesam-Süßigkeit, verkauft.
Dazwischen gibt es immer wieder kleine Cafés, aber auch Bars und Pubs – und wenn die Obst- und Gemüsehändler Feierabend machen, mutiert der Mahane Yehuda Markt zur hippen Kneipenmeile!
#10 First Station
Früher der Bahnhof, an dem die Züge nach Tel Aviv abfuhren, stand die First Station lange Zeit leer, bis sie als Eventspace vor einigen Jahren wiedereröffnet wurde. Hier gibt es Cafés, Bars, Restaurants, Coworking-Spaces und von Zeit zu Zeit diverse Veranstaltungen – hier im Rahmen der in der Stadt im Juni stattfindenden Pride Parade. Das Bemerkenswerte: Auf der einen Seite ist Jerusalem eine streng religiöse Stadt, auf der anderen Seite öffnet sich es trotz vieler Gegenstimmen aus religiösen Lagern langsam aber auch in Richtung mehr Diversität.
Empfehlenswert: Der DIY-Markt, jeden Donnerstag im Sommer, ab 16 Uhr.
Foodtipps: Cafés und Restaurants in Jerusalem
Diese Liste wird nur unvollständig bleiben können – das Angebot an tollen Restaurants, Bars und Cafés ist einfach riesig. Gut essen kann man in Jerusalem wie auch im Rest von Israel wirklich an jeder Ecke – leider ist nur das Preisniveau oft sehr hoch. Da heißt es: Augen zu und durch, wenn man sich die wirklich fantastische Küche nicht entgehen lassen will!
Im übrigen sind aus meiner Erfahrung die Portionen im Gegenzug sehr groß – oft macht es Sinn, sich ein Gericht zu teilen, bevor man die Hälfte auf Grund eines akuten Foodkomas zurückgehen lassen muss. (Häufig werden Gerichte eh in mehreren Schälchen verteilt serviert, das macht es einfacher.) Alternativ gibt es aber immer irgendwo einen Falafel-Laden, der ebenfalls gute Küche für einen schmalen Geldbeutel serviert.
Pergamon Vegetarische Küche, sehr nett abends, um draußen zu sitzen!
Moris Grill Bar sieht auf den ersten Blick aus wie eine einfache Pommesbude, dafür aber bestes Fleisch vom Grill!
Grill Bar die Grill Bar ohne Namen! Tipp: Allein die Vorspeisen sind so vielfältig – da erübrigt sich das Hauptgericht.
Café Rimon gute Cocktails, aber das beste ist die Lage: Abends hier in der Fußgängerzone sitzen und dem Nachtleben zusehen!
Acrmavi – bestes Hummus der Stadt, so sagt man. Der Laden existiert seit den fünfziger Jahren am Damaskustor und irgendwie hat man das Gefühl, dass sich seitdem nicht grundlegend viel verändert hat. Bis auf das Hummus! Das wird nach altem Familienrezept täglich frisch zubereitet, und zwar in aller Frühe, denn der Laden öffnet um 5.30h. Hummus gilt nach wie vor auch als das täglich Brot des kleinen Mannes und wird sowohl zum Frühstück als auch zu allen anderen Gelegenheiten gegessen. Hier kommen alle her: Bauarbeiter, Studenten, Büroangestellte. Bis zum frühen Nachmittag sollte man vorbeikommen, bevor das Hummus ausgeht und man bis zur neuen Produktion am nächsten Tag warten muss. Was weg ist, ist nämlich weg!
Hummus ist ein typisch israelisches Gericht und ist super sättigend.
Hummus Rezept:
Zutaten: 140g getrocknete Kichererbsen 50g Tahini (Sesammus) 1 große Knoblauchzehe 3 EL Olivenöl 3 EL Zitronensaft Salz und Pfeffer nach Geschmack
Die Kichererbsen über Nacht in Wasser einweichen. Ca. 3 Stunden kochen. (Ja, das dauert! Und schummeln mit Kichererbsen aus der Dose is’ nich’!) Abgießen und dabei das Erbsenwasser auffangen. Die Knoblauchzehe pressen und mit den anderen Zutaten vermischen. Erbsen hinzugeben und zerdrücken, bis eine cremige Masse entsteht. Wenn die Masse zu fest wird, solange Erbsenwasser hinzugeben, bis die gewünschte Textur erreicht wird.
Hotels in Jerusalem – Unterkünfte für jedes Budget
Luxushotels in Jerusalem – High-End, aber auch ohne Übernachtung einen Blick wert!
King David Hotel – Das King David Hotel blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück: Der monumentale Bau war Sitz der britischen Mandatsregierung in den 30er und 40er Jahren, überstand während dieser Zeit einen Bombenanschlag und avancierte später zu einem der luxuriösesten Hotels Israels. Hier schlafen Staatsoberhäupter und alles, was Rang und Namen hat. YMCA Three Arches – Das YMCA Three Arches direkt gegenüber gehört zum Jerusalemer YMCA (Young Men’s Christian Association), und wer sich eine Übernachtung hier nicht leisten kann, der sollte trotzdem herkommen: Der unübersehbare Glockenturm ist das höchste Gebäude Jerusalems und von oben hat man die beste Aussicht auf die Stadt!
Mittleres Budget – Mittelklasse Hotels in Jerusalem
Ibis Styles – Solides, sauberes Hotel in bester Lage und nagelneu! Mitten im neuen Zentrum Jerusalems, Restaurants, Bars und Shoppingmeile in unmittelbarer Nähe – besser geht’s nicht. Die Altstadt ist fußläufig erreichbar.
Und das Beste: Das Frühstücksbüffet in der obersten Etage mit Blick auf die Stadt ist der Hammer. Typisch israelisch, typisch Unmengen, typisch lecker. Unbedingt mitbuchen.
Low Budget Hostels in Jerusalem
The Post – Super zentrale Lage, entspannte Atmosphäre. Privatzimmer gibt’s auch. Abraham Hostel* – Das wohl bekannteste Hostel in Jerusalem: Nicht ganz so partymäßig wie der Ableger in Tel Aviv, aber dennoch eine gute Variante für diejenigen, die etwas mit dem Reisebudget haushalten müssen und kommunikative Unterkünfte lieben. Es gibt auch Privatzimmer.
Anreise nach Jerusalem
Wenn Du aus Deutschland oder Europa nach Israel reist, wirst Du mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit in Tel Aviv landen (und mit Sicherheit auch Tel Aviv sehen wollen!). Der Flughafen Ben Gurion liegt außerhalb auf dem Weg von Tel Aviv nach Jerusalem und beide Städte sind direkt vom Flughafen aus sehr gut zu erreichen.
Von Ben Gurion/ Vom Flughafen Tel Aviv nach Jerusalem
Ganz neu ist die Zugverbindung vom Flughafen Tel Aviv bis zum Bahnhof in Jerusalem und dauert nur eine knappe halbe Stunde. Ab dem Bahnhof sind es mit der Straßenbahn nur noch wenige Stationen bis zum Zentrum. Alternativ gibt es noch einen Bus – der benötigt allerdings eine gute Stunde und fährt auch nur bis zum Bahnhof. Vom Taxi würde ich generell abraten – Taxifahren ist in Israel mitunter eh abenteuerlich und die Zugverbindung ist komfortmäßig unschlagbar.
Mit dem Jerusalem City Pass ist die Fahrt mit dem Zug oder Bus nach Jerusalem und zurück zum Flughafen umsonst! Den Pass gibt es in drei Varianten, der günstigste kostet 35 Euro.
Von Tel Aviv (Stadtzentrum) nach Jerusalem
Busverbindungen von Tel Aviv nach Jerusalem gibt es jede Menge, die Fahrt dauert ca. 1 1/4 Stunde. Auf der Webseite von Egged (der staatlichen Busgesellschaft) könnt ihr euch aktuelle Fahrpläne ziehen. Alternativ könnt ihr auch schauen, ob ihr von Jerusalem oder Tel Aviv einen Tagesausflug z.B. zum Toten Meer* bucht und euch auf dem Rückweg in der jeweils anderen Stadt absetzen lässt (manche Touranbieter bieten das an), so spart ihr euch einen Weg.
Oder ihr bucht gleich von Tel Aviv aus nur eine Tagestour nach Jerusalem, die Fahrt dauert nicht lange. Allerdings würde ich behaupten, dass ein einziger Tag viel zu wenig für Jerusalem ist – wenn ihr die Zeit habt, bleibt besser über Nacht und länger.
Zur Einreise nach Israel generell werde ich wahrscheinlich nochmal einen gesonderten Post schreiben, da es etwas umfangreicher ist. Achtung: Fortbewegen innerhalb Israel mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist am Shabbat generell schwierig. Vom späten Freitag Nachmittag bis Samstag Abend fahren keine öffentlichen Transportmittel! Vor allem in Jerusalem wird sich streng an die Regeln des Shabbat gehalten, Restaurants, Cafés, Geschäfte, alles hat geschlossen – wenn möglich, reist besser an einem Tag nach Jerusalem.
Sicherheit in Jerusalem
Grundsätzlich hatte ich vor kleineren Delikten wie Handtaschenraub oder Trickdiebstahl, wie sie oft an touristischen Hotspots vorkommen, in Jerusalem gar keine Angst. Es wird weder offiziell davor gewarnt, noch wurde ich persönlich angesprochen – das passiert mir gerne mal auf Reisen, da ich ja oft mit einer nicht gerade unauffälligen Kamera unterwegs bin. Insofern schien mir Jerusalem sehr sicher.
Allerdings mag das auch an der enorm hohen Polizei- und Militärpräsenz liegen, die durchblicken lässt, dass im Notfall ein Maschinengewehr schnell zur Hand ist. Da sucht man sich als Taschendieb wohl lieber gleich einen anderen Wirkungskreis. Waffen sieht man allerorten, auch einzelne junge Soldaten außerhalb ihrer Dienstzeit tragen ihre Maschinengewehre sowohl in militärischer Uniform als auch in Privatkleidung spazieren, da sie aus Sicherheitsgründen ihre Waffen nur unter bestimmten Voraussetzungen aus den Augen lassen dürfen. Was für uns Mitteleuropäer im ersten Moment verstörend scheint, ist für Israelis Alltag und wirkt auf die Einheimischen – ganz im Gegenteil zu uns – extrem beruhigend. Die meisten Israelis haben ebenfalls eine militärische Grundausbildung (Männer drei Jahre, Frauen zwei Jahre) absolviert und sind für Notfälle jeglicher Art gut gerüstet. Nicht ohne ein wenig Stolz sagte mir jemand, dass bei Attentaten auf israelischem Boden immer nur wenig Tote zu beklagen seien, da jeder durch seine Grundausbildung im entscheidenden Moment sofort wisse, was zu tun sein und dies möglicherweise mehr Leben rette.
Eine Kostprobe dieser Reaktionsschnelligkeit bekam ich, als wir eines Abends vor unserem Hotel standen und circa 200 Meter weiter in einem der belebten Straßencafés plötzlich ein Tumult entstand: Geschrei, Plastikstühle fielen um. Was genau passiert war, ließ sich aus der Ferne nicht sagen, vielleicht nur eine Streiterei zwischen Gästen, ein Handgemenge, nichts weiter Schlimmes – aber dennoch sprang die Menschenmenge drumherum plötzlich wie choreographiert auseinander und Soldaten rannten gezielt sternförmig in verschiedene Richtungen los. Unsere israelische Begleitung hatte jedoch sofort in Windeseile die Situation analysiert und befunden, dass keine unmittelbare Gefahr für uns ausging und blieb entspannt – während ich mit meiner heruntergefallenen Kinnlade noch immer damit beschäftigt war, abzuschätzen, was da gerade passierte.
Ein einziges Mal wurden wir dann doch gewarnt: Wir sollten nicht zum Damaskustor gehen. (Vor diesem Tor halten u.a. die Linienbusse nach Ost-Jerusalem und in die palästinensischen Autonomiegebiete.) Auf unsere Frage nach der Begründung für diese sehr bestimmt geäußerte Warnung bekamen wir leider keine Antwort.
Noch später ist mir aber eingefallen, dass ich bei meinem letzten Besuch 2017 dort ganz unbedarft dort entlang spaziert bin, bei Acrmavi Hummus gegessen habe und mich nicht erinnern konnte, dass ich mich unwohl gefühlt habe.
Meine persönliche Einschätzung? Sie ist zwiespältig. Ich persönlich würde mich von der derzeitigen Gesamtsituation nicht von einer Reise nach Jerusalem abhalten lassen; ich habe mich nicht in Gefahr gefühlt. Gerade in Sicherheitsfragen möchte ich aber keine allgemeine Aussage treffen, da jeder ein anderes Sicherheitsempfinden besitzt und für sein Wohlbefinden selbst verantwortlich ist.
Ich empfehle Dir daher, vor einer Reise aufmerksam die Nachrichten aus der Region zu verfolgen (es geht doch nichts über Tagesschau und heute-journal!) und die Informationsseite des Auswärtigen Amtes auf die aktuelle Lage zu überprüfen.
Fazit: Lohnt sich eine Reise nach Jerusalem?
Nach so vielen Informationen und meiner ganz subjektiven Meinung fragst Du Dich vielleicht, ob sich eine Reise nach Jerusalem überhaupt lohnt. Wenn Du mal eine andere Städtereise als immer nur Paris, Mailand, London, Lissabon für ein längeres Wochenende unternehmen möchtest – klar, warum nicht. Dann halt mal Jerusalem. Ist auch etwas Exotischeres, womit man seine Freunde neidisch machen kann. Die Altstadt ist sehr hübsch, in den schmalen Gassen lassen sich hervorragende Posing-Bilder für den eigenen Instagram-Feed schießen und noch pittoresker wird es, wenn gerade einer der vielen orthodoxen Juden mit ihren großen schwarzen Hüten im Hintergrund durchs Bild huschen, während man seine Sonntagskleider spazieren führt.
Jerusalem ist ein sehr gut entwickeltes Reiseziel, es gibt tolle Hotels mit Pools zum Entspannen vom Sightseeing und gutes Essen überall (vorausgesetzt man verfügt über das nötige Kleingeld, denn Israel ist teuer und Jerusalem als Nummer eins der israelischen Touristenattraktionen erst recht),
Handtaschendiebe muss man aufgrund der hohen Polizeipräsenz nicht wirklich fürchten, trotz Religion allerorten kann man trotzdem im Minikleid rumrennen und im allgemeinen kann man es sich hier wirklich richtig nett machen, auch, wenn man so gar keinen Bock auf Religion, Geschichte, Politik, Kunst und Kultur hat. Ein paar Bilder vor der Grabeskirche, einmal verträumt an die Klagemauer lehnen, zwischendurch Hummus auf dem Mahane Yehuda Markt probieren, abends bei einem Glas Wein die laue Sommerbrise genießen (wettertechnisch ist Jerusalem ja mit seinem milden bis heißen Klima immer ein Gewinn!), alles ganz hübsch.
Sogar einen Pub Crawl* kann man hier mit den Leuten vom Abraham Hostel* unternehmen, wenn man Lust auf Nightlife hat – übrigens auch ein guter Tipp als Unterkunft, wenn man es budgetfreundlicher, aber auch kommunikativer mag. Jerusalem will ein bisschen hipper werden, und es ist nichts dabei, auf diesen Zug ebenfalls aufzuspringen.
Wenn du aber nach der Lektüre dieses Artikels auf einige Details gestossen bist, die Dich verunsichert haben, möchte ich Dir sagen: Dann reise erst recht nach Jerusalem! Wenn Du das Gefühl hast, dass du dir ähnliche Gedanken machen würdest wie ich, dann lege ich dir eine Reise nach Jerusalem sehr ans Herz!
Es wird nicht einfach werden, viele Dinge werden Dich lange beschäftigen, Du wirst verwirrt sein, an Deiner Wahrnehmung zweifeln. Aber genau das ist es, was diese Stadt ausmacht! Spüre selbst die Intensität der Stadt am eigenen Leib, sprich mit den Menschen vor Ort, bilde Dich im Vorbeigehen weiter und lerne über Geschichte, Kultur und Religion einer Region, die seit Jahrtausenden das Weltgeschehen beeinflusst, stelle Fragen, suche Antworten und mache Dir Dein eigenes Bild – und Du wirst mit einem Reiseerlebnis belohnt, an das Du Dich für den Rest Deines Lebens erinnern wirst!
Mehr über Israel:
Disclaimer: Ich wurde von iTravelJerusalem und der Jerusalem Development Authority auf diese Reise eingeladen.
Letzten Monat hatte ich eine etwas ungewöhnliche Einladung im Mail-Postfach. Ob ich nicht Lust hätte, am International Travel Bloggers’ Summit in Jerusalem teilzunehmen, der dieses Jahr zum ersten Mal stattfinden würde. 40 Blogger und Instagrammer aus 6 Nationen, dazu jede Menge Expertengespräche, Workshops, Vorträge und viele neue Tipps für Jerusalem.
Die Altstadt von Jerusalem: Pittoresk und spannend
Pittoresk und fotogen ist sie ja, die Jerusalemer Altstadt, das wusste ich bereits – und dieses Mal war ich noch gewillter, meine Eindrücke in Bilder zu packen.
Jerusalem ist einfach voller interessanter Sehenswürdigkeiten: Grabeskirche, Klagemauer, im Hintergrund noch der Felsendom mit der markanten goldenen Kuppel, der Tower of David, der Cardo, die Einkaufsstraße aus römischen Zeiten; und ach ja, da waren sie zuhauf, die orthodoxen Juden mit ihren schwarzen Hüten, die sich ja auch immer schön auf Fotos machen, wenn sie durch die verwinkelten Gassen huschen.
➜ Alle Reiseberichte zu Israel findest du auch in meinem Israel Blog
Aber irgendwie blieben in mir immer noch Fragen offen. Normalerweise bekomme ich recht schnell ein gutes Gespür für eine Stadt; das ist kein Wunder, nach fast zwei Jahrzehnten Fliegerei und diversen spontanen und weniger spontanen Übernachtungen in mir bis dahin manchmal fremden Städten entwickelt man seine eigene Routine, was das Erkunden und Erspüren einer Stadt angeht. Außerdem halte ich mich selbst ja ganz bescheiden für die ungekrönte Königin des Speed Sightseeings (gut, diverse Crewkollegen, die mich schon zu den verrücktesten Speed-Sightseeing-Aktionen kurz vor Pickup anstifteten, könnten mir den Titel streitig machen) und da sollte Jerusalem in knapp vier Tagen doch kein Problem darstellen. Tat es aber.
Jerusalem und seine Geschichte: Das Zentrum dreier großer Weltreligionen
Jerusalem ist das Zentrum drei großer Weltreligionen: Christentum, Judentum und Islam. Was seit jeher ein Konfliktpotential birgt, denn wie es halt so ist in der Geschichte der Menschheit: Teilen klappt meist nicht so gut. Ich bin nicht religiös, aber manchmal glaube ich, dass ich einen Hang zum Spirituellen besitze, den ich selten öffentlich thematisiere, weil, mal ehrlich, das hört sich mehr nach barfuß tanzenden, geistig entrückten Sektenjüngern in selbstgebatikten Gewändern an als alles andere.
Trotzdem meinte ich schon wieder, in Jerusalem die besondere Energie dieses Ortes am eigenen Leib zu spüren – ob es am Ort selbst lag, seiner Geschichte oder an der Bedeutung, die Millionen Gläubiger Jerusalem beimessen und in Scharen hinpilgern? Als ich am Flughafen in Tel Aviv landete, scherte auf dem Weg zur Passkontrolle genau vor mir eine inbrünstig singende, 40köpfige Gruppe von fröhlichen Pilgern ein, der Aufschrift ihrer bedruckten Shirts nach kamen sie für eine Pfingstreise von der Elfenbeinküste und ihre weitgehende Unbeholfenheit im Umgang mit Passkontrollen und dem ganzen Reiseklimbim im Allgemeinen ließ vermuten, dass diese Reise für sie ein außergewöhnliches Ereignis in ihrem Leben darstellte. Diese religiöse Hingabe der vielen Pilger und Wallfahrer ist auch in der Stadt selbst deutlich zu fühlen.
Ausflug in die City of David – ein Vormittag auf den Spuren von Indiana Jones
Eines Morgens dann fuhren wir in die City of David, die Davidsstadt. Eine eher weniger mit touristischer Aufmerksamkeit bedachte Stelle in Jerusalem, wollen die meisten doch die Klagemauer sehen und die Altstadt entdecken. Die City of David ist eine archäologische Ausgrabungsstätte, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist und Funde aus der Zeit zeigt, in der König David (der aus David und Goliath – es wird biblisch!) vor 3000 Jahren Jerusalem zur blühenden Stadt machte. Insgeheim hoffte ich, dass dieser Programmpunkt schnell an mir vorüberziehen würde – Ausgrabungen ansehen, das klang nicht gerade verlockend. Ich meine, die halbe Stadt ist alt, das braucht man sich doch nicht extra ansehen?
Archäologie in Jerusalem: Spannende Funde und Erkenntnisse
Ich wurde eines Besseren belehrt. Wir stiegen hinab in eine unterirdische Höhle, bekamen einen kleinen Auffrischungskurs in Sachen Altes Testament (den ich bitter nötig hatte), denn wir standen sozusagen mittendrin in dessen Schauplatz, schauten uns eine sehr realistische Multimedia-Präsentation des alten Jerusalems an und bestaunten das unglaublich raffinierte Bewässerungssystem: Wir schlängelten uns durch schmale Gesteinsspalten, die damals als Wasserzufuhr für die umliegenden Felder in das Gestein gemeißelt worden sind und konnten nicht fassen, dass das hier mehrere tausend Jahre alt sein sollte.
Auch der Hiskija-Tunnel aus dem 8. Jh.v.Chr., ein unterirdischer Kanal zur Wasserversorgung, wurde erschlossen und kann in fast der gesamten Länge besichtigt werden. Der besondere Spaß: Bis heute führt dieser Tunnel mindestens kniehoch Wasser und muss durchwatet werden! Wasserfeste Schuhe und Taschenlampe (sind Pflicht!) können vor Ort erworben werden.
Der Eingang zum Hiskija-Tunnel: Es wird nass und dunkel
Archäologie live: Die neueste Entdeckung in der City of David
Zur Zeit wird noch eine weitere große Entdeckung freigelegt: In einer der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglichen Ausgrabung wird der mehrere hundert Meter lange Pilgerweg vom Shiloah-Becken (dort unterzogen sich die Gläubigen der rituellen Waschung) bis hinauf zum Tempel der Stadt ausgegraben. Was heute ein unterirdischer Tunnel ist, für den wir ganz schön hinabsteigen mussten, war vor 2000 Jahren eine Straße unter freiem Himmel – so viel wurde in den darauffolgenden Jahrhunderten darüber gebaut! Live und in Farbe durften wir uns die laufenden Grabungsarbeiten ansehen – und plötzlich schien Archäologie ziemlich aufregend. Bald wird dieser Tunnel übrigens auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein – und das wird großartig werden!
Wieder draußen, genossen wir die Aussicht aufs Tal, hinter uns ein Hang, auf dem sich die Wohnhäuser des umliegenden Viertels türmten. Die verschiedenen Gesteinsschichten verrieten auch hier, dass jede Menge Geschichte in diesem Hang steckte. „Weißt Du, der Grund auf dem Jerusalem steht, besteht aus unzähligen Schichten von Bausubstanz. Nichts wurde entfernt. Es wurde Jahrtausende einfach nur Schicht für Schicht aufeinander gebaut.“, sagte unsere israelische Begleitung Maria. „Die große archäologische Frage ist in Jerusalem nie, ob man etwas findet – denn man findet immer etwas, das ist sicher. Die Frage ist nur, ob es sich lohnt, das, was man bisher entdeckt hat, zu zerstören, um noch weiter zu graben.“
Mein undefinierbares Gefühl zu Jerusalem zerfloss und ich machte meinen Frieden mit der Tatsache, dass ich meine Fragezeichen in Bezug auf Jerusalem wohl nie lösen können würde. Wie sollte man auch je eine Stadt einordnen können, unter deren Oberfläche die Geschichte der Menschheit aus Jahrtausenden vergraben ist?
Praktische Tipps zur City of David
Die City of David befindet sich unweit der Altstadt, hinter der Klagemauer, wenn man durch das Misttor hindurch geht. Ich würde einen halben Tag einrechnen, um das ganze Areal in Ruhe zu erkunden – bei einem Tagestrip ist das wahrscheinlich schwer. Aber ohnehin ist meiner Meinung nach ein einziger Tag für Jerusalem viel zu wenig. Und die City of David ist wirklich eine Location, die ich euch sehr ans Herz legen möchte, am besten mit einer Führung – mir hat es sehr geholfen, Jerusalem ein bisschen besser zu verstehen.
Cabrera ist ein beliebtes Ausflugsziel ab Mallorca. Ab Colonia Sant Jordi lassen sich regelmäßig Bootstouren dorthin unternehmen – und ganz entgegen meinen Erwartungen war die Tour nach Cabrera sogar im Hochsommer ein voller Erfolg.
Cabrera ist Teil einer vorgelagerten Inselgruppe südlich vor Mallorca und gehört ebenfalls zu den Baleareninseln. Gleichzeitig ist die Insel Cabrera ein Naturschutzgebiet. Und ein beliebtes Ziel für Ausflüge ab Mallorca! Die Chancen schienen also hoch, von Touristenmassen überrannt zu werden.
Die Insel Cabrera ist von Colonia Sant Jordi aus mit verschiedenen Bootstouren zu erreichen
Mit dem Boot nach Cabrera
In der Hochsaison gibt es täglich mehrere Fahrten. Unsere Tour war die einzige an diesem Tag, bei der noch Plätze frei waren. Eine knappe Dreiviertelstunde dauert die Fahrt von Colonia Sant Jordi im Südosten von Mallorca nach Cabrera. Obwohl wir schon im größeren der beiden angebotenen Bootstypen saßen (50 statt nur 12 Plätze) war die Fahrt feucht und holprig, aber genau richtig, um mal richtig frische Seeluft zu atmen.
Die kleine Anlegestelle auf Cabrera
Tipp: Colonia Sant Jordi liegt im schönen Südosten Mallorcas, mit vielen traumhaften Stränden rundherum. Der Traumstrand Es Trenc liegt z.B. direkt nebenan. Direkt an der Küste gelegen, ist Colonia Sant Jordi einer kleiner und beschaulicher alter Fischerort mit allem, was man für einen entspannten Mallorca-Urlaub braucht. Solltest du also noch nach einen tollen Urlaubsspot suchen, dann empfehle ich dir, dort mal nach Unterkünften zu schauen!
Auf der Insel angekommen: Verwunderung. Wo waren denn die ganzen Menschenmassen? Langsam fuhren wir in den lauschigen natürlichen Hafen von Cabrera ein. Einige Segelboote lagen dort im ruhigen Wasser, ein paar Leute sonnten sich am kleinen Strand und sonst: Stille, Stille, Stille!
Aussicht von der Festung Cabrera
Aktivitäten auf Cabrera: Wandern zum Mirador de Cabrera
Kommt man mit dem Ausflugsboot für einen Tagesausflug nach Cabrera, hat man bei der längeren Tour einige Stunden Zeit, die Insel zu erkunden. Einige Teile der Insel Cabrera sind nicht öffentlich zugänglich, daher bewegt man sich mit den anderen Mitreisenden auf den gleichen Trampelpfaden – aber man verteilt sich relativ gut auf der Insel. Für eine grandiose Aussicht kann man rauf die Festung (Castillo de Cabrera) wandern – und das ist bei 35 Grad in der Mittagssonne sportlicher, als es sich anhört.
Die Festung von Cabrera ist schon von weitem zu sehen
Auf meinem Mallorca Blog findest Du noch viel mehr Tipps für Deine Reise nach Mallorca
Wer mit dem eigenen Boot kommt, darf nur in der Bucht ankern.
Der Mirador de Cabrera
Vom Aussichtsturm der Festung, dem Mirador de Cabrera, hat man den perfekten Blick über die Insel und das türkisblaue Meer. Auf dem Rückweg einkehren in die Inselbar, dann schwimmen im klaren windstillen Wasser und die pure Natur um einen herum genießen: Wer auf Cabrera nicht entspannen kann, ist selbst schuld!
Bei Sonnenuntergang: Die blaue Grotte in Cabrera
Im Ausflug inklusive ist meist je nach Wetterlage ein Stopp in der blauen Grotte – geht nur bei ruhigem Seegang. Und der Name… woher der wohl kommt? Das Wasser ist einfach so unfassbar tiefblau, dass es einen einsaugen möchte.
Bei Sonnenuntergang scheint es warm in die Blaue Grotte hinein
Alle Ausflugsboote legen hier einen Stopp zum Schwimmen und Schnorcheln. Auf Grund der Wassertiefe ist das aber nur was für Schwimmer. Mit Glück begegnet man sogar neugierigen Rochen! Hat man dazu noch die Nachmittagstour gebucht, gibt es noch einen romantischen Sonnenuntergang on top!
Tipp: Übernachtest du nicht in der Nähe von Colonia Sant Jordi oder bist mit dem Mietwagen unterwegs, ist es schon etwas komplizierter, auf eigene Faust einen Ausflug nach Cabrera zu organisieren. Es gibt aber Touranbieter, die komplette Ausflüge nach Cabrera mit Anreise nach Colonia Sant Jordi und noch Stopps an den Stränden in der Nähe anbieten!
Müll machen verboten! Cabrera ist ein Naturschutzgebiet und den Müll, den man mitbringt oder dort produziert, muss man auch wieder mitnehmen: Es gibt keine Mülltonnen auf der Insel, da der Transport von Tonnen von Touristenmüll zurück nach Mallorca zu aufwendig ist. So ganz durchdacht ist das System allerdings nicht, Müllvermeidung und -recycling sind auf Mallorca generell kein großes Thema.
In der Inselbar werden Getränke in Dosen oder Einwegbechern serviert – da könnte man auch noch einiges an Müll einsparen. Und findige Touristen müllen mangels fehlender Abfalleimer auf den Wegen einfach die Toilettenbehälter in den öffentlichen WCs voll. Oder werfen Essensreste ins Gebüsch. Ist ja bio. Naja. Ein bisschen mehr Aufklärung und Sensibilisierung für alle Besucher könnte nicht schaden. Die fehlte bei unserer Tour vollkommen und hätte ein Inselwächter mich nicht zufällig abgefangen und aufgeklärt, als ich nach Verlassen des Bootes nach einem Mülleimer für meine Apfelkitsche suchte – das Thema Müll wäre sonst nirgends aufgetaucht.
Cabrera war mal das Alcatraz Mallorcas. Oder so. Zur Zeit der Spanischen Unabhängigkeitskriege Anfang des 19. Jahrhunderts wurden hier 9000 französische Soldaten als Kriegsgefangene verbracht, unter schlimmsten Bedingungen – und ein großer Teil fand hier den Tod. Mehr über die Geschichte der Insel erfährt man auch im inseleigenen Museum!
Unbedingt festes Schuhwerk mitnehmen! In Flipflops rauf zur Burg macht keinen Spaß.
Schnorchelausrüstung nicht vergessen: Am Strand und in der blauen Grotte lässt sich wunderbar schnorcheln und Fische gucken.
In der Inselbar gibt’s wunderbare Horchata (ein mallorquinischer Mandelmilchdrink) mit frischen Mandeln!
Wer länger bleiben möchte: auf der Insel gibt es eine kleine, einfache Herberge. Achtung: Unbedingt im voraus reservieren und die Aufenthaltsdauer ist auf wenige Tage beschränkt! ➜Zur Reservierung für die Herberge von Cabrera
Linktipps zu Cabrera
marcabrera Ausflüge nach Cabrera ab Colonia Sant Jordi. Bei Onlinebuchung gibt’s 10% Rabatt, der Halbtagesausflug wie oben kostet dann 36€. Rabatt für Residenten gibt’s auch, sind aber nur 7% und können nicht mit dem Online-Rabatt kombiniert werden.
Valldemossa gehört zu den schönsten Orten auf Mallorca. Die kleinen Gassen mit den rundum bunt bepflanzten Türen sind beliebtes Fotomotiv und gehören zum Pflichtprogramm bei einem Ausflug in die Serra Tramuntana mit ihren hübschen Dörfern. Was du dir sonst noch in Valldemossa an Sehenswürdigkeiten nicht entgehen lassen solltest, verrate ich dir in diesem Artikel!
Kartause von Valldemossa
Die Kartause von Valldemossa ist der zentrale Punkt des Ortes. Hinter der Kartause befindet sich ein kleiner, sehr gepflegter Garten, der besonders im Sommer sehr einladend ist. Die Kartause in Valldemossa wurde Anfang des 14. Jahrhunderts als Sommerresidenz des Königs von Mallorca (nein, nicht Jürgen Drews – Mallorca war wirklich einmal ein eigenständiges Königreich) errichtet und genutzt. Gegen Eintritt kann die Kartause auch von innen besichtigt werden.
Spare Zeit: Die Eintrittskarte für die Kartause kannst du hier online kaufen*.
Schon von weitem zu sehen: Der extravagante Turm der Kartause von Valldemossa auf Mallorca.
Sogar der berühmte Komponist Frédéric Chopin hat hier mal gewohnt, im Winter 1838, zusammen mit seiner Geliebten George Sand. Aufgrund seiner fortschreitenden Tuberkulose musste Chopin Mallorca und Valldemossa aber schon wieder nach nur einem Winter verlassen. Die Kartause von Valldemossa bzw. spanisch Cartuja, und die gesamte Klosteranlage, in der Chopin gewohnt hat, sind sehr gepflegt und einen Besuch wert!
Sogar eine Straße ist nach dem berühmtesten Bewohner Valldemossas benannt.
Die schönen Gassen von Mallorca
Viele werden Valldemossa von Mallorca-Bildern kennen, ohne es zu wissen: Hier kann man nämlich wunderbar die kleinen malerischen Gassen fotografieren, die im Sommer oft auch auf Grund der vielen Festivitäten schön dekoriert sind.
Typisch für Valldemossa: Die groben Steinfassaden der Häuser sind mit vielen kleinen Blumentöpfen geschmückt.
Überall findet man die typisch mallorquinische Bauart mit schweren Steinen und rustikalen Holztüren. Die Fassaden der Häuser sind oft mit mediterranen Terracottatöpfen rund um die Türen behangen und toll bepflanzt.
Wunderbare Fotomotive und sehr instagrammable sind auch die vielen kleinen Künstlerateliers, die man überall verteilt im Dorf findet.
Viele Bewohner Valldemossas geben sich mit der Bepflanzung ihrer Häuser große Mühe.
Lokale Spezialität: Die besten Cocas de Patata auf Mallorca
Unbedingt in Valldemossa probieren sollte man eine der Cocas de Patata, ein süßes, fluffiges Hefebrötchen aus Kartoffelmehl, das nach dem Backen mit viel Puderzucker bestäubt wird. Mit Glück bekommt man in den Bäckereien noch leicht warme Cocas frisch aus dem Ofen, da in der Hauptsaison den ganzen Tag über Cocas über den Ladentisch gehen und daher immer wieder gebacken werden. Eine leckere Süßigkeit zum Kaffee, beliebt auf der ganzen Insel, aber das Original kommt einfach aus Valldemossa. Am leckersten schmeckt eine Coca zusammen mit einer kühlen Horchata, einer Art kaltem Mandelmilchsmoothie. Nicht verpassen!
Beste Adresse mit original mallorquinischem Flair, der Klassiker: Pasteleria Ca’n Molinas Bei gutem Wetter sitzt es sich unter den Zitronen- und Orangenbäumen im Innenhof am schönsten!
In Valldemossa isst man Cocas de Patata! Nirgendwo auf Mallorca schmecken sie besser als hier.
Neben den Bäckereien auf der Hauptstraße, die frische Cocas servieren, kann ich folgende Locations in Valldemossa empfehlen:
Cappuccino – der Klassiker auf Mallorca darf auch in Valldemossa nicht fehlen! Sehen und gesehen werden mit Blick auf die Kartause! Gelato Mossa – Eisdiele direkt neben der Kartause. Ja, das Eis ist hier teurer, aber gutes Eis kostet nun eben mal auf Mallorca und in Valldemossa erst recht. Kann ich trotzdem nur empfehlen! Aromas – etwas versteckter und abseits vom Trubel gelegen, aber gute Küche und atmosphärischer Innenhof!
Im Aromas in Valldemossa ist die Atmosphäre besonders gemütlich.
Tipps für einen Besuch in Valldemossa
Anreise mit dem Auto
Valldemossa lässt sich gut während eines Tagestrips mit einem Mietwagen entlang des Tramuntana-Gebirges besuchen. Achtung: Die Serpentinen auf Mallorca sind ganz schön kurvig, das ist nichts für ängstliche oder ungeduldige Autofahrer! Vor allem, wenn es im Sommer voller auf den Straßen wird und der ein oder andere gerne mal drängelt, übermütig wird oder vor lauter Schiss im Schneckentempo fährt. Dafür ist die Aussicht so wunderschön – ich kann mich nie daran satt sehen, auch wenn ich die Strecke schon so oft gefahren bin.
Anreise mit einer Tour
Wer sich nicht traut, mit dem Mietwagen dort lang zu cruisen, der kann sich auch einer geführten Tour anschließen. Nachteil: Man ist total unflexibel. Gerade in dieser Gegend Mallorcas gibt es so viel zu entdecken. Es ist deutlich praktischer, wenn man anhalten kann, wo man will und sich den Trip selbst gestalten kann.
Mit einer Tour allerdings ist man entspannt unterwegs, vor allem, wenn man nicht gerne in fremden Gegenden anspruchsvolle Strecken fährt.
Alternative sind auch die öffentlichen Verkehrsmittel: Die Buslinie 203 verbindet Palma mit Valldemossa und Port de Soller. Diese fährt aber nicht ganz so oft (meist nur alle 60-90 Minuten), so dass man schon sehr gut im Voraus planen sollte.
Einen Parkplatz in Valldemossa zu finden, ist vor allem im Sommer nicht einfach. Den Wagen lässt man am besten auf einem der öffentlichen Parkplätze entlang der Hauptstraße stehen. Zur Altstadt muss man dann nur die Straße überqueren. Im Hochsommer und an Wochenende kann es richtig voll werden, Nerven bewahren und am besten gleich die Hoffnung aufgeben, noch einen kostenlosen Parkplatz zu finden! Valldemossa ist sehr beliebt!
Saigon Street Food – das ist mittlerweile sogar zu Hause in Berlin ein Begriff. Da lag eine Street Food Tour in Saigon* bzw. Ho Chi Minh City ziemlich nah! Die vietnamesische Küche ist so vielfältig, so frisch, so voller neuer Aromen und innerhalb Südostasiens eine ganz eigene Geschmacksrichtung. Besonders in Saigon ist die Auswahl an Street-Food-Ständen, kleinen Imbiss-Restaurants und Garküchen am Straßenrand schier unendlich.
Vietnamesen sind gesellig und lieben Essen, andauernd wird irgendwo auf irgendetwas gekaut, wechseln mit Leckereien gefüllte (leider Einweg-)Schälchen die Besitzer und man fragt sich wirklich, wie der Großteil der Bevölkerung hier immer noch gertenschlank sein kann. Denn die vietnamesische Küche ist nicht immer leicht! Auch in Vietnam wird frittiert, was das Zeug hält, und Zucker wird ebenso exzessiv verbraucht.
Street Food in Vietnam – ein kulinarisches Abenteuer
Eins vorab: Vielleicht wirst Du viele Gerichte, die in den Straßen Saigons serviert werden, generell nicht probieren wollen. Es sei denn, Du bist wirklich sehr experimentierfreudig. Oft wird die vietnamesische Küche für ihre französischen Einflüsse und dadurch spannenden Kombinationen gelobt – und beim Vietnamesen zu Hause in Deutschland ist es ja auch immer lecker. Was aber oft unterschlagen wird: In Vietnam wird wirklich alles gegessen.
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Vietnamesen lieben Fleisch, und zwar so doll, dass es Vegetarier manchmal schwer haben, ein vegetarisches Gericht zu finden. Veganer erst recht. Und einerseits sehr löblich, aber für den europäischen (oder zumindest meinen) Gaumen recht ungewohnt, wird hier wirklich alles von Rind, Schwein, Huhn, Fisch, Meeresfrüchten, und sogar Frosch oder Schlange gegessen: Vom Filet bis zu den bizarrsten Innereien.
An den wirklich authentischen Ständen kommt man mit Englisch nicht weit, eine Karte gibt es auch auf Vietnamesisch nicht. Oft traut man sich nicht, etwas zu probieren – man weiß ja nie… Aus diesem Grund und weil ich trotzdem unbedingt mal etwas (aber eben doch nicht ganz so) exotisches Street Food in Saigon probieren wollte, habe ich eine Street Food Tour in Saigon* unternommen – und es war großartig! Sam, die mit mir unterwegs war, hat mir die abgefahrensten Ecken Saigons gezeigt und mich fantastisches Essen (ohne unliebsame Überraschungen) probieren lassen.
Was ist der Unterschied zwischen Sommerrollen und Frühlingsrollen?
Während hierzulande Frühlingsrollen frittierte Röllchen sind und die in weichem, hellen Reispapier gerollten Sommerrollen genannt werden, sind für Vietnamesen alles einfach Frühlingsrollen! Sommerrollen scheinen wohl eher eine Erfindung des Westens. Den Anfang machte also eine der frischesten Frühlingssommerrollen zum Selberrollen, die ich je gegessen habe. Frische Kräuter und Salat, dass es nur so knackte.
Bánh Tráng Nướng: Vietnamesische Pizza
Vietnamesen haben ihre ganz eigene Version von Pizza erfunden. Die hat zwar außer der Form eigentlich nichts mit einer italienischen Pizza zu tun, ist aber trotzdem ein beliebter Snack. Reispapier, eine Creme, die Käse darstellen soll, diverse Soßen und Mayonnaisen, in Scheiben geschnittene Würstchen – irgendwie kommt alles Mögliche auf die Bánh Tráng Nướng Pizza. Die erstaunlicherweise dann sogar schmeckt! Dazu gab’s dann Nem nướng, gegrillte Würstchen – garniert mit den obligatorischen frischen Kräutern, die nirgends fehlen dürfen.
Trứng Cút Nướng Phô Mai: Gegrillte Wachteleier mit Käse
Warum Wachteleier in Vietnam so beliebt sind, hat einen ganz einfachen Grund, verriet mir Sam. Ein ganzes Hühnerei wäre als Portion für ein kleines Küchlein wie in den Mini-Schälchen viel zu viel – und würde zu sehr sättigen. Langsam kam ich dann doch hinter das Ernährungsgeheimnis der Vietnamesen, die dauernd zu essen schienen: Immer kleine Portionen statt riesige Gerichte.
Im fahlen Schein von Straßenlaternen saßen wir nun irgendwo mitten in Saigon am Straßenrand auf unseren Kindergartenhockern, wie sie in Vietnam zuhauf an Streetfoodständen genutzt werden und aßen unsere Wachteleiermuffins namens Trứng Cút Nướng Phô Mai und Bánh Xèo, gefüllte Pfannkuchen. Und auch hier wieder jede Menge frische Kräuter, die Sam mir einzeln erklärte (und deren Namen ich auch sofort wieder vergaß, weil ich nur noch mit Staunen beschäftigt war).
Chè Bưởi: Dessert auf Vietnamesisch
Keine Ahnung, was Sam mir da in die Hand drückte – es nannte sich Chè Bưởi und sie übersetzte es mit „süße Grapefruitsuppe“. Irgendwie war es süß, cremig, fruchtig und frisch zugleich; genau das richtige bei nächtlichen 30 Grad Lufttemperatur.
Street Food Tour in Saigon buchen
Street Food Touren wie diese führen an ganz entlegene Winkel der Stadt, die ich ohne Sam wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen hätte. Meist werden sie beworben mit „Studenten zeigen dir Street Food in Saigon“ und tatsächlich war Sam Studentin, die sich hauptsächlich deswegen in Sachen Street Food gut auskennt, weil sie nur in einem kleinen Zimmer wohnt und eigentlich dauernd auswärts isst – wie eben viele Studenten in Ho Chi Minh City.
Die Spots sind über die ganzen Stadt verteilt und man fährt wird auf dem Roller von Spot zu Spot gefahren. Helme werden gestellt. Eine gute Gelegenheit, den verrückten Straßenverkehr in Ho Chi Minh City hautnah zu erleben! Außerdem sind die Touren dadurch sehr individuell und persönlich, da auf jeden Gast ein Guide bzw. Fahrer kommt.
Von Saigon ging es weiter Richtung Süden – und hatte mir Ho Chi Minh City schon gut gefallen – im Mekongdelta sollte es noch besser werden. Einen Abstecher in das Mekong Delta von Saigon aus kann ich nur empfehlen! Hier gibt es buntes Leben auf den schwimmenden Märkten auf dem Mekong und das echte, ursprüngliche Vietnam. Eine Mekong Delta Bootstour ist ein einmaliges Erlebnis. Wenn man es richtig anstellt, kann man tief in die lokale Kultur eintauchen und das Leben der Einheimischen kennenlernen. Wie das am besten klappt, verrate ich euch in diesem Artikel.
Homestays im Mekong Delta: Ab in die Natur
Oft entscheide ich spontan vor Ort, wohin ich weiterreisen will und nach dem geschäftigen und mitunter lauten Ho Chi Minh City, schien mir ein bisschen Natur eine gute Abwechslung. Im Mekong Delta findet man jede Menge Homestays. Dort übernachtet man bei Einheimischen auf deren Grundstück oder in deren Haus, mal mehr, mal weniger einfach.
Per Zufall bin ich auf ein Homestay mit vielen kleinen Bungalows gestossen: Kleine Bambushütten, mit Blick auf den Fluss, einem Seitenarm des Mekong, so wie es sie hier zu Hunderten gibt. Ganz einfach eingerichtet, ohne Klimaanlage und Schnickschnack, dafür mit echtem Tropenfeeling mitten imsüdvietnamesischen Dschungel. Zirpende Grillen, quakende Geckos und Frösche, krähende Hähne. Richtiges Landleben eben, fernab jeglicher Zivilisation, so fühlt es sich zumindest an. In Wirklichkeit ist die nächste Großstadt Can Tho nur wenige Kilometer entfernt – aber das scheint einfach unglaublich.
Mit dem Boot durch das weit verzweigte Mekong Delta
Individuell reisen ist oft anstrengend, alles planen, alles organisieren – nach Urlaub sieht das selten aus. Dafür wird man mit den beeindruckendsten Erlebnissen beschenkt. Mit einem kleinen Motorboot aus Holz, mehr Nussschale als Boot schipperten wir um halb sechs dem Sonnenaufgang entgegen, in unserem Minigrüppchen, durch die verzweigten, schmalen Seitenarme des Mekong hindurch.
Rechts und links dicht bewucherte Flussufer voller Palmen und tropischen Bäumen. Lucy, unser Tourguide, schneidet beherzt mit einem riesigen Messer ein Palmenblatt herunter und bastelt uns mit bewundernswerter Fingerfertigkeit Ringe und kleine Tiere aus den Blättern, um uns die Zeit zu vertreiben. Dabei ist das gar nicht nötig, die Fahrt über den fast noch schlafenden Fluss inmitten dieses Dschungelpanoramas ist schon Zeitvertreib genug.
Der schwimmende Markt von Cai Rang: Sonnenaufgang auf dem Mekong
Pünktlich zum Sonnenaufgang, die aufgehende Sonne im Rücken biegen wir mit unserer kleinen Bootstour auf den schwimmenden Markt von Cai Rang, der Cai Rang Floating Market. Richtig, ein schwimmender Markt: Wie so viele Märkte hier im Mekongdelta befindet sich der Markt von Cai Rang mitten auf dem Fluss.
Händler tauschen Waren direkt von Boot zu Boot, dazwischen alte Frauen in ihren Mini-Booten, auf denen sie kleine Garküchen installiert haben und damit die Arbeiter versorgen – und je nach Tageszeit auch das ein oder andere Touristen-Boot. Wir in unserer kleinen Nussschale waren früh dran, noch vor dem großen Touristenansturm. Den schwimmenden Markt von Cai Rang bei Sonnenaufgang zu erleben, wenn das Marktleben noch in vollem Gang ist, ist einmalig.
Marktleben auf den schwimmenden Mekong Märkten
Wir hüpften von Boot zu Boot, frühstückten bei Karaokemusik (Vietnamesen lieben Karaoke, ganz ungeachtet der eigenen Gesangskünste, was sowohl skurril als auch sympathisch ist), hangelten uns aus unserer Nussschale an steilen Bootswänden hoch, um dort frisch geschnitzte, pappsüße Ananas zu knabbern – und um uns herum das pure Marktleben. Knatternde Dieselmotoren, herumfliegende Gemüse- und Getreidesäcke, hart arbeitende Menschen. Irgendwie surreal, dass dies alles auf dem Wasser stattfindet – aber so ist Vietnam im Mekongdelta: Der Mekong ist die Lebensader, ohne die hier nichts funktionieren würde.
Rund um den schwimmenden Markt von Cai Rang gibt es außerdem zahlreiche Manufakturen. Wie diese hier zum Beispiel, die in mühevoller Kleinarbeit Reisnudeln herstellt. Erst wird aus dem Teig ein Fladen gebacken, der wird dann auf Bambusmatten getrocknet und gestapelt und schließlich durch eine Nudelpresse gedreht. Alles per Hand, ohne große Maschinen und fast unter freiem Himmel. Genauso wie die Kokosbonbons, die es überall zu kaufen gibt. Die sind zwar nichts für lockere Plomben oder dritte Zähne, aber schmecken dafür sehr lecker und kokosnussig!
Bootstour ins Mekong-Delta ab Saigon bzw. Ho Chi Minh City
Ab Saigon gibt es zahlreiche Anbieter, die Tagestouren in das Mekongdelta zu den schwimmenden Märkten anbieten. Gerne werden von den Anbietern die Märkte von Cai Rang und Cai Be angesteuert, meist auch mit einem kleinen Rahmenprogramm. Wenn man nur wenig Zeit hat, und ab Saigon nicht mehr Richtung Kambodscha oder Phu Quoc weiterreist, sondern lieber Richtung Norden will, ist eine solche Tagestour eine gute Möglichkeit, wenigstens etwas vom Mekongdelta zu sehen.
Nachteil: Zum Markt geht es zum Großteil per Bus. Die Fahrt dauert ca. 3 Stunden, man verbringt also viel Zeit mit An- und Abreise. Die meisten Touren sind zwar sehr günstig, dafür halten die meisten auch an Einkaufsmöglichkeiten mit Kaffeefahrtcharakter. Außerdem sind die Gruppen meist recht groß und man kommt relativ spät auf den Märkten an – dann ist der Großteil des Markttreibens schon verschwunden. (Ich habe dir oben eine etwas teurere Tour verlinkt, dafür ist die Gruppe kleiner, und das Programm klingt netter. In den Reisebüros in Saigon werden häufig Touren für einen Bruchteil des Preises angeboten, alle Reisenden, die ich gesprochen habe, waren ausnahmslos enttäuscht von diesen Touren!)
Ich würde daher eine mehrtägige Tour ins Mekongdelta wählen, wenn es denn schon eine organisierte Tour sein soll.
Mekong Delta Tour selbst organisieren: Unterkünfte & hilfreiche Tipps
Man kann aber auch seine Mekong Delta Tour selbst organisieren! Das ist aufwendiger, aber durchaus lohnenswert! Hier ein paar Tipps:
Mit dem Open Bus von Saigon nach Can Tho -> am besten mit den orangefarbenen Bussen von Futa Travel und von dort aus mit dem Taxi weiter
Homestay in Can Tho, mitten im Dschungel Homestay Mekong Can Tho* (von dort aus kannst du für 15$ die Bootsfahrt zum Sonnenaufgang auf dem schwimmende Markt von Cai Rang buchen, sowie einen Bootsausflug zum Sonnenuntergang für 8$ mit einem Besuch bei privaten Obstgärten) Achtung: durch die Lage gibt es viele Mücken, es lohnt sich, vorher aus Saigon ein Mückenschutzmittel mit DEET mitzubringen! ➜ Hier kannst Du Deinen Aufenthalt im Homestay Mekong Can Tho buchen
Wer es städtischer mag: Supernettes und komfortables Homestay eines australisch-vietnamesischen Schwesternpaares – Hier wäre ich gerne noch länger geblieben, die beiden sind wirklich sehr herzlich und so hilfsbereit! Ein absoluter Tipp von Herzen! ➜ Hier kannst Du Deinen Aufenthalt im The Mag buchen*
Tipp: Von Can Tho aus kannst Du ebenfalls selbst Bootsausflüge zu den schwimmenden Märkten organisieren! Laufe einfach am Pier entlang und Du wirst innerhalb weniger Minuten von diversen Damen angesprochen. Für eine Mekong Tour Boote mieten geht den ganzen Tag über, morgens früh vor Sonnenaufgang hin lohnt sich aber trotzdem, um das richtige Marktleben mitzubekommen!
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