Kategorie: Israel

Unterschiedlicher können zwei Städte nicht sein: Während in Jerusalem die Weltreligionen über ihr Erbe wachen, werden in Tel Aviv das Leben und die Liebe hart gefeiert. Israel ist ein Land voller Widersprüche, oft schwierig und intensiv. Eine Reise nach Israel will gut vorbereitet sein! Dazu findet ihr hier jede Menge Infos und Erfahrungen aus erster Hand.

Tel Aviv  |  Jerusalem

  • Ein Bokek: Am Toten Meer in Israel

    Ein Bokek: Am Toten Meer in Israel

    Einmal in Israel, wollte ich ans Tote Meer. Nach Jerusalem, Tel Aviv und Masada war Ein Bokek mein letzter Stopp der Israel Reise. Hier findest du meine Tipps für einen Besuch am Toten Meer in Israel!

    Schon die Anreise war besonders. Das Tote Meer ist der tiefste Punkt der Erde, dazu noch mitten in einer Wüstenlandschaft gelangen. Flirrende Luft über dem Asphalt kündigte an, dass es außerhalb meines klimatisierten Mietwagen nicht mehr ganz so kühl sein würde. Wie in einem langgezogenen Kessel nähert man sich langsam dem Toten Meer, immer weiter abwärts. Die karge Landschaft und die großen Hitze lässt ahnen, warum das Tote Meer eben Totes Meer heißt.

    Der Ort Ein Bokek

    Es ist heiß, auf der Straße kein Mensch, und obwohl Ein Bokek wie ein Ort scheint, der ausschließlich für Touristen gebaut wurde, hält sich das Stadtleben in Grenzen. Der Ortskern besteht zum Großteil aus Bettenburgen wie aus dem Neckermann-Katalog, mal mehr, mal weniger schick. Meine Unterkunft liegt genau am Strand, mit eigenem Zugang, aber eigentlich ist das auch egal, denn alle Strände sind öffentlich zugänglich. Zwei Tage will ich mir hier gönnen, Entspannung, Herumliegen am Strand und natürlich Baden im Toten Meer. Wobei Floaten im Toten Meer es eher trifft.

    Hotel Empfehlung für Ein Bokek | Günstige Mietwagen in Israel buchen*

    Kann man im Toten Meer schwimmen? Ein Test in Ein Bokek.

    Baden im Toten Meer will gelernt sein. Nicht ohne Grund treibt man immer oben auf der Wasseroberfläche: Wer kennt sie nicht, die neckischen Urlaubsbilder auf denen Badende im türkisfarbenen Toten Meer Zeitung lesend im Wasser treiben. Das Tote Meer ist eigentlich ein Salzsee und extrem salzhaltig, auf zwei Teile Wasser kommt ein Teil Salz.

    Das macht Schwimmen im Toten Meer fast unmöglich, weil auch nur ein klitzekleiner Hauch eines Spritzers ins Auge böse Folgen haben kann. Kein Vergleich zu herkömmlichen Meerwasser. Neugierig, wie ich bin, und aller Warnungen zum Trotz berührte ich minimal mit der Zungenspitze meine Haut, und der ätzende, giftige Geschmack verlor sich nur schwer. Nachahmen kann ich nicht empfehlen! Überhaupt verunfallen im Toten Meer mehr Menschen als man denkt: Verschlucktes Wasser kann sogar zu Verätzungen führen.

    Totes Meer Schlamm, Totes Meer Badesalz, Totes Meer Maske: Der Beauty-Hype

    Mir war mulmig: Das soll gesund sein? Viele Touristen reisen genau wegen der gesundheitlichen Aspekte ans Tote Meer: Für Hautkrankheiten wie z.B. Neurodermitis ist das Wasser des Toten Meeres mit seinen vielen Mineralien ein wahrer Segen. Das Tote Meer selbst ist durch den Salzgehalt so unwirtlich, dass nur die wenigsten Organismen darin überleben, Pflanzen und Tiere sucht man vergeblich.

    Bis eben auf störrische, kleine Miniatur-Fliegen, die den ganzen Badespaß zunichte machen können, weil sie am liebsten an menschlicher Haut herumpicken. Sie hinterlassen zwar keine Stiche, unangenehm ist ein Aufenthalt am Wasser trotzdem. Auch die scharfkantigen Salzkrusten sind barfuß nicht immer angenehmen. An Badestellen außerhalb von Hotelumgebungen wie Ein Bokek muss man daher sehr vorsichtig sein. Entspannung finden die meisten dann eher an den Hotel-Pools, die mit herkömmlichem Chlorwasser gefüllt sind.

    Für das obligatorische Beauty-Programm muss man dann aber wieder an den Strand: An jeder Ecke werden Packung mit echtem Toten-Meer-Schlamm angeboten, der irgendwo in den Weiten des Sees vom Boden gekratzt wurde. Mit der Schlamm-Maske reibt man sich von Kopf bis Fuss ein, wartet, bis alles trocknet und wäscht es im See wieder hinunter. Und siehe da: Haut wie ein Baby!

    Hier findest du alle Reiseberichte aus Israel

    Unterkunft in Ein Bokek

    Unter den vielen Bettenburgen macht es fast keinen Unterschied: Ein bisschen hässlich sind sie alle. Ich habe mich für das Hod Hamidbar Hotel* entschieden, mit Pool und eigenem Spa. Besser man entscheidet sich auf Grund des mangelnden Entertainmentfaktors im Ort selbst für ein Hotel mit ein paar Annehmlichkeiten, dachte ich. Wobei das auch eher ein Trugschluss war: Der Pool ist klein, alles ist auf Grund der Masse an Menschen irgendwie schmuddelig und der Service gewohnt israelisch nicht vorhanden. Neben der herkömmlichen Wüste umgibt auch eine Servicewüste das Tote Meer. Andere Hotels mögen vielleicht ein besseres Angebot haben, sind aber dafür astromisch teuer.

    Praktische Tipps für das Tote Meer

    Von vielen Reisenden und Israelis habe ich gehört, dass das Preis-Leistungsverhältnis auf der jordanischen Seite viel besser sein soll. Falls du also auch einen Trip nach Jordanien planst, kannst du dort günstiger im Toten Meer baden. Beliebte Mitbringsel sind übrigens der Schlamm aus dem Toten Meer und Totes Meer Badesalz. In den beiden Mini-Einkaufszentren des Ortes kann man alle möglichen Beauty-Produkte mit Mineralien aus dem Toten Meer kaufen.

    Anreise nach Ein Bokek

    Ein Bokek ist von Tel Aviv gut zwei Autostunden entfernt. Günstige Mietwagen findest du hier. Grundsätzlich sind ein paar Tage am Toten Meer mehr als genug. Es gibt allerdings auch viele Touranbieter, die Tagestouren von Tel Aviv oder Jerusalem zum Toten Meer anbieten, das ist auch eine gute Alternative.

    Oft werden Touren im Zusammenhang mit der Festung Masada angeboten. Lese dazu auch meinen Artikel Warum du unbedingt den Sonnenaufgang in Masada erleben solltest

    Mehr zu Tel Aviv und Jerusalem findest du in folgenden Beiträgen:

    Jerusalem: Der große Travel Guide mit den allerwichtigsten Sehenswürdigkeiten
    Gedanken zu Jerusalem: Eine schwierige Stadt
    Die City of David und die vielen Schichten Jerusalems
    Tel Aviv: Die 10 coolsten Sehenswürdigkeiten

  • Tel Aviv: Top 10 Sehenswürdigkeiten & Tipps

    Tel Aviv: Top 10 Sehenswürdigkeiten & Tipps

    In diesem ultimativen Artikel verrate ich dir meine Highlights in Tel Aviv: Die besten Locations, Tipps und Sehenswürdigkeiten in Tel Aviv! Und was Du in der Party-Hauptstadt Israels gesehen haben musst. Dazu praktische Tipps, die wirst du nämlich brauchen: Tel Aviv ist nämlich ein teures Pflaster! Da ist jeder Budget-Tipp Gold wert!

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    Ob ich die richtigen Worte finde, um die Energie Tel Avivs zu beschreiben? Tel Aviv sprüht nur so vor Leben. Kein Wunder, dass Israels Partyhochburg ein beliebtes Reiseziel ist. Neben Sehenswürdigkeiten, gutem Essen und einer rauschenden Clubszene kann man es sich hier an langen Stränden gemütlich machen, schönster Sonnenschein inklusive.

    1. Die Strände von Tel Aviv: Alma Beach bis Gordon Beach

    Die Strände in Tel Aviv haben mich umgehauen: Mit solch feinen Sandstränden habe ich nicht gerechnet! Selbst im Frühjahr waren die Temperaturen perfekt zum Baden oder zumindest zum Sonnen. Und das Strandleben ist in Tel Aviv einmalig. Als ob sich das ganze Leben der Tel Avivis an den Stränden der Stadt abspielt. Überall schöne Menschen, aktiv, sportlich, fröhlich – man glaubt, man wäre in Miami Beach. Jeder einzelne Strand zieht sein eigenes Publikum an, von Familien über LGBT bis Wassersportbegeisterte.

    Gordon Beach

    Am Gordon Beach gibt es sogar neben dem Strand einen 50m-Salzwasser-Pool, in dem man gegen Eintritt seine Bahnen ziehen kann, falls einem das Meer zu wild ist.

    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Gordon Beach Strand Promenade
    Ab dem Gordon Beach Richtung Süden: Strand ohne Ende.

    Frishman Beach & Bograshov Beach

    Die zentralen Strände sind Frishman Beach (der mit dem bunt angemalten Bademeister-Bungalow) und Bograshov Beach: Hier ist von morgens bis spätabends Betrieb.

    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Frishman Beach Strand Promenade
    Schöne Menschen, viel Sonne: Der Frishman Beach im Zentrum von Tel Aviv.
    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Strand Frishman Beach Rettungschwimmer Bademeister
    Markant: Das bunt bemalte Rettungsschwimmer-Häuschen ist das Wahrzeichen des Frishman Beach.
    Tel Aviv Strand Frishman Beach Volleyball bei Sonnenuntergang
    Beach-Volleyball bei Sonnenuntergang: Ende eines Strand-Tages in Tel Aviv.

    An jedem Strand finden sich immer wieder tolle Strandbars, in denen man Stunden einfach nur bei einem Cocktail das Strandleben genießen kann. Oder man kommt gegen Abend und beobachtet die Sonne, wie sie langsam im Meer untergeht.

    Meine Tipps für die beste Strandbar in Tel Aviv

    Gazoz Einmal in den Fast-schon-Liegestühlen im Sand gesessen und den ersten Drink in der Hand, kommt man hier so schnell nicht wieder weg: Besser gegen Ende des Tages hier einkehren!

    Tel Aviv Cocktail Bar am Strand Alma Beach

    2. Jaffa: Romantische Gassen und Meeresluft

    Südlich von Tel Aviv befindet sich Jaffa (hebräisch Yafo), ein über 4000 Jahre alter Küstenort. Für Jaffa sollte man sich mindestens einen halben Tag Zeit nehmen! Hier findet man die kleinen steinernen Gassen und nicht zu vergessen, den bekannten Flohmarkt. In den kleinen Boutiquen von Jaffa lässt sich wunderbar stöbern, laue Meeresluft weht durch die Straßen und im allgemeinen empfand ich die Stimmung hier viel relaxter als im geschäftigen Tel Aviv. Während Tel Aviv ein bisschen Miami ist, ist Jaffa Ibiza im Hippie-Style: Hier scheinen die Uhren langsamer zu ticken – und für mich gehören die romantische Gassen in der Altstadt zu den absoluten Must-See Sehenswürdigkeiten in Tel Aviv!

    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Jaffa Altstadt Gasse
    Gasse in der Altstadt von Jaffa.
    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Ausblick Panorama Jaffa
    Von Jaffa aus hat man eine fantastischen Blick auf die Strände Tel Aviv.
    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Jaffa Flohmarkt Stand mit Antiquitäten
    Auf dem berühmten Flohmarkt von Jaffa findet man allerlei Schätze.
    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Jaffa Graffitti Street Art Mural
    Alternativ: In den Straßen von Jaffa findet man viele Graffitis.
    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Ausblick von Jaffa
    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Food Guide Abouelafia Salate
    Beliebt in Israel: Kleine Tellerchen mit Salaten und Soßen, die zu jedem Gericht gereicht werden.

    Rundgang durch Old Jaffa

    Am besten du startest deinen Rundgang am Flohmarkt von Jaffa und gehst dann Richtung St.Peter-Kirche. Unterwegs hast du von der Anhöhe den besten Blick auf Tel Aviv und seine Endlosstrände! Nicht verpassen!

    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Old Jaffa St Peter Kirche Uhrturm
    Der Uhrturm der St.Peter-Kirche in Jaffa ist von weitem zu sehen.

    Lass dich dann vom Kikar Kedumin Platz durch die engen Gassen der Altstadt treiben, bis hinunter zum Jaffa Port, Jaffas altem Hafen. An der Promenade gibt es viele Restaurants und Cafés, perfekt für einen kleinen Zwischenstopp.

    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Schiffe Papierboote Kunst Installation Skulptur Jaffa Hafen
    Zwischen alten Hafengebäuden in Jaffa hängt diese Installation mit Papierbooten. Hübsch, oder?

    Tipp: Die archäologische Ausgrabung mitten in einem Ladengeschäft in der Altstadt von Jaffa bei Adina Plastelina, Mittagessen bei Abouelafia (Grillrestaurant, aber auch Bäckerei) oder dem gehypten Dr. Shakshuka.

    3. Carmel Markt

    Märkte sind ja immer ein guter Tipp in fremden Städten, vor allem auch, um Kulinarisches auszuprobieren. Erst recht in Tel Aviv, wo es essentechnisch durch die verschiedenen kulturellen Einflüsse viel zu entdecken gibt!

    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Carmel Markt Street Food
    Tipp für Budgetreisende: Auf dem Carmel Markt gibt es viele Stände mit günstigem und leckerem Street Food!

    Auf dem Carmel Markt findest du von Unterhosen über Obst und den hipsten Kaffeebuden alles, was das Herz begehrt. Und das Treiben ist wie in Israel gewohnt geschäftig und temperamentvoll! Hier kannst Du günstig(er) an einer der vielen Streetfood-Stränden Gerichte aus aller Herren Länder probieren – oder einfach nur ein paar Falafel und Hummus essen.

    Insta-Tipp: Am Eingang des Carmel Markts am Magen David Square sind bunte Schirme aufgespannt – schöne Fotolocation!

    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Carmel Markt Eingang mit bunten Schirmen
    Instagrammable: Der Eingang zum Carmel Markt in Tel Aviv.

    Noch mehr Tipps für Israel findest du hier

    4. Rothschild Boulevard

    Sehen und gesehen werden könnte es auf dem Rothschild Boulevard mitten im Zentrum heißen. Ein großer Prachtboulevard mit Platz für Fußgänger, Rad- und Rollerfahrer. Hier stehen immer wieder kleine Buden, die einst Gazoz (Sodawasser mit Geschmack) verkauften und jetzt zum Großteil hippe kleine Cafés beherbergen. Leider nagt an den Gebäuden entlang des Boulevards wie auch sonst oft im Zentrum Tel Aviv der Zahn der Zeit: Ich war überrascht, wie vernächlässigt viele Viertel wirken.

    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Gazoz Buden Kiosk Cafés Rothschild Boulevard
    Erfrischung an heißen Tagen: Die Kioske auf dem Rothschild Boulevard in Tel Aviv.
    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Rothschild Boulevard
    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Rothschild Boulevard

    5. Dizengoff Square

    Einer der besten Locations, um die Bauhaus-Architektur in Tel Aviv zu erleben, ist der Dizengoff Square. Wenn das für Tel Aviv typische gleißende Sonnenlicht auf die schneeweißen Fassaden fällt, ist das schon beeindruckend.

    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Dizengoff Square Bauhaus
    Schneeweiß: Die Gebäude im Bauhausstil rund um den Dizengoff Square.

    Der Dizengoff Square mit seinem Kreisverkehr ist einer der zentralen Punkte der Stadt. Entlang der Dizengoff Street befindet sich das erste Einkaufszentrum Tel Avivs – das kann man sich schenken, ist genauso wie überall auch. Dafür findet man auf dem Rest der Straße kleine Boutiquen und einladende Cafés.

    Tipps rund um den Dizengoff Square: Yashka (stylische Imbissbude, in das Shawarma hätte ich mich hineinlegen können! Achtung: Riesige Portionen!), Bauhaus Center Tel Aviv, Ben Gurion Haus

    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Dizengoff Square Brunnen
    Tel Aviv Dizengoff Square Falafel bei Yashka
    Bei Yashka gibt es Falafel und Shawarma satt: Leckeres israelisches Street Food.
    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Gay Pride
    Auch die Hunde tragen Regenbogen zur Gay Pride: Tel Aviv ist eine der beliebsten Metropolen der LGBT-Community.
    Tel Aviv Shopping Dizengoff Street

    6. Ben Gurion Haus

    Nicht weit entfernt ist auch das Haus des ersten Ministerpräsidenten Israels David Ben-Gurion, das Ben-Gurion-Haus. Er rief 1948 die Unabhängigkeit Israels aus und wird bis heute im Land verehrt. Sein Wohnhaus in der Nähe der Dizengoff Street kann besichtigt werden und gehört zu den etwas weniger bekannten Sehenswürdigkeiten in Tel Aviv. Ich fand’s dennoch sehr interessant, auch um etwas über die Geschichte Israels zu erfahren. Die auffallend bescheidene Einrichtung ist noch im Originalzustand. Sehr informativ. Und: Der Eintritt ist frei!

    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Ben Gurion Haus
    Bescheidene Verhältnisse: Die Küche im Haus des ersten Ministerpräsidenten Israels, Ben Gurion.

    7. Tel Aviv, Bauhaus und die Weiße Stadt

    Tel Aviv hat die höchste Dichte von Bauhaus-Gebäuden in der ganzen Welt. Da viele dieser Gebäude weiß sind, nennt man diese Gruppe von Gebäuden auch die Weiße Stadt. Einen Überblick über Bauhaus in Tel Aviv kann man sich im Bauhaus Center Tel Aviv verschaffen.

    Wo findet man Bauhaus in Tel Aviv?

    Leider sind viele Gebäude nicht mehr ganz so gut erhalten, aber an bestimmten Ecken wie zum Beispiel den beeindruckenden Dizengoff Square im Zentrum Tel Aviv sind die Bauhaus-Einflüsse recht deutlich zu sehen.

    ➜ Architektur-Rundgang durch Tel Aviv mit vielen Bauhaus-Gebäuden*

    Warum gibt es so viel Bauhaus in Tel Aviv?

    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Dizengoff Square

    Tel Aviv ist eigentlich eine sehr junge Stadt. Anfang des 20. Jahrhunderts war Tel Aviv nur eine klitzekleiner Vorort vom geschichtsträchtigen Jaffa. Kurios: Heute wirkt es genau andersherum! Nach der Verfolgung durch die Nationalsozialisten kamen in den dreißiger Jahren und vierziger Jahren viele deutschstämmige Juden nach Tel Aviv und brachten die damals moderne Architekturströmung mit.

    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Bauhaus Center Tel Aviv Weiße Stadt
    Im Bauhaus Center erfährt man alles über Bauhaus und die Weiße Stadt in Tel Aviv.

    8. Sarona Market: Das Highlight für Foodies

    Ganz anders, aber dennoch sehenswert ist der Sarona Market. Etwas abseits gelegen, ist der Sarona Markt das feinere Gegenprogram zum Carmel Markt. Als neu eröffneter Indoor-Markt fehlt hier ein bisschen die Patina und das wuselige Marktleben, aber dafür findet man allerlei kulinarische Köstlichkeiten! Auch vor experimentellen Angeboten wird nicht zurückgeschreckt: Es gibt sogar einen Stand mit bayerischem Streetfood. Allerdings frei interpretiert, denn bayrische Hotdogs? Egal, irgendwie ist genau das auch typisch Tel Aviv: Die Tel Avivis scheinen wenig Angst zu haben, Neues auszuprobieren!

    Tipp: Shakshuka bei Benedict! (Benedict ist eine kleine Kette von Frühstückslokalen, zum Teil rund um die Uhr geöffnet und serviert durchgängig Frühstück.)

    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Sarona Markt
    Der Sarona Markt befindet sich mitten in einem Hochhausviertel in Tel Aviv.
    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Sarona Markt
    Der Sarona Markt ist einem echten Markt nachempfunden: Viele kleine Stände mit Delikatessen aus aller Markt.
    Tel Aviv Sehenswürdigkeiten Sarona Markt Bayerische Küche
    Auch bayrische Spezialitäten sind im Sarona Markt vertreten. Die Gerichte selbst sind allerdings sehr kreativ interpretiert.
    Tel Aviv Essen Shakshuka bei Benedict
    Unbedingt probieren: Shakshuka ist ein Ofengericht aus pochierten Eiern in einer pikanten Tomaten-Paprika-Soße. Typisch israelisch und ein absolutes Geschmackerlebnis!

    9. Florentin: Die alternative Szene von Tel Aviv

    Sind viele Teile Tel Avivs schon modern und hip, toppt Florentin alle. Dieser Stadtteil ist der wohl alternativste in Tel Aviv. Bunte Street-Art ziert die Wände, die Cafés sind voll mit hinter ihren Laptops sitzenden digitalen Nomaden. Florentin scheint wie eine freie Insel im eh schon losgelösten Tel Aviv.

    Tipp: Levinsky Gewürzmarkt (Kiezmarkt mit vielen kleinen Ständen)

    Übrigens: Florentin ist auch ein schöner Stadtteil zum Übernachten! Die Stimmung ist entspannt und hier finden sich auch immer einige nette Unterkünfte!

    ➜ Finde hier eine Unterkunft in Florentin*

    10. Leben in Tel Aviv: Essen, Trinken, Feiern

    Der Dynamik von Tel Aviv kann man sich kaum entziehen. Zuweilen kommt es einem so vor, als wären alle außer Rand und Band. Fest entschlossen, das Leben mit allen Höhen und Tiefen so intensiv wie möglich zu genießen. Durch das milde Klima spielt sich viel draußen ab – und gesellig sind Israelis sowieso. Ganz selbstverständlich wurde ich zum privaten Shabbat-Essen eingeladen, zu Jacht-Partys oder sonstigen Events – ohne großes Tamtam. Israelis schätzen die Gemeinschaft, und Anschluss findet man ganz leicht. Hat man andernorts in Israel keine Bedenken, hohe Mauern und tiefe Gräber zu ziehen, ist man als Besucher jedoch in Israel immer willkommen. (Vorausgesetzt man kommt unbeschadet durch das Einreiseprozedere; mich hat es bei beiden Israel-Reisen so übel getroffen, dass Israel mich wohl nicht so schnell wiedersehen wird.)

    Viele Israelis stammen ursprünglich aus anderen Ländern. Tel Aviv zieht junge Menschen aus aller Welt an, und kann man seinen jüdischen Glauben nachweisen, ist der Weg bis zur israelischen Staatsbürgerschaft kurz. Ich wurde überall herzlich empfangen, ein Umstand, der die an vielen Stellen nicht vorhandene Servicekultur wieder wett machte, und mich mehr als nur einmal sehr berührte.

    Genuss wird groß geschrieben, und so wundert es nicht, dass es in Tel Aviv ein schier unendliches gastronomisches Angebot gibt. Auch vor alternativen Konzepten hat man keine Berührungsängste: Bicicletta zum Beispiel ist ein Club/Café/Restaurant/Pflanzenladen im Stadtteil Nachalat Benjamin.

    Tipp: Abends gut essen gehen, im Kuli Alma, einem alternativen Club, die Nacht zum Tag machen, und am nächsten Tag am Strand abhängen: Das Leben in Tel Aviv in vollen Zügen genießen!

    Praktische Tipps für Tel Aviv

    Geld & Währung

    In Israel zahlt man in israelischen Schekeln. Du kannst aber auch an vielen Orten mit Kreditkarte bezahlen, das ist im technologisch fortschrittlichen Israel selten ein Problem.

    Auf Reisen nutze ich immer meine Kreditkarte der DKB:

    ➜ DKB-Kreditkarte hier beantragen*

    Aber: Tel Aviv ist wie ganz Israel sehr, sehr teuer! Die Lebenshaltungskosten sind auch für Israelis sehr hoch, bei niedrigen Löhnen. Wie die größtenteils junge Bevölkerung damit klar kommt – keine Ahnung. Als Besucher muss man einfach durch. Vor allem bei Lebensmitteln kann man sehr viel Geld ausgeben, da viele Waren importiert werden. Was sehr schade ist, denn gerade kulinarisch gibt es in Tel Aviv viel zu entdecken!

    Anreise & Visum

    Mit einem deutschen Pass brauchst du für Israel kein Visum. Von vielen deutschen Flughäfen gibt es Direktflüge nach Tel Aviv, z.B. fliegen Easyjet und El Al direkt von Berlin-Schönefeld. Allerdings kann schon die Anreise abenteuerlich werden, je nachdem, welche Airline du wählst. El Al z.B. hat sehr strenge Sicherheitsvorschriften. Ich habe leider nicht so gute Erfahrungen gemacht und könnte über meine An- und Einreise einen halben Roman verfassen. Da Komplikationen bei der An-/Einreise aber auch stark von individuellen Faktoren abhängen, werde ich das Thema vielleicht lieber einmal in einem anderen Blogbeitrag vertiefen.

    Ich hatte allerdings auf meinen beiden Reisen nach Israel stark das Gefühl, dass man mit südeuropäischem/leicht arabischen Äußeren und deutschem Pass leichter in eine Personengruppe fällt, die intensiver kontrolliert wird. Die Sicherheitskontrollen fand ich persönlich sehr anstregend und entwürdigend. Das hält mich derzeit von einer erneuten Reise nach Israel ab. Andere Reisende aus Deutschland hatten allerdings wenige bis gar keine Probleme beim Sicherheitscheck.

    Unterkunft in Tel Aviv

    Budgethotels und Hostels in Tel Aviv

    Beliebt bei Budgetreisenden sind Hostels wie das Abraham Hostel* oder das The Spot Hostel*. Das Abraham Hostel verfügt überdies noch über eine nicht nur bei Gästen beliebte Rooftopbar und bietet auch viele Touren durch Tel Aviv und ganz Israel an. Allerdings fand ich die Lage nicht besonders ansprechend.

    ➜ Alle Hostels in Tel Aviv*

    Design- und Boutiquehotels in Tel Aviv

    Wer über ein höheres Budget verfügt, kann sich vor Design-Unterkünften in Tel Aviv kaum retten. Besonders individuell eingerichtet sind die Häuser der Brown Hotels, von denen insgesamt neun über die Stadt verteilt sind: Brown TLV, Brown Beach House, Dave Gordon, Dave Levinsky, Poli House, Lighthouse, Theodor, Town House und Hôtel Bobo.

    ➜ Design-Hotels in Tel Aviv*

    Mein persönlicher Hoteltipp für Tel Aviv

    Ich bin letztendlich im Jojo TLV* gelandet, einer kleinen Boutique-Unterkunft, die sich in einer alten Fabriketage befindet. Von außen absolut unscheinbar, haben die Betreiber in Eigenarbeit hier einen inspirierenden Ort geschaffen. Das Jojo TLV ist durch die kleine Größe (es gibt nur wenige Zimmer) auch mehr stylische WG als Hotel. In der gemeinsamen Lounge/Küche gibt es besten Kaffee und nette Gespräche gratis. Sehr kommunikativ – und die nahe Lage zu Jaffa und Strand fand ich perfekt. Preis-Leistungsverhältnis absolut stimmig.

    ➜ Preise und Verfügbarkeit im Jojo TLV*

    Sicherheit in Tel Aviv

    Die Militär-/Polizeipräsenz in Tel Aviv ist recht hoch, allerdings nicht so massiv wie in Jerusalem, wo ich vorher war. Wehrdienstleistende in voller Montur mit Maschinengewehr gehören dennoch zum alltäglichen Bild. Irritierend, aber insgesamt fand ich die Stimmung in Tel Aviv entspannter als in Jerusalem. Unsicher habe ich mich nie gefühlt, und das auch, wenn ich alleine abends unterwegs war. Aufgrund der sich ständig wechselnden politischen Lage empfehle ich dir, vor Abreise aber noch einmal einen Blick auf die Informationsseite des Auswärtigen Amtes zu Israel zu werfen, die laufend aktualisiert wird.

    Transport & öffentliche Verkehrsmittel

    Zu Fuss in Tel Aviv unterwegs

    Der eigentliche Kern von Tel Aviv ist nicht so groß, wie man meinen könnte: Du kommst zu Fuss an viele Orte. Ich habe selbst den Großteil von Tel Aviv zu Fuss erkundet.

    Fahrräder & E-Scooter in Tel Aviv leihen

    Ich wollte mir z.B. immer eines der vielen Leihräder (es gibt in Tel Aviv mehrere Anbieter) ausleihen, aber letztendlich bin ich dann doch hauptsächlich zu Fuss unterwegs gewesen. Auch Roller sind in Tel Aviv superbeliebt (und rasend schnell – Achtung!).

    Öffentliche Verkehrsmittel: Bus & Bahn

    Ansonsten gibt es ein gutes ausgebautes Busnetz und neuerdings eine Straßenbahnlinie. Habe ich jedoch alles nicht ausprobiert, da ich an einem der höchsten jüdischen Feiertage (Schawuot) in Tel Aviv war, und da fährt kein einziges öffentliches Verkehrsmittel! Das gilt übrigens auch für jeden Shabbat/Samstag! Taxis fahren an diesen Tagen auch weniger.

    Taxi & Uber

    Statt Uber wird in Tel Aviv Gett benutzt, leider ist die App größtensteils auf Hebräisch und nicht immer kann per App gezahlt werden. Ich musste bei einer Fahrt den Fahrer am Ende bezahlen, der dann prompt lautstark das Doppelte verlangte. Nur durch meine temperamentvolle israelische Begleitung, die dem Fahrer ebenso lautstark zeigte, wo der Frosch die Locken hat, kamen wir nochmal davon: Im Straßenverkehr wird gerne lauthals und aggressiv diskutiert, und eine Servicewüste ist Israel in meinen Augen sowieso. Also Augen auf bei Fahrten mit Gett.

    Ausflüge & Weiterreise ab Tel Aviv

    Israel ist ein kleines Land, und Tel Aviv liegt genau in der Mitte. Von Tel Aviv kannst du Tagesausflüge oder mehrtägige Touren buchen, oder auf eigene Faust weiterreisen. Es lohnt sich also, etwas mehr Zeit mitzubringen und mehr von Israel zu entdecken!

    Mit Fernbussen durch Israel

    Das staatliche Busunternehmen Egged bringt dich für kleines Geld mit seinen Fernbussen in jede Ecke des Landes, auch z.B. nach Jerusalem.

    Mietwagen in Israel

    Ich war in Israel zum Großteil mit dem Mietwagen unterwegs. Besonders für die Strecke nach Masada und zum Toten Meer war ich so flexibler und konnte den Mietwagen auch direkt zum Rückflug am Flughafen abgeben. Fahren in Israel ist trotz der waghalsigen Fahrkünsten mancher Israelis außerhalb Tel Avivs relativ entspannt und die Straßen sind gut ausgebaut. Wie alles andere auch, sind Mietwagen in Israel aber recht teuer, daher lohnt es sich, schon frühzeitig Preise zu vergleichen!

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    Von Tel Aviv nach Jerusalem

    Ich empfehle dir wirklich einen Abstecher nach Jerusalem! Es ist zwar eine komplett andere Welt als Tel Aviv und schwer verdaulich, aber wenn du schon einmal in Israel bist, solltest du dir diesen Ort nicht entgehen lassen. Von Tel Aviv aus kannst du gut auf eigene Faust nach Jerusalem fahren, es gibt gute Zug- und Busverbindungen. Oder du schliesst dich einer geführten Tour an, die morgens nach Jerusalem und nachmittags wieder zurückfahren.

    ➜ Hier kannst Du eine Tagestour von Tel Aviv nach Jerusalem buchen*

    Mehr über Jerusalem erfährst du auch in meinen Blogartikeln:

    Jerusalem: Alle wichtigsten Sehenswürdigkeiten & großer Travel Guide!
    City of David: Eine archäologische Ausgrabung mit Tiefgang
    Jerusalem: Gedanken über eine schwierige Stadt

    Auch die Festung Masada ist sehr sehenswert!
    Masada: Sonnenaufgang über dem Toten Meer

  • Israel: Sonnenaufgang in Masada

    Israel: Sonnenaufgang in Masada

    „Du willst Dir den Sonnenaufgang in Masada ansehen?“ Auf meiner Israel Reise wollte ich kein Highlight auslassen. „Wundere Dich nicht, die Straße dorthin ist komplett unbeleuchtet, aber das ist schon okay so. Fahr einfach weiter, auch wenn es dunkel ist.“ Gut, dass die mir die nette Rezeptionistin in Arad noch diesen Hinweis mitgegeben hat, als ich sie nach dem Weg zur Festung Masada in der Judäischen Wüste fragte. Sonst wäre ich wohl nach den ersten Schildern, die vor „extrem gefährlichen Kurven“ warnten, sofort umgekehrt. So ganz allein um halb fünf morgens im Stockdunklen kurvige Wüstenstraßen entlang brettern und keine andere Menschenseele weit und breit – das war Abenteuer.

    Masada Judäische Wüste Israel
    Die Straße von Arad nach Masada: Tagsüber tolle Aussicht, nachts stockfinster.

    Sonnenaufgang in Masada: Ein Erlebnis für jede Israel Reise

    Es gibt Orte auf der Welt, die besonders bekannt sind für ihre spektakulären Sonnenaufgänge oder Sonnenuntergänge – und Masada in Israel gehört zweifelsohne dazu. Nach der ellenlangen Fahrt durchs Nirgendwo war ich skeptisch, ob sich die ganze Tortur mit frühem Aufstehen auch wirklich lohnen würde. Zumal ich mit Busladungen von Touristen rechnete, die ebenfalls mit Ziel „Sonnenaufgang Masada“ unterwegs waren. Aber außer einer Handvoll Mietwagen, die mit auf dem Parkplatz standen, war auf der Ostseite der Festung von Touristen wenig zu sehen. 

    Masada Sonnenaufgang
    Von der Festung aus kann man weit über das Tote Meer blicken.

    Israel Reise geplant?
    ➜ Mehr Inspirationen findest Du auch in meinem Israel Blog!

    Sonnenaufgang über dem Toten Meer auf der Festung Masada

    Das sah oben schon auf der Festung schon anders aus, die meisten Besucher hatten wohl den Weg über den anderen Aufstieg auf der Westseite genommen. Trotzdem: Das Gelände war nicht überfüllt. Eine beeindruckende Stille legte sich über das Areal, als alle auf den einen Moment warteten, an dem sich die Sonne hinter der gegenüberliegenden Bergkette langsam glutrot leuchtend empor schiebt. 

    Masada Sonnenaufgang Israel Totes Meer
    Unglaublich schön: Sonnenaufgang in Masada.

    Rundherum nichts als ein karges Wüstengebirge, tief unter uns das Tote Meer, spiegelglatt und still – und plötzlich wurde alles von der auftauchenden, warmen Sonne erleuchtet: Einer der beeindruckendsten Momente meiner Israel-Reise!

    Wüstenlandschaft Totes Meer und Judäische Wüste
    Beeindruckende Mondlandschaft: Die Judäische Wüste am Toten Meer.

    Geschichte von Masada, Israel – Historische Bedeutung

    Die Festung von Masada hat eine bewegende Geschichte hinter sich. Im Jahr 73/74 nach Christus, während des jüdischen Krieges, wurde die Festung von den Römern belagert. Als die Einnahme durch die Römer immer näher rückte, töteten sich über 900 Bewohner der Festung selbst, um nicht in römische Gefangenschaft zu geraten. Seitdem gilt Masada als Symbol für das jüdische Bestreben nach religiöser Freiheit und Selbstbestimmung. Seit 2001 trägt Masada den Titel UNESCO-Weltkulturerbe. 

    Archäologische Funde in Masada

    Diverse Teile der Festung sind noch erhalten und wurden im Rahmen einer archäologischen Ausgrabung zugänglich gemacht. Man kann heute z.B. die Reste der riesigen Lagerräume oder der Badehäuser ansehen. Zudem zeigen Nachbildungen, wie der Wohnpalast von König Herodes ausgesehen haben muss: Front Row am Hang! Aufgrund der unwirtlichen Umgebung fragt man sich einmal mehr, wieviel Mühe es unter den damaligen Bedingungen gekostet haben muss, hier auf diesem Bergplateau eine solche Konstruktion zu bauen. 

    Masada Sonnenaufgang
    Unten: Das Fundament des Palastes.
    Masada Sonnenaufgang
    Front Row und unverbaute Aussicht: Der Palast von König Herodes mit Blick auf das Tote Meer.
    Masada Sonnenaufgang

    Wie kommt man nach Masada? 

    Im wesentlichen gibt es zwei Zufahrten nach Masada, einmal von der West-, einmal von der Ostseite. Der Weg von Osten schien mir wesentlich beliebter. Auf dieser Seite gibt es auch eine Seilbahn, mit der man zum Gipfel hinauffahren kann. Zum Sonnenaufgang allerdings muss man den sogenannten Snake Path hinauf laufen, das dauert ungefähr 45 Minuten. Außerdem soll es auf dieser Seite ein Besucherzentrum mit Shops und einem kleinen Museum geben. Diese Zufahrt ist näher zu zur Oase Ein Gedi und zum Toten Meer. 

    Masada Sonnenaufgang
    Die römische Belagerungsrampe vor Sonnenaufgang.

    Ich bin von der Westseite gekommen, die Straße von Arad aus ist bei Dunkelheit abenteuerlich. Dafür ist der Weg hinauf zur Festung kürzer. Über die römische Belagerungsrampe (ja, so alt ist dieser Zugang!) geht es zwar steil, aber auch nur innerhalb von 15 Minuten rauf auf die Festung. Auf dem Rückweg nach Arad hat man unvergessliche Aussichten auf die Judäische Wüste – und kann unterwegs noch süße Kamele streicheln (Achtung, es folgt nun: Jede Menge herzenserwärmender Kamel-Content!), mit denen man eine Wüstentour unternehmen kann. Ab Arad (dem nächsten Ort) ist Masada ausgeschildert, so dass man nur der Straße folgen muss. 

    Masada Kamele
    Masada Kamele
    Masada Kamele
    Masada Kamele
    Masada Kamele

    Ausflüge nach Masada ab Jerusalem und Tel Aviv

    Masada gehört zu den beliebtesten Tagesausflügen ab Jerusalem und Tel Aviv! Man kann sowohl Touren tagsüber, als auch Touren zum Sonnenuntergang buchen. Außerdem gibt es Anbieter, die eine Tour nach Masada mit einem Besuch am Toten Meer verbinden (auch sehr empfehlenswert!):

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    Tipps zur Anreise & Unterkunft

    Grundsätzlich war ich nicht besonders von der archäologischen Ausgrabung fasziniert, außerdem wurde es auch recht schnell heiß, Sonnenschutz und Kopfbedeckung sind empfehlenswert. Immerhin ist es ein Bergplateau mitten in der Wüste und die Sonne scheint erbarmungslos. Ich würde daher immer den Besuch zum Sonnenaufgang empfehlen – das ist ein wirklich unvergessliches Erlebnis! Meine Tipps für einen tollen Besuch findest Du hier: 

    Masada Sonnenaufgang

    Wenn ihr mit dem Mietwagen unterwegs seid und nicht so gerne mitten in der Nacht aufsteht wie ich, könnt ihr euch am Vorabend in der Nähe eine Unterkunft suchen. Dann klingelt der Wecker nicht ganz so früh. Meinen Mietwagen habe ich in Tel Aviv abgeholt und dann zum Rückflug direkt am Flughafen abgegeben.

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    Masada Sonnenaufgang

    Ich habe in Arad im Inbar Hotel übernachtet. Kein Highlight, aber ordentlich – und entgegen der Bewertungen, die ich vorher überflogen hatte, erwartete mich ein herzlicher Empfang durch die goldige Rezeptionistin, die mich gleich mit vielen Tipps versorgte. (Netter Service ist in Israel leider nicht immer selbstverständlich.) Ungefragt gab’s dann noch einen Obstteller aufs Zimmer als Frühstücksersatz.

    Wollt ihr lieber auf der Ostseite und von dort aus auf die Festung, weil es vielleicht eher auf dem Weg liegt, gibt es dort das günstige HI Massada Hostel, in dem viele Masada-Besucher übernachten.

    ***

    Mehr über Israel findet ihr auch in folgenden Artikeln: 

    Jerusalem: Sehenswürdigkeiten und Highlights in der Heiligen Stadt
    City of David: Mein Geheimtipp für alle, die sich mit Kultur&Geschichte in Jerusalem beschäftigen wollen
    Eher nachdenklich: Mein erster Besuch in Jerusalem.

  • Jerusalem: Sehenswürdigkeiten & Tipps für die Heilige Stadt

    Jerusalem: Sehenswürdigkeiten & Tipps für die Heilige Stadt

    Jerusalem ist eine faszinierende Stadt und neben Tel Aviv das Top-Reiseziel einer jeden Israel Reise! Aber was muss man in Jerusalem gesehen haben? Hier verrate ich dir, welche Sehenswürdigkeiten du dir auf jeden Fall anschauen solltest und gebe dir wertvolle Tipps!

    Sehenswürdigkeiten in Jerusalem

    Die meisten Sehenswürdigkeiten in Jerusalem findest du in der Altstadt. Hier ist alles fussläufig zu erreichen, und in einem Tag kannst du hier die wichtigsten Location wie die Klagemauer oder die Grabeskirche locker abklappern. Auch die sehr malerischen engen Gassen wirst du hier finden. Aber auch der neuere Teil Jerusalems ist sehr sehenswert und etwas weltlicher.

    #1 Die Klagemauer / Western Wall

    Die Klagemauer ist eigentlich die Rückseite einer Schutzmauer des Zweiten Tempels von Jerusalem, von König Herodes erbaut und 70 n.Chr beim Kampf von Juden und Römern um die Vorherrschaft in Jerusalem fast vollständig zerstört. Siebzig nach Christus – so früh wurde in Jerusalem bereits gestritten und gekämpft! Und bis heute stehen dort noch Überreste aus dieser Zeit – Jerusalem ist eine einzige Fundgrube der Antike. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieses Stück der Westmauer (daher auch der englische Name „Western Wall„) zum jüdischen Wallfahrtsort, der heutigen Klagemauer – und zum Wahrzeichen von Jerusalem.

    Jerusalem Sehenswürdigkeiten Orthodoxer Jude vor Klagemauer in Jerusalem.
    Die Klagemauer ist DAS Wahrzeichen von Jerusalem.

    Hilfreiche Tipps für den Besuch der Klagemauer:

    • Der Zugang zur Klagemauer ist durch Sicherheitsschleusen abgeriegelt. Kameras mitbringen ist kein Problem – während des Sabbats ist das Fotografieren an der Klagemauer aber nicht erlaubt.
    • Ein Besuch der Klagemauer selbst ist kostenlos,
    • An der Klagemauer beten Frauen und Männer streng getrennt. Die Seite der Männer scheint meist leerer, da sie 1. größer ist und die Männer 2. auch einen überdachten Teil unter einem Torbogen hindurch nutzen.
    • Männer müssen direkt an der Mauer eine Kippa tragen, Frauen sollten Schultern und Knie bedecken, aber irgendwie fällt es bei warmen Wetter auch nicht besonders auf, falls nicht.
    • An der Trennwand zu den Männern stehen kleine Bänke, auf die man steigen kann, um auf den Männer-Teil hinüber zu schauen.
    • Am Eingang vor der Mauer kann man sich Stift und Zettel geben lassen, um darauf seine Gebete/Wünsche/Danksagungen/etc., zu schreiben. An der Mauer steckt man das Papier dann in eine der Ritzen.
    • Von der Mauer entfernt man sich im Rückwärtsgang – um ihr nicht den Rücken zuzudrehen
    • Die Klagemauer ist 24 Stunden geöffnet
    • Einige der gegenüberliegenden Dachterrassen sind öffentlich zugänglich. Von dort aus hat man den weltberühmten Postkartenblick auf Felsendom und Klagemauer.

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    Klagemauer Trennung von Männer und Frauen Jerusalem Sehenswürdigkeiten
    Männer und Frauen beten an der Klagemauer getrennt.

    Infos für deine Israel Reise gesucht? Mehr erfährst Du auch in meinem Israel Blog!

    #2 Die Grabeskirche

    Die Grabeskirche ist DER Hotspot des Christentums, keine andere Kirche weltweit ist so bedeutsam, so wichtig. An dieser Stelle soll Jesus gekreuzigt und begraben worden, danach auferstanden sein. Ob das so stimmt, darüber streiten Historiker wie an vielen Stätten in Jerusalem bis heute – vieles von dem, was heute vermutet wird, sind biblische Überlieferungen, die wissenschaftlich nicht immer zweifelsfrei nachgewiesen werden konnten. Auch das ist eine der Gründe, die in Jerusalem so verwirren können. Was stimmt, was nicht? Was ist wissenschaftlich belegt? Je nach Glaubensrichtung und Weltanschauung verändern sich die Geschichten an einzelnen Orten. Die Grabeskirche jedenfalls hat mich sehr beeindruckt, ein wahres Labyrinth an Kapellen für alle möglichen christlichen Glaubensrichtungen und so ganz anders als andere klassische große Sakralbauten. Die erste Kirche wurde hier an dieser Stelle zwischen 326 und 335 erbaut und in den folgenden Jahrhunderten mehrfach erweitert, zerstört und wieder aufgebaut.

    Jerusalem Sehenswürdigkeiten Grabeskirche
    Die Grabeskirche ist einer der heiligsten Stätten des Christentums.

    Was Du Dir hier anschauen solltest:

    • Den Salbungsstein gleich am Eingang: Dieser Stein erinnert an die Salbung des Leichnams Christi, Gläubige wischen hier mit Stoffen und Tücher über den Stein und beten
    • Das Grab Jesu, DAS Pilgerziel von gläubigen Christen in aller Welt: In der riesigen, mystisch anmutenden Rotunde steht ein weiterer kleiner Bau. Innen befindet sich die Stelle, an der Jesus begraben worden sein soll. Man kann den Schrein betreten, muss dafür aber Schlange stehen – manchmal bis zu einer Stunde! (ich muss zugeben, das habe ich mir dann auch geschenkt)
    • Den Felsen von Golgatha: Unter dem Altar in der griechisch-orthodoxen Kapelle befindet sich der Felsen, auf dem Jesus gekreuzigt worden sein soll – kann man sogar anfassen!
    Jerusalem Sehenswürdigkeiten Schrein Grab Jesus Grabeskirche
    Das heilige Innerste der Grabeskirche: An dieser Stelle soll sich das Grab Jesu befinden.

    Fun Fact (oder not so fun, wie man’s nimmt):
    Die Grabeskirche wird von sechs verschiedenen christlichen Konfessionen genutzt. Da sich alle aber nie in bestimmten Fragen einig werden konnten, sind es zwei muslimische Familien, die den Schlüssel zur Grabeskirche besitzen und die Kirche morgens auf- und abends wieder abschließen. Der Schlüssel wird innerhalb der Familien von Generation zu Generation weitervererbt.

    #3 Jüdisches, armenisches, muslimisches und christliches Viertel

    Die Altstadt von Jerusalem ist in vier verschiedene Viertel eingeteilt; Jüdisches, armenisches, muslimisches und christliches Viertel. In der Altstadt selbst ist man hauptsächlich zu Fuß unterwegs – und die einzelnen Viertel lassen sich so bestens erkunden.

    Altstadt Gasse in Jerusalem mit Läden rechts und links Markt Souk Sehenswürdigkeiten
    In der Basaratmosphäre in der Altstadt von Jerusalem lässt sich herrlich stöbern.

    Mein Tipp ist: Einfach loslaufen, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind zur Orientierung unterwegs ohnehin gut ausgeschildert, sich treiben lassen und selbst herausfinden, in welchem Teil man sich gerade befindet. Im muslimischen Viertel findet man buntes Markttreiben in den Altstadtgassen, die Grabeskirche ist das Zentrum des christlichen Viertel, wo man ebenfalls viele Souvenirshops mit religiösen Artikeln findet.

    Orthodoxe Juden Altstadt Jerusalem Israel
    Orthodoxe Juden in ihrer schwarzer Kleidung und den schwarzen Hüten gehören zum alltäglichen Bild in Jerusalem.

    Das jüdische Viertel wurde während des Palästinakriegs 1948 stark beschädigt und ist daher größtenteils im alten Stil neu gebaut – was ebenfalls sehr sehenswert ist. Im armenischen Viertel bleibt man eher unter sich, hier findet man weniger Straßenleben.

    Ältester Tattoo Laden in Jerusalem Israel
    Razzouk Tattoo in Jerusalem ist der älteste Tattoo-Laden der Welt. Seit über 700 Jahren wird hier tätowiert: Ein Familienunternehmen in der 27.(!) Generation.

    Die Via Dolorosa ist ein Pilgerweg, der dem überlieferten Weg Jesu durch die Stadt bis zu seiner Kreuzigung folgt. Es gibt insgesamt 14 Stationen, bei Interesse kann man jeden Freitag an der Kreuzprozession der Franziskaner auf der Via Dolorosa teilnehmen. Startpunkt ist am Stephanstor.Achtung: Die Kreuzprozession ist ein riesiges Event, auch unter religiösen Touristen – es wird voll in der Altstadt.

    #4 Tempelberg mit Felsendom und Al-Aqsa-Moschee

    Die goldene Kuppel des Felsendoms ist wohl eines der bekanntesten Wahrzeichen Jerusalems. Die Al-Aqsa-Moschee ist dafür von außen weniger prächtig, dafür aber gemeinsam mit dem Felsendom eines der wichtigsten Heiligtümer des Islams.

    Felsendom Jerusalem Sehenswürdigkeiten Israel
    Beeindruckend: Die goldene Kuppel des Felsendoms auf dem Tempelberg.

    Der Zugang zum Felsendom erfolgt für Nicht-Muslime nur über die überdachte Holzkonstruktion an der Klagemauer und unter folgenden Voraussetzungen:

    • Ein Reisepass/Ausweisdokument muss vorgelegt werden.
    • Bei Zutritt muss eine Sicherheitskontrolle passiert werden, neben gefährlichen Gegenständen dürfen auch nichtmuslimische religiöse Gegenstände nicht auf den Tempelberg gebracht werden
    • Kleidungsvorschriften beachten: Schultern und Knie müssen bedeckt sein
    • Nichtmuslime dürfen den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee nicht betreten
    • Besuchszeiten für den Tempelberg: Sonntag bis Donnerstag 7.30-11.30, 13.30-14.30 (Sommer), Sonntag bis Donnerstag 7.00-10.30, 12.30-13.30 (Winter)

    Der Andrang ist sehr groß, die Kontrollen sehr hoch – früh da sein ist empfehlenswert. Der Zugang kann aufgrund der politischen Lage aber auch kurzfristig gesperrt werden. Am besten man holt vorab vor Ort sich die tagesaktuelle Information ein.

    Jerusalem Sehenswürdigkeiten Al Aqsa Moschee Israel
    Die Al Aqsa Moschee wirkt eher unscheinbar.

    Alles zu viel Geschichte? Gerade in Jerusalem bietet es sich an, an einer Tour teilzunehmen, um mehr über Jerusalem zu erfahren! Es lohnt sich, denn so viel kann man sich gar nicht an Hintergrundwissen anlesen!

    ➜ Buche hier eine Tour durch die Altstadt von Jerusalem mit Yad Vashem*

    #5 Tower of David/Zitadelle

    Direkt neben dem Jaffator gelegen, hat man von der Zitadelle aus den absoluten Panoramablick über die Altstadt. Neben dem beeindruckenden Bau an sich kann man sich hier auch noch das eigene Museum mit Exponaten zur Geschichte Jerusalems sowie interessanten Wechselausstellungen ansehen (ich war ja sehr angetan von der ausdrucksstarken Fotoausstellung!).

    Zitadelle Jerusalem bei Nacht Israel Sehenswürdigkeiten
    Tagsüber grandiose Aussicht, nachts toll ausgeleuchtet: Die Davidszitadelle in Jerusalem.

    Nach Einbruch der Dunkelheit gibt’s eine Lightshow zur Geschichte Jerusalems, und wer jetzt denkt, och langweilig, der schaut es sich am besten mal selbst an – besser und leichtfüßiger kann man sich fast schon nicht mehr im Schnelldurchlauf durch die Geschichte der Stadt führen lassen.

    Fotoausstellung Felsendom
    Der Felsendom in privaten Fotos im Laufe der Geschichte.

    #6 City of David

    Die City of David ist eine archäologische Ausgrabungsstätte nahe der Altstadt, über die ich bereits in diesem Post geschrieben habe. Besonderes Highlight ist der Hiskija-Tunnel, einem über 2700 Jahre alten Kanal zur Wasserversorgung, der bis heute Wasser führt und mit entsprechender Ausrüstung durchwatet werden kann.

    Jerusalem Sehenswürdigkeiten Hang mit verschiedenen Gesteinsschichten in der archäologischen Ausgrabung der City of David in Jerusalem

    #7 Israel Museum & Yad Vashem

    Wer nach dem ganzen Altstadt-Sightseeing noch Aufnahmekapazität für Kunst und Kultur hat, der sollte auch ins Israel Museum, einem der Top-Museen in Israel. Von Archäologie bis Moderne ist hier alles an israelischer Kunst vertreten. Die Hauptattraktion sind die Schriftrollen vom Toten Meer, die Qumranschriften, benannt nach den Qumran-Höhlen, in denen sie gefunden wurden. Die Schriftrollen sind ca. 2000 Jahre alt und liefern wichtige Erkenntnisse über die Zeit des antiken Judentums. Die Schriftrollen werden in einem extra dafür konstruierten Bau ausgestellt, dem „Schrein des Buches“, der von außen aussieht wie eine weiße halbierte Zwiebel.

    Yad Vashem ist die wohl weltweit wichtigste Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust. Architektur und Ausstellung sollen sehr ergreifend sein – und ich denke, es ist immer wieder wichtig an das Geschehene zu erinnern, damit nie wieder eine solche Gedenkstätte gebaut werden muss. Leider konnte ich mir Yad Vashem nicht mehr ansehen. Was ich sehr bedauere. Wenn ihr die Möglichkeit habt: unbedingt hin. Mit Zeit, denn das ist kein Programmpunkt, den man auf die Schnelle abhaken sollte.

    Der Eintritt ist frei, die naheliegende Straßenbahnhaltestelle „Mount Herzl“ ist nur eine 15-minütige Fahrt von der Innenstadt aus entfernt. Von der Haltestelle bis zu Yad Vashem fährt ein kostenloser Shuttlebus.

    #8 Montefiore-Windmühle

    Eine Windmühle? Richtig, in Jerusalem steht die weltweit meist besichtigte Windmühle der Welt! Von wegen Holland. (Die haben dafür auch Tausende.) Diese Windmühle wurde 1857 gebaut, um den umliegenden neuen Siedlungen die Möglichkeit zur Selbstversorgung zu geben.

    Montefiore Windmühle Jerusalem Israel Sehenswürdigkeiten
    Von wegen Holland: Diese schnieke Windmühle steht mitten in Jerusalem.

    Viel Wind gab es dann doch nicht, aber um die Windmühle herum entstand ein hübsches kleines Wohnviertel, Mishkenot Sha’ananim. Kürzlich wurde die Mühle aufwändig restauriert und zu besonderen Events wird hier immer noch Mehl gemahlen, jetzt allerdings motorbetrieben.

    Windmühle Jerusalem Israel Sehenswürdigkeiten

    Außerdem werden in der Montefiore-Windmühle Weinproben veranstaltet. Mein ungeübter Gaumen kann zwar immer nur zwischen „mag ich“ und „mag ich nicht“ unterscheiden – die Weine, die ich probiert habe, fielen allerdings größtenteils in die Kategorie „mag ich“. Israelische Weine können also nicht so schlecht sein. Klare Empfehlung für eine Weinprobe in einem etwas anderen Ambiente.

    Weinprobe Jerusalem Israel Wein Weingut Weinflasche Jerusalem Vineyard Winery

    Vor der Windmühle befindet sich eine große Aussichtsterrasse, laut unserer Tourguides der beliebteste Ort in Jerusalem für Heiratsanträge! Die Aussicht auf die umliegenden Hügel ist wirklich fantastisch. Ich konnte allerdings nicht umhin, auf die in die Höhe ragende Betonmauer auf dem gegenüberliegenden Bergkamm zu starren, die mich so sehr an die Mauerreste zu Hause in Berlin erinnerte – und konnte den Erzählungen unseres Guides über die Entstehungsgeschichte dieses und der umliegenden Viertel gar nicht mehr folgen. „We have our problems, you know“, kommentierte er knapp, und ich fragte mich, ob dieses menschliche Bedürfnis, immer Mauern bauen zu müssen, jemals aufhören würde.

    Jerusalem Sehenswürdigkeiten Montefiore Windmühle Israel

    Zur Montefiore-Windmühle sind wir im Rahmen einer Segway-Tour hinauf. Ich bin ja vorher nur mal in Chicago an der flachen Promenade entlang des Lake Michigans Segway gefahren – das war ganz nett. Das hügelige Jerusalem verleiht einer Segway-Tour dann aber einen ganz anderen abenteuerlichen Twist!

    #9 Mahane Yehuda Markt

    Nicht entgehen sollte man sich das Treiben auf dem Mahane Yehuda Markt – und am besten kommt man zwei Mal: einmal tagsüber, einmal nachts. Denn tagsüber spielt hier das normale Marktleben: Obst, Gemüse, Süßigkeiten, Gewürze – an jeder Ecke findet man leckere Köstlichkeiten. Wie zum Beispiel an dem Stand der ausschliesslich Halva, eine Sesam-Süßigkeit, verkauft.

    Jerusalem Sehenswürdigkeiten Mahane Yehuda Markt
    Jerusalem Sehenswürdigkeiten Brot Mahane Yehuda Markt Jerusalem
    Jerusalem Sehenswürdigkeiten Desserts Mahane Yehuda Markt Israel
    Mahane Yehuda Markt Jerusalem
    Mahane Yehuda Markt Jerusalem
    Mahane Yehuda Markt Jerusalem

    Dazwischen gibt es immer wieder kleine Cafés, aber auch Bars und Pubs – und wenn die Obst- und Gemüsehändler Feierabend machen, mutiert der Mahane Yehuda Markt zur hippen Kneipenmeile!

    Mahane Yehuda Markt Jerusalem

    #10 First Station

    Früher der Bahnhof, an dem die Züge nach Tel Aviv abfuhren, stand die First Station lange Zeit leer, bis sie als Eventspace vor einigen Jahren wiedereröffnet wurde. Hier gibt es Cafés, Bars, Restaurants, Coworking-Spaces und von Zeit zu Zeit diverse Veranstaltungen – hier im Rahmen der in der Stadt im Juni stattfindenden Pride Parade. Das Bemerkenswerte: Auf der einen Seite ist Jerusalem eine streng religiöse Stadt, auf der anderen Seite öffnet sich es trotz vieler Gegenstimmen aus religiösen Lagern langsam aber auch in Richtung mehr Diversität.

    Empfehlenswert: Der DIY-Markt, jeden Donnerstag im Sommer, ab 16 Uhr.

    First Station Jerusalem Sehenswürdigkeiten
    Drag Queen Jerusalem Israel Gay Pride Day First Station

    Foodtipps: Cafés und Restaurants in Jerusalem

    Diese Liste wird nur unvollständig bleiben können – das Angebot an tollen Restaurants, Bars und Cafés ist einfach riesig. Gut essen kann man in Jerusalem wie auch im Rest von Israel wirklich an jeder Ecke – leider ist nur das Preisniveau oft sehr hoch. Da heißt es: Augen zu und durch, wenn man sich die wirklich fantastische Küche nicht entgehen lassen will!

    Im übrigen sind aus meiner Erfahrung die Portionen im Gegenzug sehr groß – oft macht es Sinn, sich ein Gericht zu teilen, bevor man die Hälfte auf Grund eines akuten Foodkomas zurückgehen lassen muss. (Häufig werden Gerichte eh in mehreren Schälchen verteilt serviert, das macht es einfacher.) Alternativ gibt es aber immer irgendwo einen Falafel-Laden, der ebenfalls gute Küche für einen schmalen Geldbeutel serviert.

    Pergamon Vegetarische Küche, sehr nett abends, um draußen zu sitzen!

    Moris Grill Bar sieht auf den ersten Blick aus wie eine einfache Pommesbude, dafür aber bestes Fleisch vom Grill!

    Grill Bar die Grill Bar ohne Namen! Tipp: Allein die Vorspeisen sind so vielfältig – da erübrigt sich das Hauptgericht.

    Notre Dame Rooftop Wine&Cheese guter Wein, guter Käse, spektakuläre Aussicht auf den Tempelberg

    Café Rimon gute Cocktails, aber das beste ist die Lage: Abends hier in der Fußgängerzone sitzen und dem Nachtleben zusehen!

    Acrmavi – bestes Hummus der Stadt, so sagt man. Der Laden existiert seit den fünfziger Jahren am Damaskustor und irgendwie hat man das Gefühl, dass sich seitdem nicht grundlegend viel verändert hat. Bis auf das Hummus! Das wird nach altem Familienrezept täglich frisch zubereitet, und zwar in aller Frühe, denn der Laden öffnet um 5.30h. Hummus gilt nach wie vor auch als das täglich Brot des kleinen Mannes und wird sowohl zum Frühstück als auch zu allen anderen Gelegenheiten gegessen. Hier kommen alle her: Bauarbeiter, Studenten, Büroangestellte. Bis zum frühen Nachmittag sollte man vorbeikommen, bevor das Hummus ausgeht und man bis zur neuen Produktion am nächsten Tag warten muss. Was weg ist, ist nämlich weg!


    Hummus Jerusalem Rezept
    Hummus ist ein typisch israelisches Gericht und ist super sättigend.

    Hummus Rezept:

    Zutaten:
    140g getrocknete Kichererbsen
    50g Tahini (Sesammus)
    1 große Knoblauchzehe
    3 EL Olivenöl
    3 EL Zitronensaft
    Salz und Pfeffer nach Geschmack

    Die Kichererbsen über Nacht in Wasser einweichen. Ca. 3 Stunden kochen. (Ja, das dauert! Und schummeln mit Kichererbsen aus der Dose is’ nich’!) Abgießen und dabei das Erbsenwasser auffangen. Die Knoblauchzehe pressen und mit den anderen Zutaten vermischen. Erbsen hinzugeben und zerdrücken, bis eine cremige Masse entsteht. Wenn die Masse zu fest wird, solange Erbsenwasser hinzugeben, bis die gewünschte Textur erreicht wird.


    Food Jerusalem

    Hotels in Jerusalem – Unterkünfte für jedes Budget

    Luxushotels in Jerusalem – High-End, aber auch ohne Übernachtung einen Blick wert!

    King David Hotel – Das King David Hotel blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück: Der monumentale Bau war Sitz der britischen Mandatsregierung in den 30er und 40er Jahren, überstand während dieser Zeit einen Bombenanschlag und avancierte später zu einem der luxuriösesten Hotels Israels. Hier schlafen Staatsoberhäupter und alles, was Rang und Namen hat.
    YMCA Three Arches – Das YMCA Three Arches direkt gegenüber gehört zum Jerusalemer YMCA (Young Men’s Christian Association), und wer sich eine Übernachtung hier nicht leisten kann, der sollte trotzdem herkommen: Der unübersehbare Glockenturm ist das höchste Gebäude Jerusalems und von oben hat man die beste Aussicht auf die Stadt!

    ymca Jerusalem

    Mittleres Budget – Mittelklasse Hotels in Jerusalem

    Ibis Styles – Solides, sauberes Hotel in bester Lage und nagelneu! Mitten im neuen Zentrum Jerusalems, Restaurants, Bars und Shoppingmeile in unmittelbarer Nähe – besser geht’s nicht. Die Altstadt ist fußläufig erreichbar.

    Und das Beste: Das Frühstücksbüffet in der obersten Etage mit Blick auf die Stadt ist der Hammer. Typisch israelisch, typisch Unmengen, typisch lecker. Unbedingt mitbuchen.

    Hotel Ibis Styles Jerusalem City Center

    Low Budget Hostels in Jerusalem

    The Post – Super zentrale Lage, entspannte Atmosphäre. Privatzimmer gibt’s auch.
    Abraham Hostel* – Das wohl bekannteste Hostel in Jerusalem: Nicht ganz so partymäßig wie der Ableger in Tel Aviv, aber dennoch eine gute Variante für diejenigen, die etwas mit dem Reisebudget haushalten müssen und kommunikative Unterkünfte lieben. Es gibt auch Privatzimmer.

    Anreise nach Jerusalem

    Wenn Du aus Deutschland oder Europa nach Israel reist, wirst Du mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit in Tel Aviv landen (und mit Sicherheit auch Tel Aviv sehen wollen!). Der Flughafen Ben Gurion liegt außerhalb auf dem Weg von Tel Aviv nach Jerusalem und beide Städte sind direkt vom Flughafen aus sehr gut zu erreichen.

    Von Ben Gurion/ Vom Flughafen Tel Aviv nach Jerusalem

    Ganz neu ist die Zugverbindung vom Flughafen Tel Aviv bis zum Bahnhof in Jerusalem und dauert nur eine knappe halbe Stunde. Ab dem Bahnhof sind es mit der Straßenbahn nur noch wenige Stationen bis zum Zentrum. Alternativ gibt es noch einen Bus – der benötigt allerdings eine gute Stunde und fährt auch nur bis zum Bahnhof. Vom Taxi würde ich generell abraten – Taxifahren ist in Israel mitunter eh abenteuerlich und die Zugverbindung ist komfortmäßig unschlagbar.

    Mit dem Jerusalem City Pass ist die Fahrt mit dem Zug oder Bus nach Jerusalem und zurück zum Flughafen umsonst! Den Pass gibt es in drei Varianten, der günstigste kostet 35 Euro.

    Von Tel Aviv (Stadtzentrum) nach Jerusalem

    Busverbindungen von Tel Aviv nach Jerusalem gibt es jede Menge, die Fahrt dauert ca. 1 1/4 Stunde. Auf der Webseite von Egged (der staatlichen Busgesellschaft) könnt ihr euch aktuelle Fahrpläne ziehen. Alternativ könnt ihr auch schauen, ob ihr von Jerusalem oder Tel Aviv einen Tagesausflug z.B. zum Toten Meer* bucht und euch auf dem Rückweg in der jeweils anderen Stadt absetzen lässt (manche Touranbieter bieten das an), so spart ihr euch einen Weg.

    Oder ihr bucht gleich von Tel Aviv aus nur eine Tagestour nach Jerusalem, die Fahrt dauert nicht lange. Allerdings würde ich behaupten, dass ein einziger Tag viel zu wenig für Jerusalem ist – wenn ihr die Zeit habt, bleibt besser über Nacht und länger.

    ➜ Hier eine Tagestour von Tel Aviv nach Jerusalem buchen*

    Zur Einreise nach Israel generell werde ich wahrscheinlich nochmal einen gesonderten Post schreiben, da es etwas umfangreicher ist. Achtung: Fortbewegen innerhalb Israel mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist am Shabbat generell schwierig. Vom späten Freitag Nachmittag bis Samstag Abend fahren keine öffentlichen Transportmittel! Vor allem in Jerusalem wird sich streng an die Regeln des Shabbat gehalten, Restaurants, Cafés, Geschäfte, alles hat geschlossen – wenn möglich, reist besser an einem Tag nach Jerusalem.

    Sicherheit in Jerusalem

    Grundsätzlich hatte ich vor kleineren Delikten wie Handtaschenraub oder Trickdiebstahl, wie sie oft an touristischen Hotspots vorkommen, in Jerusalem gar keine Angst. Es wird weder offiziell davor gewarnt, noch wurde ich persönlich angesprochen – das passiert mir gerne mal auf Reisen, da ich ja oft mit einer nicht gerade unauffälligen Kamera unterwegs bin. Insofern schien mir Jerusalem sehr sicher.

    Allerdings mag das auch an der enorm hohen Polizei- und Militärpräsenz liegen, die durchblicken lässt, dass im Notfall ein Maschinengewehr schnell zur Hand ist. Da sucht man sich als Taschendieb wohl lieber gleich einen anderen Wirkungskreis. Waffen sieht man allerorten, auch einzelne junge Soldaten außerhalb ihrer Dienstzeit tragen ihre Maschinengewehre sowohl in militärischer Uniform als auch in Privatkleidung spazieren, da sie aus Sicherheitsgründen ihre Waffen nur unter bestimmten Voraussetzungen aus den Augen lassen dürfen. Was für uns Mitteleuropäer im ersten Moment verstörend scheint, ist für Israelis Alltag und wirkt auf die Einheimischen – ganz im Gegenteil zu uns – extrem beruhigend. Die meisten Israelis haben ebenfalls eine militärische Grundausbildung (Männer drei Jahre, Frauen zwei Jahre) absolviert und sind für Notfälle jeglicher Art gut gerüstet. Nicht ohne ein wenig Stolz sagte mir jemand, dass bei Attentaten auf israelischem Boden immer nur wenig Tote zu beklagen seien, da jeder durch seine Grundausbildung im entscheidenden Moment sofort wisse, was zu tun sein und dies möglicherweise mehr Leben rette.

    Felsendom Jerusalem

    Eine Kostprobe dieser Reaktionsschnelligkeit bekam ich, als wir eines Abends vor unserem Hotel standen und circa 200 Meter weiter in einem der belebten Straßencafés plötzlich ein Tumult entstand: Geschrei, Plastikstühle fielen um. Was genau passiert war, ließ sich aus der Ferne nicht sagen, vielleicht nur eine Streiterei zwischen Gästen, ein Handgemenge, nichts weiter Schlimmes – aber dennoch sprang die Menschenmenge drumherum plötzlich wie choreographiert auseinander und Soldaten rannten gezielt sternförmig in verschiedene Richtungen los. Unsere israelische Begleitung hatte jedoch sofort in Windeseile die Situation analysiert und befunden, dass keine unmittelbare Gefahr für uns ausging und blieb entspannt – während ich mit meiner heruntergefallenen Kinnlade noch immer damit beschäftigt war, abzuschätzen, was da gerade passierte.

    Ein einziges Mal wurden wir dann doch gewarnt: Wir sollten nicht zum Damaskustor gehen. (Vor diesem Tor halten u.a. die Linienbusse nach Ost-Jerusalem und in die palästinensischen Autonomiegebiete.) Auf unsere Frage nach der Begründung für diese sehr bestimmt geäußerte Warnung bekamen wir leider keine Antwort.

    Später habe ich dann diesen Artikel dazu gefunden.

    Noch später ist mir aber eingefallen, dass ich bei meinem letzten Besuch 2017 dort ganz unbedarft dort entlang spaziert bin, bei Acrmavi Hummus gegessen habe und mich nicht erinnern konnte, dass ich mich unwohl gefühlt habe.

    Sicherheit Jerusalem

    Meine persönliche Einschätzung? Sie ist zwiespältig. Ich persönlich würde mich von der derzeitigen Gesamtsituation nicht von einer Reise nach Jerusalem abhalten lassen; ich habe mich nicht in Gefahr gefühlt. Gerade in Sicherheitsfragen möchte ich aber keine allgemeine Aussage treffen, da jeder ein anderes Sicherheitsempfinden besitzt und für sein Wohlbefinden selbst verantwortlich ist.

    Ich empfehle Dir daher, vor einer Reise aufmerksam die Nachrichten aus der Region zu verfolgen (es geht doch nichts über Tagesschau und heute-journal!) und die Informationsseite des Auswärtigen Amtes auf die aktuelle Lage zu überprüfen.

    Fazit: Lohnt sich eine Reise nach Jerusalem?

    Nach so vielen Informationen und meiner ganz subjektiven Meinung fragst Du Dich vielleicht, ob sich eine Reise nach Jerusalem überhaupt lohnt. Wenn Du mal eine andere Städtereise als immer nur Paris, Mailand, London, Lissabon für ein längeres Wochenende unternehmen möchtest – klar, warum nicht. Dann halt mal Jerusalem. Ist auch etwas Exotischeres, womit man seine Freunde neidisch machen kann. Die Altstadt ist sehr hübsch, in den schmalen Gassen lassen sich hervorragende Posing-Bilder für den eigenen Instagram-Feed schießen und noch pittoresker wird es, wenn gerade einer der vielen orthodoxen Juden mit ihren großen schwarzen Hüten im Hintergrund durchs Bild huschen, während man seine Sonntagskleider spazieren führt.

    Jerusalem ist ein sehr gut entwickeltes Reiseziel, es gibt tolle Hotels mit Pools zum Entspannen vom Sightseeing und gutes Essen überall (vorausgesetzt man verfügt über das nötige Kleingeld, denn Israel ist teuer und Jerusalem als Nummer eins der israelischen Touristenattraktionen erst recht),

    Handtaschendiebe muss man aufgrund der hohen Polizeipräsenz nicht wirklich fürchten, trotz Religion allerorten kann man trotzdem im Minikleid rumrennen und im allgemeinen kann man es sich hier wirklich richtig nett machen, auch, wenn man so gar keinen Bock auf Religion, Geschichte, Politik, Kunst und Kultur hat. Ein paar Bilder vor der Grabeskirche, einmal verträumt an die Klagemauer lehnen, zwischendurch Hummus auf dem Mahane Yehuda Markt probieren, abends bei einem Glas Wein die laue Sommerbrise genießen (wettertechnisch ist Jerusalem ja mit seinem milden bis heißen Klima immer ein Gewinn!), alles ganz hübsch.

    Sogar einen Pub Crawl* kann man hier mit den Leuten vom Abraham Hostel* unternehmen, wenn man Lust auf Nightlife hat – übrigens auch ein guter Tipp als Unterkunft, wenn man es budgetfreundlicher, aber auch kommunikativer mag. Jerusalem will ein bisschen hipper werden, und es ist nichts dabei, auf diesen Zug ebenfalls aufzuspringen.

    Cardo Jerusalem

    Wenn du aber nach der Lektüre dieses Artikels auf einige Details gestossen bist, die Dich verunsichert haben, möchte ich Dir sagen: Dann reise erst recht nach Jerusalem! Wenn Du das Gefühl hast, dass du dir ähnliche Gedanken machen würdest wie ich, dann lege ich dir eine Reise nach Jerusalem sehr ans Herz!

    Es wird nicht einfach werden, viele Dinge werden Dich lange beschäftigen, Du wirst verwirrt sein, an Deiner Wahrnehmung zweifeln. Aber genau das ist es, was diese Stadt ausmacht! Spüre selbst die Intensität der Stadt am eigenen Leib, sprich mit den Menschen vor Ort, bilde Dich im Vorbeigehen weiter und lerne über Geschichte, Kultur und Religion einer Region, die seit Jahrtausenden das Weltgeschehen beeinflusst, stelle Fragen, suche Antworten und mache Dir Dein eigenes Bild – und Du wirst mit einem Reiseerlebnis belohnt, an das Du Dich für den Rest Deines Lebens erinnern wirst!


    Mehr über Israel:

    Disclaimer: Ich wurde von iTravelJerusalem und der Jerusalem Development Authority auf diese Reise eingeladen.

  • Jerusalem: Auf archäologischen Pfaden in der City of David

    Jerusalem: Auf archäologischen Pfaden in der City of David

    Letzten Monat hatte ich eine etwas ungewöhnliche Einladung im Mail-Postfach. Ob ich nicht Lust hätte, am International Travel Bloggers’ Summit in Jerusalem teilzunehmen, der dieses Jahr zum ersten Mal stattfinden würde. 40 Blogger und Instagrammer aus 6 Nationen, dazu jede Menge Expertengespräche, Workshops, Vorträge und viele neue Tipps für Jerusalem.

    Die Altstadt von Jerusalem: Pittoresk und spannend

    Pittoresk und fotogen ist sie ja, die Jerusalemer Altstadt, das wusste ich bereits – und dieses Mal war ich noch gewillter, meine Eindrücke in Bilder zu packen.

    Klagemauer Felsendom

    Jerusalem ist einfach voller interessanter Sehenswürdigkeiten: Grabeskirche, Klagemauer, im Hintergrund noch der Felsendom mit der markanten goldenen Kuppel, der Tower of David, der Cardo, die Einkaufsstraße aus römischen Zeiten; und ach ja, da waren sie zuhauf, die orthodoxen Juden mit ihren schwarzen Hüten, die sich ja auch immer schön auf Fotos machen, wenn sie durch die verwinkelten Gassen huschen.

    Grabeskirche Jerusalem

    ➜ Alle Reiseberichte zu Israel findest du auch in meinem Israel Blog

    Souvenirs Jerusalem
    Christliches Vierte Jerusalem
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    Klagemauer Jerusalem
    Klagemauer

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    Orthodoxe Juden Jerusalem

    Aber irgendwie blieben in mir immer noch Fragen offen. Normalerweise bekomme ich recht schnell ein gutes Gespür für eine Stadt; das ist kein Wunder, nach fast zwei Jahrzehnten Fliegerei und diversen spontanen und weniger spontanen Übernachtungen in mir bis dahin manchmal fremden Städten entwickelt man seine eigene Routine, was das Erkunden und Erspüren einer Stadt angeht. Außerdem halte ich mich selbst ja ganz bescheiden für die ungekrönte Königin des Speed Sightseeings (gut, diverse Crewkollegen, die mich schon zu den verrücktesten Speed-Sightseeing-Aktionen kurz vor Pickup anstifteten, könnten mir den Titel streitig machen) und da sollte Jerusalem in knapp vier Tagen doch kein Problem darstellen. Tat es aber.

    Jerusalem und seine Geschichte: Das Zentrum dreier großer Weltreligionen

    Jerusalem ist das Zentrum drei großer Weltreligionen: Christentum, Judentum und Islam. Was seit jeher ein Konfliktpotential birgt, denn wie es halt so ist in der Geschichte der Menschheit: Teilen klappt meist nicht so gut. Ich bin nicht religiös, aber manchmal glaube ich, dass ich einen Hang zum Spirituellen besitze, den ich selten öffentlich thematisiere, weil, mal ehrlich, das hört sich mehr nach barfuß tanzenden, geistig entrückten Sektenjüngern in selbstgebatikten Gewändern an als alles andere.

    Klagemauer Männer

    Trotzdem meinte ich schon wieder, in Jerusalem die besondere Energie dieses Ortes am eigenen Leib zu spüren – ob es am Ort selbst lag, seiner Geschichte oder an der Bedeutung, die Millionen Gläubiger Jerusalem beimessen und in Scharen hinpilgern? Als ich am Flughafen in Tel Aviv landete, scherte auf dem Weg zur Passkontrolle genau vor mir eine inbrünstig singende, 40köpfige Gruppe von fröhlichen Pilgern ein, der Aufschrift ihrer bedruckten Shirts nach kamen sie für eine Pfingstreise von der Elfenbeinküste und ihre weitgehende Unbeholfenheit im Umgang mit Passkontrollen und dem ganzen Reiseklimbim im Allgemeinen ließ vermuten, dass diese Reise für sie ein außergewöhnliches Ereignis in ihrem Leben darstellte. Diese religiöse Hingabe der vielen Pilger und Wallfahrer ist auch in der Stadt selbst deutlich zu fühlen.

    Al Aqsa Moschee Jerusalem
    Jerusalem Tischdecke

    Ausflug in die City of David – ein Vormittag auf den Spuren von Indiana Jones

    Eines Morgens dann fuhren wir in die City of David, die Davidsstadt. Eine eher weniger mit touristischer Aufmerksamkeit bedachte Stelle in Jerusalem, wollen die meisten doch die Klagemauer sehen und die Altstadt entdecken. Die City of David ist eine archäologische Ausgrabungsstätte, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist und Funde aus der Zeit zeigt, in der König David (der aus David und Goliath – es wird biblisch!) vor 3000 Jahren Jerusalem zur blühenden Stadt machte. Insgeheim hoffte ich, dass dieser Programmpunkt schnell an mir vorüberziehen würde – Ausgrabungen ansehen, das klang nicht gerade verlockend. Ich meine, die halbe Stadt ist alt, das braucht man sich doch nicht extra ansehen?

    City of David Davidsstadt Jerusalem
    City of David Davidsstadt Jerusalem

    Archäologie in Jerusalem: Spannende Funde und Erkenntnisse

    Ich wurde eines Besseren belehrt. Wir stiegen hinab in eine unterirdische Höhle, bekamen einen kleinen Auffrischungskurs in Sachen Altes Testament (den ich bitter nötig hatte), denn wir standen sozusagen mittendrin in dessen Schauplatz, schauten uns eine sehr realistische Multimedia-Präsentation des alten Jerusalems an und bestaunten das unglaublich raffinierte Bewässerungssystem: Wir schlängelten uns durch schmale Gesteinsspalten, die damals als Wasserzufuhr für die umliegenden Felder in das Gestein gemeißelt worden sind und konnten nicht fassen, dass das hier mehrere tausend Jahre alt sein sollte.

    City of David Davidsstadt Jerusalem Tunnel

    Auch der Hiskija-Tunnel aus dem 8. Jh.v.Chr., ein unterirdischer Kanal zur Wasserversorgung, wurde erschlossen und kann in fast der gesamten Länge besichtigt werden. Der besondere Spaß: Bis heute führt dieser Tunnel mindestens kniehoch Wasser und muss durchwatet werden! Wasserfeste Schuhe und Taschenlampe (sind Pflicht!) können vor Ort erworben werden.

    Hiskija Tunnel Jerusalem
    Der Eingang zum Hiskija-Tunnel: Es wird nass und dunkel

    Archäologie live: Die neueste Entdeckung in der City of David

    Zur Zeit wird noch eine weitere große Entdeckung freigelegt: In einer der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglichen Ausgrabung wird der mehrere hundert Meter lange Pilgerweg vom Shiloah-Becken (dort unterzogen sich die Gläubigen der rituellen Waschung) bis hinauf zum Tempel der Stadt ausgegraben. Was heute ein unterirdischer Tunnel ist, für den wir ganz schön hinabsteigen mussten, war vor 2000 Jahren eine Straße unter freiem Himmel – so viel wurde in den darauffolgenden Jahrhunderten darüber gebaut! Live und in Farbe durften wir uns die laufenden Grabungsarbeiten ansehen – und plötzlich schien Archäologie ziemlich aufregend. Bald wird dieser Tunnel übrigens auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein – und das wird großartig werden!

    City of David Ausgrabung
    Jerusalem City of David

    Wieder draußen, genossen wir die Aussicht aufs Tal, hinter uns ein Hang, auf dem sich die Wohnhäuser des umliegenden Viertels türmten. Die verschiedenen Gesteinsschichten verrieten auch hier, dass jede Menge Geschichte in diesem Hang steckte.
    „Weißt Du, der Grund auf dem Jerusalem steht, besteht aus unzähligen Schichten von Bausubstanz. Nichts wurde entfernt. Es wurde Jahrtausende einfach nur Schicht für Schicht aufeinander gebaut.“, sagte unsere israelische Begleitung Maria. „Die große archäologische Frage ist in Jerusalem nie, ob man etwas findet – denn man findet immer etwas, das ist sicher. Die Frage ist nur, ob es sich lohnt, das, was man bisher entdeckt hat, zu zerstören, um noch weiter zu graben.“

    City of David Davidsstadt Jerusalem

    Mein undefinierbares Gefühl zu Jerusalem zerfloss und ich machte meinen Frieden mit der Tatsache, dass ich meine Fragezeichen in Bezug auf Jerusalem wohl nie lösen können würde. Wie sollte man auch je eine Stadt einordnen können, unter deren Oberfläche die Geschichte der Menschheit aus Jahrtausenden vergraben ist?

    Praktische Tipps zur City of David

    Die City of David befindet sich unweit der Altstadt, hinter der Klagemauer, wenn man durch das Misttor hindurch geht. Ich würde einen halben Tag einrechnen, um das ganze Areal in Ruhe zu erkunden – bei einem Tagestrip ist das wahrscheinlich schwer. Aber ohnehin ist meiner Meinung nach ein einziger Tag für Jerusalem viel zu wenig. Und die City of David ist wirklich eine Location, die ich euch sehr ans Herz legen möchte, am besten mit einer Führung – mir hat es sehr geholfen, Jerusalem ein bisschen besser zu verstehen.

    Tour durch die City of David buchen*

    Flaggen Israel

    Schaut auch einmal bei meinen Bloggerkolleginnen vorbei! Mit mir in Jerusalem waren Nina von Good Morning World, Katrin von Before we die, Claudia von Dinner um 8 und Ina von Ina isst.

    Disclaimer: Ich wurde von iTravelJerusalem und der Jerusalem Development Authority zum Jerusalem Travel Bloggers’ Summit 2019 eingeladen.

  • Jerusalem: Ein persönlicher Reisebericht.

    Jerusalem: Ein persönlicher Reisebericht.

    Mit Religion hatte meine Jerusalem-Reise nichts zu tun, auch wenn ein Großteil der Touristen aus religiösen Gründen dorthin pilgert. Damit habe ich so gar nichts am Hut. Auch, seitdem ein Großteil meiner brasilianischen Familie sich immer intensiver mit dem Thema beschäftigt und die eigene Religion mittlerweile allgegenwärtig ist.

    Das stört mich sehr und bietet immer öfter Nährboden für Konflikte, weil jeder insgeheim denkt, sein Glaube sei der einzig wahre. Eine Entwicklung, die so in vielen Bereichen in Brasilien gerade stattfindet – und manchmal mache ich mir Sorgen, ob dieser Religionswahn sich nicht irgendwann zum Schlechten wenden wird. Vielleicht war die Reise nach Jerusalem deswegen so intensiv für mich. Also vorab: Dieser Reisebericht über Jerusalem ist sehr persönlich geprägt, manche mögen es anders erleben – aber das gehört auch eben zum Reisen dazu.

    Vintage Buch Bildband Israel

    Anreise nach Tel Aviv: Abenteuer Israel

    Meine Reise stand einfach nicht unter einem guten Stern. Ich flog von Deutschland aus direkt nach Tel Aviv und, weil ich’s wahrscheinlich einfach wissen wollte, wählte ich die israelische Hausairline. Waren die Sicherheitsvorkehrungen dort wirklich so anders? Tatsächlich. Total unvorbereitet wie immer, fand ich mich kurz vorm Check-In-Schalter in einem intensiven Interview bezüglich meiner Reisepläne und meiner Lebensumstände in Berlin wieder.

    Das eindringliche Gespräch fühlte sich für mich so sehr nach Verhör an, dass ich befürchtete, mein Gegenüber würde mich jeden Moment in einen geheimen Flughafenkerker werfen und dort verrotten lassen. Wegen was auch immer. Tat er aber dann doch nicht. Schweißgebadet musste ich danach mein Gepäck einer intensiven Gepäckkontrolle unterziehen lassen, und irgendwann war ich dann doch des Check-Ins würdig. Meine Laune war aber am Boden und ich wäre am liebsten wieder heulend nach Hause gefahren. Ging schon gut los.

    Lese noch mehr Tipps & Reiseberichte über Israel in meinem Israel Blog

    Über Jerusalem hatte ich mir vorher nie Gedanken gemacht. Eigentlich war es nur der Zufall, der für diese Reise sorgte. So kam ich frühmorgens relativ unbedarft dorthin. Relativ erstaunt. Jerusalem ist DAS Zentrum von drei Weltreligionen, die sich bekanntermaßen nicht immer mögen. Aber diese Spannung spürte ich in der ganzen Stadt, immer. Schon kurios, wenn man bedenkt, dass alle diese Religionen Liebe und Frieden propagieren.

    Was man in der Altstadt nicht verpassen sollte

    Die Jerusalemer Altstadt ist gespickt mit weltberühmten Sehenswürdigkeiten, die du dir unbedingt anschauen solltest. Die wichtigsten findest du hier, aber ich empfehle dir auch meinen großen Jerusalem Guide. Dort findest du neben weiteren Sehenswürdigkeiten außerhalb der Altstadt auch viele praktische Tipps für deine Reise nach Jerusalem.

    #1 Die Grabeskirche

    Die Grabeskirche liegt ganz versteckt, fast inmitten der Altstadt, und würden einem nicht die Kondensstreifen von Tausenden Reisegruppen den Weg dorthin weisen, würde man wohl kaum hinter der unscheinbaren Fassade eines der größten Heiligtümer des Christentums vermuten.

    Grabeskirche Jerusalem Eingang

    An der Stelle, an der später die Kirche erbaut wurde, soll Jesus gekreuzigt worden sein. Und sein Grab soll sich hier befinden. Weil die Grabeskirche daher so ziemlich für jede christliche Glaubensrichtung von Bedeutung ist, zanken sich auch dementsprechend viele Interessengruppen seit jeher um die Grabeskirche. Das hat dann irgendwann dazu geführt, dass die Schlüssel für die Kirche innerhalb einer bestimmten muslimischen Familie weitervererbt wurden – morgens und abends kommt dann jemand mit dem Schlüssel und schließt auf oder zu. Verrückt.

    #2 Die Klagemauer

    Die Klagemauer mit dem Tempelberg und der goldenen Kuppel des Felsendoms ist wohl eines der bekanntesten Postkartenmotive Jerusalems, ach, wahrscheinlich auch Israels. Eine Pilgerstätte des (orthodoxen) Judentums. Daher beten hier Männer und Frauen getrennt.

    Trennung Frauen Männer Klagemauer Jerusalem
    Flagge Israel Klagemauer

    Der Zugang ist geregelt: Man muss vorher eine der Sicherheitskontrollen passieren. Passender hätte die Szenerie nicht sein können, als plötzlich eine Jugendgruppe auftauchte und alle fröhlich „Hava Nagila“ sangen und im Kreis tanzten.

    #3 Die Davidszitadelle

    Die Davidszitadelle neben dem Jaffator bietet nicht nur ein informatives Museum zur Stadtgeschichte, sondern auch einen tollen Ausblick auf die Altstadt. Abends gibt’s in der Zitadelle auch noch eine Open-Air-Lightshow. Hört sich nach Touristenkitsch an, ist aber vor der einmaligen Kulisse der Festung sehr beeindruckend. (Eintrittspreise und Öffnungszeiten auf der Webseite des Museums.)

    #4 Das Gassenlabyrinth in der Altstadt

    Die Altstadt Jerusalems besteht zum großen Teil aus kleinen, engen Gassen, und an jeder Ecke dieses Gassenlabyrinths glaubt man, die Geschichte der Stadt – ach, was, der ganzen Menschheit! – erleben zu können. Wenn diese massiven Mauern nur sprechen könnten. Man kann gut und gerne einen ganzen Tag in der Altstadt verbringen und sich einfach nur treiben lassen. Fast hat man auch keine andere Wahl, denn früher oder später wird einen der eigene Orientierungssinn im Gassenwirrwarr eh verlassen.

    Bunte Schalen Jerusalem

    Was sehr schön ist: Wer glaubt, die Altstadt wäre nur ein Ort voll mit Touristen-Klimbim, irrt. Sicherlich gibt es viele Souvenirshops, bei der Menge der Touristen, die täglich durch die Jerusalemer Altstadt strömen, ist das kein Wunder. Aber es findet auch richtiges, einheimisches Leben statt!

    Das Jerusalem-Syndrom und ich

    Tatsächlich fühlte ich mich während meines Aufenthaltes in Jerusalem von Stunde zu Stunde unwohler. Selten hat mich ein Ort so irritiert. Ist es eine Überdosis an Religion? Ich fuhr überstürzt nach Hause zurück, weil ich nur noch weg wollte. Und das, obwohl ich mir eigentlich gerne noch mehr angesehen hätte, um mir ein besseres Bild zu machen. Ich war nämlich anlässlich eines Events dort, der vom örtlichen Tourismusbüro gesponsert wurde, und uns daher eher an Orte führte, die das Gesamtbild von Jerusalem eher unvollständig hinterliessen – ich denke, ihr wißt, was ich meine.

    Hinter vorgehaltener Hand bekam ich jedenfalls mehrfach den Ratschlag zugeraunt, mir doch auch mal den palästinensischen Teil anzuschauen, der sei ganz anders. Wie dem auch sei, die Stimmung in Jerusalem fand ich so beklemmend – oder besser gesagt, meine persönliche Stimmung –, dass ich nur wenige Tage aushielt. Wie mir aber später ein Israel-kundiger Kollege versicherte, sind starke Reaktionen bei Jerusalem-Besuchern nicht unüblich.

    Die einen haben wundersame Erscheinungen, empfangen irgendwelche spirituellen Botschaften oder kriegen einfach nur die Krise vor lauter Religion, so wie ich. Das Jerusalem-Syndrom bezeichnet eigentlich eine psychische Störung, bei der die Betroffenen an religiösen Wahnvorstellungen leiden – hört sich amüsant an, aber irgendwie geht von Jerusalem aus schon eine seltsame Energie, sodass man sich gar nicht mehr wundert, dass manche Menschen so stark auf diese Stadt anspringen.

    Kruzifixe Krippen Heiligenbilder Jerusalem
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